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Christin Hussong siegt beim Sky’s the Limit des LAZ Zweibrücken

Sky’s the Limit des LAZ Zweibrücken : Respekt, Rekorde und riesige Überraschungen

Beim internationalen Stabhochsprung- und Speerwurf-Meeting „Sky’s the Limit“ des LAZ Zweibrücken setzten sich am Samstag in zwei Wettbewerben die Außenseiter durch. Eine Konstante war die Speerwurf-Europameisterin des LAZ, die den Zuschauern im Westpfalzstadion erneut einen Heimsieg bescherte.

Auf Christin Hussong war wieder einmal Verlass. Die Speerwurf-Europameisterin vom Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken sorgte am Samstag dafür, dass die rund 500 Zuschauer im Westpfalzstadion wie im Vorjahr einen Heimsieg ihrer Lokalmatadorin bejubeln durften. Beim „Sky’s the Limit“, dem internationalen Speerwurf- und Stabhochsprung-Meeting des LAZ, schleuderte die 26-Jährige den Speer in ihrem dritten Versuch auf genau 61 Meter und siegte knapp vor der Isländerin Ásids Hjálmsdóttir (60,27 Meter). „Ich wollte zu Hause gewinnen und zeigen, dass das hier mein Platz ist“, freute sich die Herschbergerin nach dem Wettkampf. Zwar sei es für sie auch nach der Premiere im vergangenen Jahr noch recht ungewohnt gewesen, auf „ihrer“ Trainingsanlage anzutreten und statt im Hotel in den eigenen vier Wänden übernachten zu können. Dennoch sei das Heimspiel für sie „natürlich etwas ganz Besonderes“. „In Dresden und Luzern waren auch ein paar Zuschauer da, aber da ist die Stimmung nicht so wie hier“, schwärmte Hussong. Ihre Tages-Bestweite von 61 Metern fand sie unterdessen lediglich „okay“. Technisch habe nicht alles gepasst. „Das ist aber nichts Wildes, da geht es um die Körperposition und die Sicherheit beim Abwurf“, erklärte die Europameisterin, die es gar nicht schlecht findet, dass vor der Deutschen Meisterschaft (8./9. August in Braunschweig) noch ein wenig Luft nach oben besteht. „Wir wissen, woran wir arbeiten müssen und werden das in den nächsten zwei Wochen auch tun“, versicherte die Siegerin.

Weniger erfolgreich verlief der Abend für LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe. Für den Weltmeister von 2013 war wie für eine ganze Reihe an Topspringern bei 5,51 Metern Endstation. „Die Form war nicht das Problem, ich hatte einfach eine so lange Wettkampfpause wie noch nie in meinem Leben. Bei mir besteht aktuell eine gewisse Unsicherheit, wie ich die Sprünge angehen soll. Das ist eine andere Situation als im Training. Ich muss die Routine wiederfinden, dann geht es wieder höher hinaus“, versprach der 30-Jährige, für den vor der DM noch ein letztes Meeting in Finnland auf dem Programm steht. „Unglaublich glücklich und aufgeregt“, sei er gewesen in Zweibrücken vor eigenem Publikum springen zu dürfen, ergänzte Holzdeppe. Dass bei ihm noch nicht alles zu 100 Prozent rund laufe, sei kein Grund, Trübsal zu blasen. „Das motiviert mich, ich weiß, dass es vom Training passt, jetzt geht es um die Wettkampfhärte. Das ist ein Prozess, auf den ich mich freue. Denn jeder Wettkampf ist in diesem Jahr wie ein Geschenk.“

Überraschungssieger bei den männlichen Stabhochspringern wurde Titelverteidiger Ben Broeders. Der Belgier überwand als Einziger die 5,71 Meter und setzte sich damit gegen den Favoriten Piotr Lisek (5,61 Meter) durch. Der Pole ist einer von nur acht Athleten auf der Welt, die sowohl in der Halle als auch im Freien schon über sechs Meter gesprungen sind. „Es ist gut, dass solche Veranstaltungen jetzt auch im Internet übertragen werden, aber nichts schlägt die Atmosphäre, live vor Zuschauern zu springen“, schwärmte Broeders. Dass er bei seinem Versuch, die 5,81 Meter zu überspringen, zwei Mal ganz knapp die Latte riss und damit einen neuen belgischen Rekord verpasste, konnte die Freude über seinen Sieg kaum schmälern.

Bevor das Meeting am Nachmittag eröffnet worden war, hatte der LAZ-Vorsitzende Alexander Vieweg vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie in einer kurzen Ansprache um „Respekt und Rücksichtnahme“ bei den Zuschauern gebeten. Und war hinterher hochzufrieden mit dem disziplinierten Verhalten der Leichtathletik-Fans. „Die Leute haben sogar in Bereichen Masken getragen, in denen es offiziell gar nicht vorgeschrieben war“, lobte er. Respekt zeigten aber auch die Sportler untereinander. Und zwar disziplinübergreifend. Stabhochspringer Lisek fachsimpelte freundschaftlich mit Speerwerfer Mathias Mester vom 1. FC Kaiserslautern. Der kleinwüchsige Athlet stellte in seiner Startklasse mit 34,77 Metern in Zweibrücken eine neue Weltjahresbestleistung auf. Holzdeppe feuerte Stabhochspringerin Friedelinde Petershofen vom SC Potsdam an. Die 24-Jährige war wegen einer Rückenverletzung über zwei Jahre ausgefallen und gab in der Rosenstadt ihr Comeback. Und Christin Hussong klatschte lauten Beifall als Karsten Dilla in seinem dritten Versuch die 5,36 Meter übersprang. Der 31-Jährige von Bayer Leverkusen bestritt in Zweibrücken seinen letzten Meeting-Wettkampf. Nach der DM beendet er seine aktive Laufbahn. Dilla wurde sogar von seinem eigenen Fan-Club begleitet, der wie der Rest der Zuschauer tosenden Applaus zollte, als der Routinier sich beim Publikum bedankte, nachdem er vor den 5,51 Metern kapitulieren musste. Diese Höhe wurde nicht nur für Dilla und Holzdeppe zum Fallstrick. Sondern auch für den Franzosen Mathieu Collet, den griechischen Hallenweltmeister von 2014, Konstantinos Filippidis, den deutschen U23-Europameister Bo Kanda Lita Baehre und den Landauer Oleg Zernikel.

Für einige Lacher unter den Zuschauern sorgte Michael Werling, der das Meeting vor Ort kommentierte. Zernikel, der seine Sprünge stets mit dröhnender Heavy Metal Musik begleitete, dürfe „nächstes Jahr nur wiederkommen, wenn du diesen Krach dann zu Hause lässt.“ Und in Richtung Christine Adams, Bundestrainerin Stabhochsprung, flachste Werling, dass sie „zum Lachen wahrscheinlich in den Keller geht“, nachdem Adams trocken erklärt hatte, mit dem Auftritt des drittplatzierten Torben Blech (deutsche Jahresbestleistung: 5,61 Meter) nur „halb zufrieden“ zu sein.

Den Auftakt beim „Sky’s the Limit“ hatten am frühen Nachmittag die weiblichen Stabhochspringer gegeben. Den geteilten ersten Platz erreichte das belgisch/niederländische Trainingsgespann Fanny Smets und Femke Pluim, die bei gleicher Anzahl von Fehlversuchen als einzige die 4,32 Meter übersprangen. Die Führende der deutschen Jahresbestenliste, Stefanie Dauber, musste angefressen bereits bei 4,17 Metern die Segel streichen. Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen), die bis 2004 für das LAZ Zweibrücken startete, stieg erst spät bei 4,32 Metern ein – und legte einen Salto Nullo hin. „Einfach genial, in diesen Zeiten vor so viel Publikum springen zu dürfen. Und dann haben wir auch noch zusammen gewonnen“, jubelte Smets, die bei der Siegerehrung Hand in Hand mit ihrer Trainingspartnerin die Arme in die Luft riss. Eine ganz neue Erfahrung war ein Sieg in Zweibrücken für die Belgierin nicht. Sie hatte bereits 2014 den Himmelsstürmer-Cup gewonnen.

Einen Überraschungssieger gab es nicht nur bei den männlichen Stabhochspringern, sondern auch bei den Speerwerfern. Nicht der deutsche Rekordhalter und Weltmeister von 2017 Johannes Vetter, sondern der Schwede Kim Amb, der mit 86,49 Metern eine neue persönliche Bestweite warf, triumphierte. Vetter brach nach seinem dritten Wurf wegen Problemen am Ellenbogen ab. Er hatte bis dahin alle seine Versuche ungültig gemacht. Vize-Europameister Andreas Hofmann hatte seine Teilnahme bereits im Vorfeld wegen einer nicht vollständig ausgeheilten Fußverletzung aus Sicherheitsgründen abgesagt. Solche familiären, entspannten Meetings wie in Zweibrücken sei er aus seiner Heimat nicht gewohnt, bekannte der Sieger Amb, der „gerne wiederkommen“ wollte. Die Rückreise stand für ihn erst am Sonntag an, so dass „ich meinen Erfolg heute Abend in Zweibrücken noch ein wenig genießen kann“, meinte der Schwede mit einem Augenzwinkern.

Ambs persönliche Bestleistung war nicht die einzige. Die fiel nämlich schon im allerersten Wurf des Tages. Und war keine große Überraschung. LAZ-Talent Lea Passauer gab im B-Feld der Speerwerfer ihr Debüt mit dem 600-Gramm-Wurfgerät und kam auf 29,75 Meter.

Kim Amb siegte überrraschend im Speerwurf der Männer. Foto: maw/Martin Wittenmeier
Der kleinwüchsige Athlet Mathias Mester stellte in seiner Startklasse mit 34,77 Metern am Samstag in Zweibrücken eine neue Weltjahresbestleistung auf. Foto: maw/Martin Wittenmeier
Femke Pluim und Fanny Smets gewannen im Frauen-Stabhochsprung. Foto: maw/Martin Wittenmeier
Stabhochspringer Ben Broeders verteidigte seinen Vorjahrestitel beim Sky’s the Limit des LAZ. Foto: maw/Martin Wittenmeier
Raphael Holzdeppe beim Sky's the Limit-Meeting des LAZ Zweibrücken. Foto: Wittenmeier Foto: maw/Martin Wittenmeier

„Das Meeting war ein Aushängeschild für das LAZ – aber auch für die Athleten, die alle happy waren, sich hier präsentieren zu können. Die haben gesehen, dass wir das auch in diesen schwierigen Zeiten hinbekommen“, sagte der LAZ-Vorsitzende Alexander Vieweg mit ein wenig Stolz in der Stimme, als am Samstag gegen 22 Uhr die letzten Speere und Stäbe eingepackt wurden und der Schein der mobilen Flutlichtanlage erlosch.