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Fußball: Nach intensiver Saison stehen beim FCK entscheidende Tage an

1. FC Kaiserslautern : Von ruhiger Sommerpause keine Spur

Während sich Mannschaft und Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach einer wahrhaft turbulenten Saison in Urlaub befinden, geht auf dem Betzenberg der Existenzkampf des Fußball-Drittligisten in die heiße Phase.

Die Fans der Roten Teufel dürfen stolz auf sich sein. Mehr als 2000 von ihnen begleiteten die Mannschaft des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern in der letzten Saison im Schnitt zu den Auswärtspartien quer durch die Republik. Das waren mehr als bei jedem anderen Verein der Spielklasse.

Und das, obwohl der FCK, der die Runde auf Platz zehn abschloss, sportlich eine höchstens leidlich akzeptable Saison spielte. Und der Verein abseits des Platzes eine Negativschlagzeile nach der anderen produzierte: Das Investorendebakel, der Antrag auf Insolvenz, der Bruch mit Vereinsikone Gerry Ehrmann. Für den jüngsten Gesprächsstoff sorgte Christoph Hemlein. Der ehemalige Kapitän der Pfälzer, dessen Vertrag nicht verlängert worden war, erhob gegenüber Sport 1 schwere Vorwürfe gegen den Club, sprach von fehlendem Respekt – sogar von Mobbing. Anschuldigungen, die mit den Werten, auf die man sich beim Fritz-Walter-Club so gerne beruft, unvereinbar sind.

Die vor der Runde geäußerten Aufstiegsambitionen hatten sich scheinbar schon nach acht Spieltagen in Wohlgefallen aufgelöst. Nach der 1:6-Klatsche in Meppen waren nicht nur die Träume vieler Anhänger von der 2. Liga beendet. Sondern auch das Engagement von Trainer Sascha Hildmann. Für ihn kam Boris Schommers. Dieser hatte bis 2017 ausschließlich Jugendmannschaften trainiert, wurde zu Beginn kritisch beäugt. Erst recht nachdem ihm in den ersten sechs Partien nur ein magerer Sieg gegen Schlusslicht Jena gelang. Nach 14 Spieltagen lag der FCK mit nur 13 Punkten auf einem Abstiegsplatz. Mit einem 3:0 über den KFC Uerdingen leitete Schommers aber die Wende ein, sammelte 16 Punkte aus den folgenden sechs Partien und führte die Mannschaft bis auf vier Zähler an den Aufstiegsrelegationsrang heran. Von Bestand war der Erfolg nicht. In den sechs Partien nach der Winter- und vor der Coronapause gelang den Roten Teufeln keine einziger Sieg mehr. Dass der FCK seit dem Restart hinter Aufsteiger Braunschweig plötzlich wieder die meisten Punkte aller Drittligisten sammelte, vertrieb zwar das zwischenzeitlich erneut über den Betzenberg gegeisterte Abstiegsgespenst – musste aber manchem Anhänger auch wie Hohn erscheinen. Zeigte die stolze Ausbeute im Saisonendspurt doch, was die Pfälzer mit konstanteren Auftritten zu leisten imstande gewesen wären. Gravierender als die oft mauen Auftritte auf dem Rasen war aber das Bild, das der Club neben dem Platz abgab.

Anfang Oktober war der gesamte fünfköpfige Bei- und Aufsichtsrat der Pfälzer infolge der monatelangen Unruhen rund um die Investorensuche zurückgetreten. Nach einem bizarren Zick-Zack-Kurs hatte sich der FCK im Mai 2019 für die Zusammenarbeit mit dem Unternehmer Flavio Becca aus Luxemburg entschieden, der nicht nur von der Rückkehr in die 1. Bundesliga sprach – sondern gleich von der Champions League. Beccas Darlehen in Höhe von rund drei Millionen Euro sicherte die Lizenz. Doch die fragwürdigen Methoden, mit denen der Bauunternehmer eine regionale Investorengruppe ausgestochen hatte, sorgten für Empörung. Unter anderem machte Becca den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Littig, ein Befürworter einer konkurrierenden Investorengruppe, zur Bedingung für seinen Einstieg. Nachdem Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt hatte, war der Verein praktisch führungslos. Dem erfolglosen Sportchef Martin Bader war schon Ende September mitgeteilt worden, dass sein am 31. Dezember auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Als der frühere Vereinsvorstand Rainer Keßler und Weltschiedsrichter Markus Merk im Dezember den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahmen und Soeren Oliver Voigt als Geschäftsführer vorgestellt wurde, war das Führungsvakuum zwar beseitigt. Die Probleme nicht. Im Februar setzten die Pfälzer Torwarttrainer Gerry Ehrmann vor die Tür. Der folgende Rechtsstreit ist derzeit nur wegen Corona ausgesetzt.

Im April stellte der Verein die Pachtzahlungen für das Fritz-Walter-Stadion an die Stadt Kaiserslautern ein, mit der er ob dieser Thematik ohnehin im Dauerclinch liegt. Mitte Juni folgte der Tiefpunkt: der Antrag auf Eigeninsolvenz.

Diese kann für den Verein durchaus die Chance auf einen Neuanfang sein. Denn sportlich hatte der Schritt keine Konsequenzen. Der Deutsche Fußball-Bund hatte den bei einem Insolvenzantrag vorgesehenen Neun-Punkte-Abzug wegen Corona ausgesetzt. Doch zum einen sind die Probleme des Clubs um das für die Dritte Liga (und auch die Zweite) überdimensionierte und kaum rentabel zu betreibende Fritz-Walter-Stadion damit nicht aus der Welt. Zum anderen hat der Verein damit auch viel Porzellan zerschlagen. Bei Geldgebern – und bei den Anhängern, die den FCK mit dem Erwerb von Fan-Anleihen finanziell unterstützt hatten. „Die Fans tun mir am meisten leid. Sie sterben für den Verein und werden nur verarscht“, fluchte der ehemalige FCK-Profi Mario Basler.

Wie sieht die Zukunft aus? Die Lizenz für die kommende Saison hat der FCK vom DFB-Spielausschuss am vergangenen Freitag erhalten. Am Montag haben zudem zwei potenzielle Investoren ihre Konzepte vorgestellt. Ausgang ungewiss.

Auch ob die Pfälzer in der neuen Saison sportlich wieder angreifen und endlich den Aufstieg in Liga zwei iins Visier nehmen können, scheint offen. Top-Scorer Florian Pick verkündete, dass er den FCK trotz gültigem Vertrag gerne Richtung Zweitligist Heidenheim verlassen würde. Auch Christian Kühlwetter und Kapitän Carlo Sickinger sollen auf dem Zettel anderer Vereine stehen. FCK-Sportdirektor Boris Notzon verkündete zwar, die Leistungsträger halten und Pick nicht gehen lassen zu wollen. Ob derlei Aussagen nicht lediglich die Verhandlungsposition im Geschacher um Ablösesummen stärken sollen, bleibt abzuwarten. Nach Ruhe hört sich auch das nicht an.

Dabei hätten zumindest die Fans der Roten Teufel eine Saison frei von Pleiten, Pech und Pannen verdient.