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Diskuswerferin Christine Ecker wäre eigentlich bei der Senioren-WM in Kanada

Leichtathletik : Virtueller Wettkampf statt WM in Toronto

Diskuswerferin Christine Ecker wollte bei der Senioren-Weltmeisterschaft in Kanada an ihre bislang so guten internationalen Auftritte anknüpfen. Corona verhinderte dies.

Eigentlich würde sich Christine Ecker gerade in Toronto befinden. Mitten in der Leichtathletik-WM der Senioren. Am vergangenen Freitag hätte der Flug der Diskuswerferin vom LC DJK Erbach/LA Team Saar nach Kanada gehen, bis zum 2. August hätten die Titelkämpfe andauern sollen. Doch bedingt durch die Corona-Pandemie wurde auch diese Sportveranstaltung abgesagt. Stattdessen nimmt die 56-jährige Physiotherapeutin nun an der „Worldwide Virtual Masters Challenge 2020“, einer virtuellen WM, teil.

 An bestimmten Terminen im Zeitraum der ursprünglich angesetzten WM werden nun die Athleten virtuell gegeneinander antreten. So werden etwa die Diskuswerferinnen der Altersklasse W55 weltweit unter Realbedingungen, also mit Wettkampfrichtern, ihre Würfe absolvieren. Nach vorheriger Anmeldung auf einem Portal werden dann die Bestweiten der jeweiligen Starterinnen eingetragen. Anhand der Leistungen werden dann die Challenge-Weltmeisterin und die weiteren Platzierten ermittelt. Für Christine Ecker heißt es daher, statt Live-WM in Kanada nun virtueller Vergleich mit der Konkurrenz. Ihren Wettkampf wird Ecker dazu in Rehlingen bestreiten.

„Schade, dass ein Virus weltweit Sportveranstaltungen so lahm legen kann. Aber da kann man nichts ändern“, ist Christine Ecker überhaupt einmal froh, dass sie wieder das Training mit dem Diskus aufnehmen konnte. Viele Wochen lief auch in dieser Hinsicht kaum etwas, weil alle Sportanlagen in Homburg und Umgebung geschlossen waren. „Diskuswerfen kann ich ja schlecht im Wohnzimmer.“ Ein wenig Kraftraining mit Hanteln und Laufen im Freien, das war möglich. Seit gut drei Wochen kann die Diskuswerferin wieder richtig trainieren, sich wieder an der nicht einfachen Technik der Wurfdisziplin arbeiten.

„Schön, dass es auch wieder Wettkämpfe gibt“, freut sich die Erbacherin, die eventuell auch am 26. Juli in Ludweiler in den Diskusring steigen wird. „Die Altersklasse ist hier offen, es gibt aber nur acht Startplätze“, hofft sie, dass sie hier mitmischen kann. In Rehlingen wird Ecker am 2. August auf jeden Fall bei einem Wurf-Mehrkampf mit Diskuswurf, Hammerwerfen, Kugelstoßen, Speerwurf und Gewichtwerfen in der W55 an den Start gehen.

 Man kann durchaus sagen, dass Christine Ecker sich der Leichtathletik mit Leib und Seele verschrieben hat. Schon früh fing sie bei der damaligen DJK Erbach mit dem Sport an. Im Verlauf ihrer Jugend spezialisierte sie sich aufs Kugelstoßen, dann aufs Diskuswerfen. Über 40 Landesmeisterschaften sichete sich Ecker von den Schülerinnen A bis in den Seniorenbereich. Süddeutsche Meisterin wurde sie bei der B-Jugend. Im Seniorinnenalter ab der W30 wurde die Diskuswerferin über 15 Mal deutsche Meisterin. Zu recht stolz ist sie auf ihre Bestmarken. Vom Schülerbereich bis in die Seniorenklassen hält sie bis heute alle Saarrekorde. Ihre persönliche Bestleistung von 51,86 Metern, die sie 1993 aufstellte, ist bis heute von keiner Diskuswerferin im Saarland übertroffen worden.

Die WM in Toronto 2020 hätte ihre bislang weiteste Anreise zu einem Wettkampf bedeutet. Dabei kann Christine Ecker schon auf einige WM- und EM-Teilnahmen in Europa in der Vergangenheit zurückblicken. 2014 war sie bei der Winterwurf-WM in Budapest/Ungarn dabei. Ein Jahr später verpasste sie bei der WM im französischen Lyon mit Platz vier nur knapp eine Medaille. Bei der EM in Aarhus/Dänemark wurde Ecker Vize-Europameisterin. 2018 gab es erneut Silber für Ecker bei der Winterwurf-EM in Madrid/Spanien. Bei der im gleichen Jahr in Malaga/Spanien stattfindenden Sommer-WM der Senioren wurde Ecker Sechste. Bei der Winter Wurf-WM im polnischen Torun verpasste die Saarländerin als Vierte knapp das Podest. Dafür sicherte sie sich bei der Sommer-EM im italienischen Caorle Bronze. Ihr nächster internationaler Einsätz wäre im März 2020 bei der Winterwurf-EM in Portugal gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt wütete bereits das Coron-Virus – und die EM wurde auf 2021 verschoben. Dann folgte die Absage der WM in Toronto.

Aber Ecker lässt sich nicht Bange machen. „So lange es mir Spaß macht, werfe ich weiter“, sagt sie. Gesundheitlich gesehen könne sie ihrem Sport sicher noch einige Jahre nachgehen, wenn sich auch das eine oder andere Wehwehchen, etwa im Rücken, bemerkbar macht. „Aber ernsthafte Beschwerden habe ich noch nicht, die mich zum Aufhören zwingen.“ Und so trainiert Christine Ecker wöchentlich drei bis vier Mal, um weiter erfolgreich mit der Wurfscheibe bei Wettkämpfen starten zu können.