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Interview mit Giuseppe Nardi über Engagement beim FCK und FCH

Interview mit Giuseppe Nardi : „Niemand hier braucht Angst zu haben“

Der Geschäftsführer von Dr. Theiss Naturwaren spricht über das Engagement beim 1. FC Kaiserslautern sowie beim FC Homburg.

Seit 2012 unterstützt das Homburger Unternehmen Dr. Peter Theiss Naturwaren GmbH den Fußball-Regionalligisten FC Homburg als Hauptsponsor. Zudem prangt das Werbelogo der Firma auch auf der Brust der Spieler des Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, der zudem dank eines Millioneninvestments mit einer Investorengruppe um den Geschäftsführer des Unternehmens, Giuseppe Nardi, weiter in der Dritten Liga überleben kann. Dr. Peter Theiss, Inhaber des Unternehmens und Geschäftsführer, ist inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender bei den Pfälzern. Nardi spricht im Merkur über das Engagement bei den beiden Fußballclubs, über Ziele und Auswirkungen durch Corona.

Herr Nardi, das Unternehmen Dr. Theiss Naturwaren stieg vor Kurzem mit einem breiten Investment und einigen Millionen Euro beim stark abstiegsbedrohten und verschuldeten Drittligisten 1. FC Kaiserslautern ein. Was waren die Gründe?

GIUSEPPE NARDI Wir sehen unser Engagement beim 1. FC Kaiserslautern als Investment für die aktuelle Situation und für die Zukunft. Nach dem erfolgreichen Insolvenzverfahren hat die Investorengruppe mit ihren Geldern geholfen, damit der FCK auch sportlich in eine bessere Zukunft schauen kann. Unser Unternehmen ist bei einem Drittligisten werbe- und marketingtechnisch sehr gut aufgehoben. Die Medienpräsenz ist natürlich bei einem Drittligisten erheblich höher als bei einem Regionalligisten.

Das Ziel für den 1. FC Kaiserslautern lautet 2. Bundesliga?

NARDI Ja ganz klar. Als Ex-Bundesligist sollte der 1. FC Kaiserslautern die 2. Liga im Blick haben. Zurzeit ist der FCK sportlich in einer schweren Situation. Ich bin aber zuversichtlich, dass Trainerteam, Spieler und die Leitung im Verein für den Sport es schaffen, dass der 1. FC Kaiserslautern auch in der nächsten Saison zumindest in der Dritten Liga spielt.

Gibt es einen Zeitplan oder eine Vorgabe, wann der FCK aufsteigen sollte?

NARDI Das kann man kaum vorausplanen. Natürlich soll der Aufstieg so schnell wie möglich gelingen. Aber erst einmal muss man die Klasse halten oder in sicherere Tabellenregionen kommen, bevor man nun an Liga zwei denkt.

Was passiert in dem Fall, wenn der 1. FC Kaiserslautern in die Regionalliga Südwest absteigt? Wie verhalten Sie sich als Sponsor?

NARDI Das wird sich zeigen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen wird.

Ihr Unternehmen mit Sitz in Homburg-Erbach ist auch seit vielen Jahren Hauptsponsor beim FC Homburg. Bei den Fans der Grün-Weißen kamen die vielen Werbetafeln mit den Logos des FCK und Theiss Naturwaren nicht gut an. Vielfach wurden sie beschmiert.

NARDI Wir haben auch viele Fußballanhänger des 1. FC Kaiserslautern in und um Homburg. Ich bin gegen jede Form von Vandalismus und fand diese Schmieraktionen nicht schön. Beide Vereine haben ihre Anhänger und große Tradition. Man sollte sich gegenseitig akzeptieren.

Die Fans des FC Homburg haben Angst, dass Sie ihr finanzielles Engagement bei ihrem Herzensclub wegen der Investitionen beim 1. FC Kaiserslautern zurückfahren – und der FCH es damit schwerer bekommen würde, den anvisierten Weg in Liga drei zu schaffen.

NARDI Ich kann alle Fans des FC Homburg beruhigen. Wir unterstützen weiterhin den Verein, wie wir es planen und wollen. Es wird kein Geld beim FCH abgezogen, um es dann beim 1. FC Kaiserslautern zu investieren. Kurz gesagt: Unser finanzielles Engagement beim FCK ändert nichts an unserem Engagement bei den Homburgern. Noch einmal: Der FC Homburg ist unser Heimatverein und niemand hier braucht Angst zu haben, dass wir diesen Verein hängen lassen.

Nach dem überraschenden Rücktritt des langjährigen FCH-Vorsitzenden Herbert Eder wurde die Führungsriege neu aufgestellt. In dem vierköpfigen Vorstand sind mit Michael Koch (Bereich Sport) und Hans-Joachim Burgardt (Finanzen und Marketing) auch zwei Mitarbeiter Ihres Unternehmens vertreten. Üben diese beiden Kontrollfunktionen im Club aus?

NARDI Keinesfalls. Michael Koch, früher Spieler beim FC Homburg, und Hans-Joachim Burgardt unterstützen den Verein bei seinen Aufgaben von der Jugendabteilung bis hin zur ersten Mannschaft in der Regionalliga. Von den beruflichen Erfahrungen der beiden Vorstandsmitglieder soll der FCH vielmehr profitieren.

Beim 1. FC Kaiserslautern soll die 2. Liga anvisiert werden, beim FC Homburg schon seit einigen Jahren Liga drei. Wie sehen sie die aktuelle Lage bei den Grün-Weißen?

NARDI Es ist in dieser Saison noch alles für den FC Homburg möglich, auch Platz eins. 14 Spiele hat der FCH von 42 Spieltagen erst hinter sich. Da kann sich bis Saisonende noch viel in der Tabelle tun. Klar wollen wir mit dem FC Homburg in die dritte Profiliga. Aber die Konkurrenz ist in der Regionalliga Südwest enorm stark und es bedarf weiterhin einer guten Planung, um dieses Ziel auch zu erreichen. Aber auch in der Jugendarbeit wollen wir einiges tun, diese professionalisieren. Denn auch die Nachwuchsarbeit sehe ich beim FC Homburg für die Zukunft als sehr wichtige Aufgabe an, um auch hier erfolgreich zu sein. Hier gibt es noch Potenzial.

Was passiert, wenn der FC Homburg in dieser Saison aufsteigt, aber kein drittligafähiges Waldstadion bis zu diesem Zeitpunkt hat? Wäre das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern für den Saar-Club zumindest vorübergehend ein Ausweichstadion?

NARDI Nein. Der 1. FC Kaiserslautern spielt in seinem Stadion auf dem Betzenberg und der FC Homburg weiter in seiner Heimat im Waldstadion. Kürzlich wurden die ersten Weichen bei der Homburger Stadtratssitzung gestellt, um die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und Verbesserungen im Waldstadion in Angriff zu nehmen. Ich bin zuversichtlich, sollte der FC Homburg die Regionalliga-Meisterschaft holen, dass die Drittligalizenz nicht am fehlenden Stadion scheitern wird. Es wird bis zu diesem Zeitpunkt alles getan, um Drittliga-Fußball im Waldstadion zu ermöglichen.

Würde sich Ihr Unternehmen finanziell bei den entsprechenden baulichen Maßnahmen im Waldstadion für die Dritte Liga beteiligen.

NARDI Sagen wir mal so, alle die Dinge, die am und im Stadion getan werden müssen, die rein spezifisch für die Durchführung von Drittligaspielen notwendig sind, wird der Verein übernehmen. Dinge, wie sanitäre Anlagen, Überdachung von Block drei, Fluchtwege, Elektrik und vieles mehr ist Angelegenheit von Stadt und Land. Dafür gab es die Zusagen beziehungsweise Beschlüsse, um im Waldstadion diesbezüglich baulich aktiv zu werden.

Firmeninhaber Dr. Peter Theiss ist nun Aufsichtsratsvorsitzender beim 1. FC Kaiserslautern. Ihr Namen wurde schon oft für eine ähnliche Position in dem Gremium des FC Homburg genannt. Es kam bisher nicht dazu. Weshalb?

NARDI Weil ich mit vielen Geschäftsabläufen im Unternehmen beschäftigt bin, also mir die Zeit für dieses Amt beim FC Homburg fehlt. Ich beobachte den FCH aber, sehe mir die Heimspiele an und bin stets sehr gut auch über die internen Abläufe informiert.

Zum Abschluss kann in diesem Jahr auch das Thema Corona nicht ausgeklammert werden. Sie engagieren sich nicht nur beim 1. FC Kaiserslautern und FC Homburg, sondern auch in vielen Vereinen zahlreicher Sportarten in der Umgebung mit unterstützenden finanziellen Mitteln. Hat die Corona-Krise Ihr Unternehmen oder Ihren Sponsoring-Etat in negativer Hinsicht beeinflusst?

Giuseppe Nardi, einer der beiden Geschäftsführer des Hauptsponsors beim 1. FC Kaiserslautern und FC Homburg, wird mit seinem Unternehmen weiterhin auch kleinere Vereine in der Region unterstützen. Corona habe darauf keinen Einfluss. Foto: mh/Markus Hagen
Nicht nur als Trikotsponsor, sondern auch mit einem millionenschweren Investment mit einer regionalen Unterstützergruppe sind Dr. Peter Theiss und Guiseppe Nardi beim 1. FC Kaiserslautern eingestiegen. An dem Engagement beim FC Homburg ändere das nichts, betont Nardi. Foto: Markus Hagen

NARDI Corona ist für alle Menschen, Unternehmen und Politiker eine ganz große Herausforderung. Auch für unser Unternehmen. Wir sind glücklicherweise von unseren Produkten sehr breit aufgestellt, stellen unter anderem auch Pflege- und Gesundheitsmittel her. Wir können bisher mit den Zahlen auf wirtschaftlicher Basis zufrieden sein. Die Vereine brauchen keine Angst zu haben, dass wir wegen Corona unsere Gelder zurückfahren oder sogar einstellen müssen. Werbung für die Produkte ist nach wie vor wichtig – und somit auch das Sponsoring und Marketing in den von uns unterstützten Sportvereinen. Daran hat die Corona-Pandemie nichts geändert und wird sie auch nicht.