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Stabhochsprung- und Speerwurf-Meeting „Sky's the Limit“ des LAZ Zweibrücken

LAZ Zweibrücken : „Wo ist denn der Alex Vieweg?“

Für den Vorsitzenden des LAZ Zweibrücken und die Vereinsmitglieder war die Durchführung des internationalen Stabhochsprung- und Speerwurf-Meetings „Sky‘s the Limit“ eine Riesenherausforderung.

Alexander Vieweg war platt. Als am Samstagabend um kurz vor zehn die letzte Bierbank im Westpfalzstadion zusammengeklappt und die Sprunganlage abmontiert wurde, bekam der Vorsitzende des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken seine erste kurze Verschnaufpause. Zuvor sah man Vieweg beim „Sky‘s the Limit“ – dem internationalen Speerwurf- und Stabhochsprung-Meeting des Vereins – meist mit Hemd und Sonnenhut im Laufschritt von A nach B wetzen: Ein Grußwort vor dem Zuschauerbereich, Abstimmung mit der Security beim Einlass, Regelung der Lautsprecheranlage auf der Tartanbahn. Frisches Eis für die Gastronomie. Irgendwo wurde der Vorsitzende immer gebraucht. „Wo ist denn der Alex Vieweg?“, dürfte der Satz gewesen sein, den Michael Werling, der das Meeting vor Ort kommentierte, am öftesten sprach.

Erst bei der Siegerehrung sei die Anspannung teilweise von ihm abgefallen, sagte der 34-Jährige. „Da dachte ich mir: Jetzt ist es vorbei. Und das ist für heute auch gut so.“ Abgeschlossen war die Arbeit damit aber noch nicht. „Richtig entspannen kann ich wahrscheinlich erst, wenn die letzten vier Athleten morgen im Flieger in die Heimat sitzen. Und dann fängt der Papierkram an.“

Außerdem beginnt das bange Warten, ob ihn in den nächsten 14 Tagen ein Anruf vom Gesundheitsamt ereilt. Wegen der Corona-Pandemie hatte jeder der rund 500 Zuschauer mit Namen und Adresse erfasst werden müssen. Insgesamt durften sich 600 Personen im Westpfalzstadion aufhalten. Und das nur, weil das LAZ im Vorfeld im steten Austausch mit der Stadt ein umfangreiches Hygienekonzept ausgearbeitet und ständig angepasst hatte. „Der Support von der Stadt war super. Dort hätte man auch sagen können: ‚Laut Verordnung sind 350 erlaubt und dabei bleibt es‘. Das zeigt, welchen Stellenwert das Meeting mittlerweile hat“, freute sich Vieweg.

Mehr Zuschauer durften zwar ins Stadion – aber eben nicht alle. „Es war bitter, Menschen abweisen zu müssen, die seit Jahren kommen“, bedauerte der Vorsitzende. Zum Glück seien die meisten Interessierten, die sich online für die Veranstaltung angemeldet hatten – dann aber verhindert waren – so fair gewesen, sich abzumelden. Außerdem habe die Security Strichlisten der Anwesenden im Stadion geführt. „Die haben einen tollen Job gemacht. Sobald wieder ein wenig Luft war, durften neue Leute rein“, lobte Vieweh. Aber auch viele derjenigen, die gar nicht mehr ins Stadion durften, konnten das Meeting zumindest mit etwas Abstand verfolgen. Vor dem A-Block versammelten sich Menschen und schauten durch die Gitterstäbe. Auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions hatten es sich drei Jungs sogar auf dem Dach eines Wohnmobils gemütlich gemacht.

Knifflig sei aber nicht nur die Begrenzung der Zuschauer gewesen, sondern auch die der Athletenfelder, sagte Vieweg. „Bei 38 Anfragen im Stabhochsprung – von Athleten, die alle eine klasse Leistung stehen haben – den Rotstift anzusetzen, ist brutal.“ Zwei Tage vor der Veranstaltung habe ihn der Niederländer Menno Vloon, der mit 5,85 Metern den Meeting-Rekord hält, angerufen und gefragt, ob er noch teilnehmen könne. „Dafür hätten wir aber einen anderen Athleten streichen müssen und das kam für uns überhaupt nicht in Frage. Das widerspricht allem, was uns ausmacht“, sagte Vieweg. Dass beispielsweise Stabhochspringer Karsten Dilla in Zweibrücken an den Start gehen würde, sei eine Selbstverständlichkeit gewesen. Der 31-Jährige tritt nur noch bei den Deutschen Geistermeisterschaften ohne Publikum am 8./9. August in Braunschweig an, ehe er seine aktive Karriere beendet. Er sollte die Gelegenheit erhalten, sich von den Zuschauern zu verabschieden. Dilla saß am Samstag noch als einer der letzten im Westpfalzstadion und schwelgte mit den Mitgliedern seines extra angereisten Fanclubs in Erinnerungen.

Live kaum etwas mitbekommen habe Vieweg von den sportlichen Leistungen. Und die waren – wenn bei Spitzenathleten wie Speerwerfer Johannes Vetter oder Stabhochspringer Piotr Lisek die Schwierigkeiten der Corona-Saison auch deutlich wurden – beeindruckend: Europäische Jahresbestleistung des schwedischen Speerwerfers Kim Amb (86,49 m), deutsche Jahresbestleistung von Stabhochspringer Torben Blech (5,61 m), Weltjahresbestleistung des kleinwüchsigen Athleten Mathias Mester (34,77 m) im Speerwurf. Dies sei umso höher zu bewerten, „weil die „Saison zu diesem Zeitpunkt normalerweise schon lange läuft. Wir hatten dagegen Athleten hier, die ihren ersten Wettkampf bestritten haben“, schwärmte Vieweg.

 Gefragter Mann beim Meeting: der LAZ-Vorsitzende Alexander Vieweg.
Gefragter Mann beim Meeting: der LAZ-Vorsitzende Alexander Vieweg. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Sein Lob galt neben dem disziplinierten und rücksichtsvollen Verhalten der Zuschauer auch den LAZ-Mitgliedern. „Die stehen hier seit heute Morgen um halb zehn und bereiten alles vor. Da können wir uns glücklich schätzen und richtig stolz sein“, sagte der Vorsitzende noch, bevor er um Hilfe gerufen wurde. In dem Zelt, in dem es sich die letzten verbliebenen Athleten im Westpfalzstadion gemütlich gemacht hatten, war das Licht ausgefallen. Ganz zu Ende war der Arbeitstag von Alexander Vieweg also immer noch nicht.