Waldinventur Großsteinhauser Modell hat sich bewährt

Großsteinhausen · Die Verpachtung des Waldes an ein Privatunternehmen hat den Gemeindeforst gedeihen lassen.

 Der Waldlehrpfad in Großsteinhausen, angelegt von dem Pächter Schmitz für die Ortsgemeinde Großsteinhausen, lockt immer wieder Besucher an.

Der Waldlehrpfad in Großsteinhausen, angelegt von dem Pächter Schmitz für die Ortsgemeinde Großsteinhausen, lockt immer wieder Besucher an.

Foto: Norbert Schwarz

Ein Jahrzehnt ist vergangen, seit Ortsbürgermeister Volker Schmitt mit den damaligen Ratsmitgliedern einen ganz außergewöhnlichen Zuständigkeitswechsel vollzog. An Stelle der direkten staatlichen Forstaufsicht verpachtete die Ortsgemeinde Großsteinhausen ihren Gemeindewald an das Waldbauunternehmen Udo und Michael Schmitz aus Ormont in der Eifel.

Mit der Waldverpachtung ging die der gemeindlichen Eigenjagd einher. Landesweit sorgte Großsteinhausen mit dieser Entscheidung für Furore. Insbesondere die Abgabe der Jagdpacht erregte die Gemüter. Das, was damals den Gemeindeverantwortlichen und vor allem Ortsbürgermeister Volker Schmitt als Riesenfehler unterstellt wurde, hat sich bewährt. Das bescheinigte jetzt auch Forstamtsleiter Florian Kemkes vom Forstamt Westrich.

Der Waldpächter Schmitz bewirtschaftet den Großsteinhauser Gemeindewald nachhaltig. Zu dieser Feststellung kam Forstamtsleiter Florian Kemkes nicht allein nach Aktenstudium, sondern vor allem aufgrund des umfassenden Sachberichtes des unabhängigen Forstsachverständigen Andreas Eichenlaub aus Erfweiler. Der nämlich kennt den Großsteinhauser Gemeindewald gleich der eigenen Hosentasche, ist seit einem Jahrzehnt mit Bäumevermessen, Erkundungen vor Ort und dem Feststellen von jeglichen Veränderung betraut.

50 „eiserne“ Inventurpunkte gibt es im gesamten Waldgebiet, gespannt verfolgten nicht allein die Ratsmitglieder seine fachlichen Ausführungen über die Inventur des Großsteinhauser Waldes über die letzten zehn Jahre. Interessante Feststellungen für alle sind bei dieser Inventur sozusagen zu Tage gekommen. Etwa die Tatsache, dass der Eichenbestand nunmehr unter der 1000er Marke liegt. Nicht alle der vor zehn Jahren gezählten 1166 Bäume sind der Motorsäge zum Opfer gefallen, manche Eiche wurde auch ein Opfer des Klimawandels, so der Forstsachverständige.

Erfreulich, dass trotz des Klimas mit seinen Veränderungen gerade auch für den Wald, Großsteinhausen noch immer Qualitätswald auf seinen Gewannen hat. Etwa in der Hochseiters, wo Andreas Eichenlaub weiter Qualitätsbäume in den Unterlagen markierte. Die Jahre von 2018 bis 2020 seien Jahre der Stagnation gewesen, berichtete Eichenlaub. In dieser Zeit habe auch der Waldpächter Schmitz nicht das mögliche Einschlagpotenzial ausgeschöpft. Zu Recht, denn die Trockenheit im Wald sei in dieser Zeitspanne enorm gewesen. Für die nachfolgenden Generationen werde auch jetzt noch im Gemeindewald viel getan, resümierte der Forstsachverständige.

Das Urteil des Forstamtsleiter Florian Kemkes vom Forstamt Westrich war deshalb auch insgesamt positiv. Unterm Strich keine Beanstandungen. Im Gegenteil, Großsteinhausen sei mit seinem Gemeindewald gut aufgestellt, so der Forstamtsleiter, der in Sachen Waldbewirtschaftung weiterhin die staatliche Oberaufsicht in Händen hat.

Bei alledem ist insbesondere die Naturverjüngung ein großer Themenkomplex gewesen. Als förderlich habe sich die Minderung des Rehwildbestandes ausgezahlt – weil die Tiere gerne an Jungpflanzen knabbern.

Revierförster Uli Osterheld als Sachwalter des Pächters Schmitz, Waldbau-GmbH betonte die Einmaligkeit zu dem, was bisher im Gemeindewald von Großsteinhausen beispielgebend für das gesamte Land Rheinland-Pfalz entstanden sei. Das der Bewirtschaftungsgrund wie in Großsteinhausen durch einen unabhängigen Forstsachverständigen begleitet werde, sei landesweit einmal, so Osterheld. Den festgestellten Masseverlust (an Holzmenge) von 6,5 Prozent bezeichnete der Revierförster als hinnehmbar der Vorrat sei von Anfang an zu hoch gewesen.

Die Naturverjüngung wird im Gemeindewald ein Thema bleiben, die ersten Erfolge sind sichtbar. Für Osterheld wäre eine Verjüngung unter der Verbesserung von Lichtbaumräumen sinnvoll. Übrigens, auch Bäume „trainieren sich“. Die Jungbäume, so Förster Uli Osterheld, stellen sich jetzt schon auf ein verändertes Klima ein.

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