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Judoka Jasmin Grabowski vom JC Zweibrücken arbeitet weiter auf Olympia hin

Judoka Jasmin Grabowski blickt auf Olympia 2021 : „Es ist schwierig, mit der Situation umzugehen“

Judoka Jasmin Grabowski vom 1. JC Zweibrücken arbeitet weiter auf das große Ziel Olympische Spiele 2021 in Tokio hin. Wenn auch vieles ungewiss ist auf dem Weg dorthin.

Eigentlich hätten an diesem Freitag die Olympischen Spiele in Tokio eröffnet werden sollen. Eigentlich wollte Jasmin Grabowski danach ihre sportliche Karriere langsam auslaufen lassen. Doch die historische Verlegung der Sommerspiele infolge der Coronavirus-Pandemie ändert auch die Pläne der Judoka des 1. JC Zweibrücken. Die zweite Olympia-Teilnahme nach Rio 2016 – und das im Mutterland des Judo – ist und bleibt „das große Ziel“ der 28-Jährigen. Ob die Spiele 2021 allerdings tatsächlich stattfinden können, wie der Weg dorthin für die Athleten aussieht, wann die Judoka überhaupt wieder Wettkämpfe bestreiten können – offen. „Alles hängt ein bisschen in der Luft“, sagt die Schwergewichtskämpferin.

Einen weiteren Schritt in Richtung Normalität haben Jasmin Grabowski (Klasse über 78 Kilogramm) und die ebenfalls für Zweibrücken startende Martyna Trajdos (bis 63 kg) immerhin Mitte Juli gemacht. Erstmals seit dem Corona-Lockdown im März kamen sie mit dem Nationalteam zum Trainingslager in Kienbaum zusammen. „Glücklicherweise“ war es für die beiden nicht die erste Möglichkeit, auf die Matte zurückzukehren. „Wir trainieren in Köln am Stützpunkt schon relativ lange wieder auf der Matte. „Wir hatten das Glück, dass es in Nordrhein-Westfalen für Profisportler recht schnell Ausnahmegenehmigungen gab“, erzählt Grabowski. So konnte sie drei, vier Wochen nach dem Lockdown, nach dem Individualtraining zuhause schon wieder in die Halle. „Am Anfang natürlich immer nur zu zweit plus Trainer – sowohl im Kraftraum als auch auf der Matte.“ Dann wurde weiter gelockert. „Wir Profisportler waren hier nicht ganz so eingeschränkt, wie andere Bundesländer. Aber es ist natürlich nicht so wie vorher. Bis wir zum normalen Trainingsbetrieb zurückkehren, wird es auch noch eine ganze Weile dauern“, schätzt die Pfälzerin.

Dennoch sei die Trainingswoche in Kienbaum für Grabowski und Trajdos fast eine normale gewesen. „Andere Stützpunkte haben davor erst ein oder zwei Wochen wirklich Judo gemacht. Für die war das schon sehr intensiv.“ Anliegen des Bundestrainers sei es einfach gewesen, die Mannschaft zusammen zu holen und wieder gemeinsam zu trainieren. Und daher heißt es in zwei Wochen gleich noch einmal für 14 Tage: Ab nach Kienbaum. „Auch, wenn das momentan noch alles ohne ein richtiges Ziel vor Augen ist, versuchen wir langsam wieder eine Normalität reinzukriegen“, erklärt die EM-Zweite von 2015.

Da hört es mit dem gewohnten Sportler-Alltag aber auch schon auf. Denn, wann wieder Judo-Wettkämpfe stattfinden können, ist schwer absehbar. „Es gibt Pläne, die gemacht werden, einfach, weil man irgendwann wieder anfangen muss zu planen. Aber das einzige, was in weiter Ferne vielleicht realisierbar ist, wäre Anfang November die Europameisterschaft in Prag“, sagt Jasmin Grabowski. Diese EM, die eigentlich im Mai hätte stattfinden sollen, wurde bereits mehrfach verschoben. „Die Welttour hingegen kann nur stattfinden, wenn alle Kontinente, alle Länder teilnehmen könnten. Und es ist ja bei Weitem noch nicht absehbar, nicht mal in Europa, wann da alle Länder anreisen könnten. Selbst Deutschland kann nicht überall einreisen. Das ist superschwierig.“

Ebenso ungewiss ist der Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio im kommenden Jahr. Jeden Tag gibt es neue Meldungen. „Es ist wirklich schwer, mit der Situation umzugehen“, betont die JCZ-Judoka, die versucht, gar nicht zu viel darüber zu lesen. „An einem Tag steht in der Zeitung, die Spiele werden komplett abgesagt, am nächsten Tag wird das Hygienekonzept erklärt und wie viele Zuschauer rein können, dann liest man von einem abgespecktem Programm, am nächsten Tag, dass es keine Eröffnungsfeier, keine Abschlussfeier geben wird“, erklärt Jasmin Grabowski die Lage. Klar ist: „Wir planen auf diese Olympischen Spiele hin.“ Aber mit all den ständig wechselnden Meldungen will sich die 28-Jährige nicht zu sehr beschäftigen. „Das würde einen nur kirre machen.“ Man könne momentan ohnehin nicht länger „als gefühlt drei Tage“ vorausplanen. „Es gibt dieses große Ziel Olympia im nächsten Jahr – aber es kann bis dahin auch noch so viel passieren“, hofft die Schwergewichtskämpferin, die bei ihrem Olympiadebüt in Rio in der ersten Runde ausschied, dass sie noch eine zweite Chance bei den Spielen erhält, dass sie irgendwie stattfinden werden. „Es hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber mir wäre es letztendlich auch egal, ob da dann Leute in der Halle sitzen oder nicht. Natürlich wäre es komisch, im Mutterland des Judos ohne Zuschauer zu kämpfen, aber mein großes Ziel ist erstmal, dass die Spiele stattfinden und ich daran teilnehmen kann.“ Unter welchen Rahmenbedingungen sei zweitrangig. „Ob mit abgespecktem Programm oder weniger Zuschauern in der Halle – das ist eine Sache, mit der muss man nun leben. Dieses Virus existiert jetzt leider Gottes. Das ist eine Situation, die man so hinnehmen muss. Verändern kann man sie eh nicht, man kann nur damit umgehen und mit den Vorgaben, die es gibt, arbeiten“, versucht Grabowsksi ihre Zuversicht nicht zu verlieren.

So besonders das Event Olympische Spiele ist, so begeisternd das Zusammenkommen der vielen Athleten und Zuschauer, so geht es für die Sportler dabei aber um mehr als das einfache Erleben. Der Sport ist ihr Beruf, es geht um Existenzen. „Wir haben Gott sei Dank sowohl von der Deutschen Sporthilfe als auch von der Sporthilfe Rheinland-Pfalz – was für mich der größere Förderer ist – die feste Zusage bekommen, dass die Unterstützung auf jeden Fall weiter läuft, dass wir uns da keine Gedanken machen müssen.“ Diese Zusage gilt auch bis zu den Spielen im kommenden Jahr. „Das gibt einem zumindest in finanzieller Hinsicht deutlich mehr Sicherheit.“ Auch für den Platz als Sportsoldatin bei der Bundeswehr, der in diesem Jahr eigentlich ausgelaufen wäre, „weil ich ja nach den Olympischen Spielen meine Karriere ausklingen lassen wollte“, wurde Jasmin Grabowski die Weiterverpflichtung bis zum kommenden Jahr zugesagt. „Es ist schön, zu wissen, dass man erst mal safe ist – in der momentan unsicheren Lage.“

Unklar ist für die Judoka derzeit auch noch die Regelung zur Olympia-Qualifikation für 2021. In den vorläufigen Olympia-Kader waren Grabowski und Trajdos Ende Februar bereits berufen worden. Bis Mai standen jedoch noch Quali-Wettkämpfe aus. Und eigentlich verfallen nach einem Jahr Punkte. Nach dem Lockdown hat der Weltverband die Weltrangliste beziehungsweise das Olympia-Ranking eingefroren. „Alle behalten ihre Punkte, es ändert sich erstmal nichts.“ Nun bleibt allerdings abzuwarten, ob oder wann die Tour weiter gehen kann. „Es wird sicher noch Regelungen geben, wenn bis Anfang kommenden Jahres noch kein Wettkampf stattfinden konnte.“ Wie diese am Ende aussehen wird, „wird wahrscheinlich eine große Überraschung für uns alle sein“.

Mit dem möglichen Szenario, dass auch Olympia 2021 noch abgesagt werden könnte, will sich die 28-Jährige überhaupt nicht beschäftigen. „Wenn ich mich damit jetzt auch noch befassen würde, dann würde mein Kopf irgendwann platzen.“

Das beste Rezept zur Ablenkung in dieser Phase der Ungewissheit ist für Jasmin Grabowski – neben ihrem Sport und dem Training – die plötzlich gewonnene Zeit, im sonst so stressigen Trainings-, Reise- und Wettkampfalltag, für sich zu nutzen. „Ich genieße es schon ein bisschen, dass ich mehr zuhause, dass ich nicht andauernd unterwegs und unter Strom bin“, betont Grabowski, für die es ungewohnt ist nach Jahren im Leistungssport, die Freizeit mit Frau, Familie und Freunden auch mal anders zu planen. Bis auf den Kopfstress und die Unsicherheiten „ist es für mich schon etwas entspannter als sonst“. Im täglichen Training versucht sie dennoch „weiter einen drauf zu setzen“, weiter Kraft und Technik aufzubauen – „vielleicht tatsächlich mit dem Blick zur EM im November als kleines Zwischenziel“.

Die ungewohnte Entschleunigung bis dahin kommt womöglich auch der angeschlagenen Schulter zugute. „Sie war und ist immer noch ein Problemfall.“ Durch die reduzierte Reise-, Trainingslager- und internationale Wettkampfbelastung „habe ich da schon ein bisschen mehr Puffer“, erklärt Grabowski. „Von einer guten Schulter brauchen wir aber nicht zu sprechen.“ Das werde sich auch nicht mehr ändern. „Aber das ist eine Situation, die kenne ich gar nicht mehr anders, mit der weiß ich umzugehen: Und bis nächstes Jahr wird sie noch halten.“ Bis nach den Olympischen Spielen in Tokio 2021 – wenn sie denn stattfinden.