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Zweibrücker Handballerin Amelie Berger wechselt von Bietigheim nach Dortmund

Handballerin Amelie Berger : Neue Rolle mit mehr Verantwortung im Blick

Die Zweibrücker Handballerin Amelie Berger zieht es zur kommenden Saison von der SG BBM Bietigheim zu Borussia Dortmund. Mit ihrem aktuellen Team will die 21-Jährige zuvor aber nur zu gerne noch einen Titel gewinnen.

In ein neues Trikot – und eine neue Rolle – wird Amelie Berger ab Sommer schlüpfen. Die Handballerin wechselt dann vom Bundesliga-Spitzenteam SG BBM Bietigheim zum derzeitigen Titelanwärter Borussia Dortmund. Zurück ins Rhein-Ruhr-Gebiet. „Einer der Gründe ist, dass das Dortmunder Team sich verjüngt und die vorhaben, in den nächsten Jahren auch international anzugreifen“, erklärt die Zweibrückerin. „Ich werde in der Mannschaft, einfach weil sie insgesamt jünger ist, auch nochmal eine andere Rolle haben. Ich kann als junge Spielerin wahrscheinlich mehr Verantwortung übernehmen“, beschreibt die A-Nationalspielerin, den besonderen Reiz, der sie zu diesem Schritt bewogen hat.

Zudem kenne Amelie Berger Dortmund-Coach André Fuhr, der zugleich Trainer der U20-Nationalmannschaft ist und zuletzt auch die Frauen-Auswahl des DHB mit auf die EM in Dänemark vorbereitet hatte. Sie wisse daher, wie sein Training abläuft. Zum ersten Mal haben sich die Wege der beiden hier allerdings nicht gekreuzt. „Das ist ganz lustig, als ich damals von Zweibrücken weggegangen bin, hatte ich mir einige Vereine angeschaut“, erzählt sie. Bis 2015 war Berger für den SV 64 Zweibrücken aufgelaufen, bevor es noch als Juniorenspielerin „dann Leverkusen wurde“. Und auch Fuhr, damals Coach der HSG Blomberg-Lippe, hatte zu dieser Zeit bei der Nachwuchshoffnung angefragt. „Uns verbindet da irgendwie schon die ganze Zeit etwas. Das zeigt mir, dass er meine Spielweise mag – jetzt hat es funktioniert, dass ich unter ihm spielen werde“, freut sich die 21-Jährige auf die Zusammenarbeit beim BVB. „Ich hoffe, dass ich mich in Dortmund nochmal weiterentwickeln kann.“

Zwei Jahre hat Amelie Berger vor ihrem Wechsel dann für Bietigheim auf dem Feld gestanden. Doch ohne Titel will die Zweibrückerin die SG BBM nur ungern verlassen. Im vergangenen Jahr wurde den Schwaben die Chance auf die Meisterschaft durch die coronabedingt abgebrochene Saison genommen, in dieser Runde ist Spitzenreiter Dortmund bereits etwas davongezogen. „In der Bundesliga ist es daher schwer, noch an die Spitze zu kommen“, sieht Berger die Chance auf die Meisterschaft als eher unrealistisch an. „Wir wollen aber auf jeden Fall sicher den zweiten Platz ergattern, damit der Verein auch in der kommenden Saison international spielen kann.“

Das größte Ziel ihrer Mannschaft sei es nun, „den Pokal nach Bietigheim zu holen“, erklärt die Linkshänderin, die in den verbleibenden Monaten alles für den Club geben möchte. Im Final-Four Mitte Mai in der Stuttgarter Porsche-Arena sieht sie „ganz gute Chancen“. Im Halbfinale trifft die SG BBM dort auf den derzeit Vierten der Bundesliga, TuS Metzingen. In dem anderen Halbfinale stehen sich die HSG Blomberg-Lippe (derzeit Dritter der HBF) und der HL Buchholz 08-Rosengarten (derzeit 13.) gegenüber. „Das wird sicherlich spannend“, blickt Berger schon voller Vorfreude auf das Turnier voraus. Bis zudem sie allerdings noch zahlreiche weitere Termine im Kalender stehen hat.

„In der Champions League haben wir in den kommenden zwei Wochen zwei wichtige Spiele.“ Am Sonntag steht das Achtelfinal-Hinspiel gegen das ungarische Spitzenteam Györ Audi ETO auf dem Plan, eine Woche später geht es auswärts gegen den fünffachen Champions League-Sieger und erneuten Titelfavoriten. „Wir sind da klarer Außenseiter, aber manchmal ist so eine Außenseiterrolle ja nicht das schlechteste“, betont die Zweibrückerin und fügt an: „Es ist einfach eine Ehre, nochmal gegen solch einen Topclub zu spielen und da Erfahrungen zu sammeln – egal, wie das Ergebnis am Ende dann aussieht, macht das sportlich einfach Spaß.“ In die K.o.-Runde eingezogen sind die Bietigheimerinnen durch den Beschluss der European Handball Federation (EHF), alle Teams für das Achtelfinale zuzulassen, da zu viele Vorrundenspiele coronabedingt ausgefallen sind.

Auch die SG BBM war von Spielabsagen und Coronafällen betroffen. Dadurch verunsichern lassen möchte sich Amelie Berger aber nicht. „Ich muss schon sagen, dass ich mich sicher fühle, dadurch, dass wir so regelmäßig getestet werden, es einfach auch früh erkannt wird und wir medizinisch gut versorgt sind.“ Man müsse in diesen Zeiten einfach damit rechnen, dass es einen treffen kann. „Aber der Verein macht alles dafür, dass wir möglichst sicher sind. Daher sehe ich das nicht als große Belastung.“

Auch das straffe Programm aus Liga, Pokal, Champions League und Nationalmannschaft belastet die Rechtsaußen keinesfalls. Zwischendurch hat sie mal eben noch Klausuren für ihr Fernstudium der Psychologie geschrieben, demnächst kommt die Wohnungssuche in Dortmund dazu. Neben Liga und Champions League ist vom 14. bis 21. März aber erst einmal noch der nächste Lehrgang mit der DHB-Auswahl angesetzt. Die vor einer Herausforderung steht. Nach einem großen Umbruch im Nationalteam – die bisherigen Spielführerinnen Julia Behnke und Kim Naidzinavicius sind nach der EM in Dänemark und den folgenden Gesprächen mit Bundestrainer Henk Groener aus der Nationalmannschaft zurückgetreten – „muss sich die Mannschaft neu formen“, erklärt Berger. „Ich denke, dass das Hauptziel des Lehrgangs im März sein wird, dass junge Spielerinnen sich etablieren und wir im Team wieder eine kleine Hierarchie entwickeln.“ Um dann nach erfolgreichen Qualispielen im April schließlich auch im Dezember bei der WM in Spanien mitmischen zu können. „Das ist das nächste große Ziel.“

Der Blick der DHB-Auswahl geht mit ihrer Neuausrichtung allerdings auch bereits Richtung Heim-WM 2025. „Das ist ein mittelfristiges Ziel.“ Die ganze Nationalmannschaft werde aber schon jetzt mehr oder weniger auf dieses hin aufgebaut, „damit Deutschland dann ein gutes Team stellen kann, in dem die Spielerinnen schon über mehrere Jahre, zusammengewachsen sind – „wenn’s gut läuft“, sagt Berger und fügt an: „Das ist schon ein Traum von mir, bei einer Heim-WM mitspielen zu können.“

Nicht ganz so traumhaft war der letzte internationale Auftritt bei der EM Ende vergangen Jahres verlaufen. Weder für das deutsche Team (Platz sieben) noch für Berger selbst. Doch das hat die 21-Jährige mittlerweile verarbeitet. „Ich denke mir immer, man ist auch keine Maschine. Es gibt immer Zeitpunkte, in denen es nicht so läuft. Wenn das dann eine EM trifft, ist das natürlich schade“, blickt sie auf das Turnier zurück. Im Großen und Ganzen müsse sie aber sagen, dass das DHB-Team immer einen Schritt weiter geht, seit Henk Groener vor drei Jahren das Traineramt übernommen hat. Dass es in Dänemark nun wieder so knapp vor einem Halbfinale nicht gereicht hat, sei bitter. „Aber ich denke, wir waren bei dieser Europameisterschaft einfach auch noch nicht so weit, dass wir es verdient hätten, dort zu stehen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es in den nächsten Jahren irgendwann mal klappen wird“, verliert Berger ihren Optimismus nicht.

Und sportlich läuft es in den verschiedenen Wettbewerben mit Bietigheim für die Zweibrückerin wieder „sehr gut“. In den zurückliegenden Spielen in der Liga gehörte sie mit zu den erfolgreichsten Werferinnen, in den beiden letzten Begegnungen in Pokal und Champions League war sie am treffsichersten. Von dem anstehenden Wechsel nach Dortmund lässt sich die Rechtsaußen bei ihren Einsätzen für die Schwaben also nicht aus der Ruhe bringen. Mit dem Kopf sei sie noch voll bei Bietigheim. „Der Verein hat die Entscheidung auch super aufgenommen. Und es bringt einem natürlich auch wieder ein bisschen Selbstvertrauen, wenn man mehr Spielanteile hat – und wenn es dann gut läuft, ist es natürlich doppelt schön.“

Und wenn es doch mal hakt, kann sich Amelie Berger stets zuhause auf den Rückhalt von Familie und Freund Luis Strohecker verlassen. „Es freut mich, dass ich so eine große Unterstützung von allen Seiten habe.“ Daher sei es auch sehr schön für sie, dass Strohecker mit ihr zusammen nach Dortmund ziehen wird. „Das hilft schon sehr, wenn man vielleicht nicht immer nur über Handball reden muss“, sagt sie lachend. Fehlen darf auf dem nun eingeschlagenen Weg auch ihr Hund Balu nicht. Der Australien Shepherd begleitet das Paar seit vergangenem Herbst. „Ich bin ganz im Glück – das ist auch nochmal ein schöner Ausgleich. Als Hallensportler ist man ja nicht so viel draußen und jetzt wird man mehr oder weniger dazu gezwungen, öfters mal an die Luft zu gehen.“

Das will die Zweibrückerin künftig dann auch in der Umgebung von Dortmund. „Ich mag Nordrhein-Westfalen sehr“, sagt Amelie Berger, die die Region und die Menschen aus ihrer Zeit bei Bayer Leverkusen kennt. „Den Süden hab‘ ich auch sehr gemocht, muss ich sagen, aber da werde ich mich jetzt auch nicht groß verschlechtern.“ Weder in der Rolle auf noch neben dem Feld.