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1. FC Kaiserslautern in der Krise

3. Fußball-Liga : Angst essen Selbstvertrauen auf

Der 1. FC Kaiserslautern wirkt bei der 0:3-Heimpleite gegen 1860 München völlig verunsichert und taumelt weiter dem Tabellenende entgegen. Trainer Saibene erhält Rückendeckung von Sportdirektor Notzon. Samstag letztes Spiel des Jahres in Uerdingen.

Innenverteidiger Kevin Kraus nannte den Auftritt „beschämend“. Trainer Jeff Saibene ergänzte „desolat“ und „katastrophal“. Der luxemburgische Übungsleiter des 1. FC Kaiserslautern fügte dem deprimierenden Vokabular nach der sang- und klanglosen 0:3-Heimpleite seiner Mannschaft gegen 1860 München aber noch einen Begriff hinzu, der die Roten Teufel im Winter 2020 vielleicht am treffendsten umschreibt: „Angst“ habe seine Mannschaft gehabt, sagte Saibene bei der Pressekonferenz am Dienstagabend. Und wiederholte den Begriff im Anschluss mehrfach. Angst und Bange dürfte allerdings auch den Verantwortlichen des Fußball-Drittligisten werden. Denn der Abstieg in die Viertklassigkeit ist für die Pfälzer nach den jüngsten Niederlagen gegen München und Unterhaching längst kein surreales Schreckensszenario mehr. Im Gegenteil: Das Abstiegsgespenst über dem Betzenberg nimmt immer deutlichere Konturen an.

Die Spieler des 1. FC Kaiserslautern wirkten am Dienstag insbesondere in der ersten Halbzeit im Fritz-Walter-Stadion in der Tat wie von der Angst gelähmt. München dominierte nach Belieben und ging bereits in der sechsten Minute mit 1:0 in Führung. Nach einem Foul von Lauterns Außenverteidiger Marius Kleinsorge kurz vor dem eigenen Strafraum zirkelte Münchens Richard Neudecker den Freistoß ins linke Eck. Stefan Lex hätte die Führung der Löwen zehn Minuten später ausbauen können, scheiterte aber an FCK-Torwart Avdo Spahic. Zehn Minuten vor der Halbzeit stellten die Gäste dann völlig verdient auf 2:0. Auch wenn beim Kopfballtreffer von Routinier Sascha Mölders nach einem verunglückten Schussversuch seines Mitspielers Fabian Greilinger ein wenig Glück im Spiel war. Der FCK wirkte lethargisch, beinahe apathisch, ohne jedes Selbstvertrauen – und schwächte sich dazu auch noch selbst. Kurz vor der Halbzeit stieg Lauterns Janik Bachmann dem Münchner Marius Wilsch mit der Sohle auf den Fuß – und wurde vom Schiedsrichter Jonas Weickenmeier mit Rot vom Platz gestellt.

„Es fällt mir extrem schwer, die richtigen Worte zu finden. Wir hatten uns viel vorgenommen und waren, denke ich, auch gut vorbereitet. Aber in der ersten Halbzeit haben wir alles vermissen lassen“, klagte Saibene. „An allen Ecken und Enden“ habe es gefehlt, meinte auch Kraus. Was bis zum letzten Spiel des Jahres am Samstag um 14 Uhr beim KFC Uerdingen geschehen müsse? „Eine ganze Menge. Das war heute gar nichts“, antwortete der Verteidiger. „Wir müssen uns jetzt endlich zusammenreißen“, forderte er.

Kurioserweise agierte der FCK nach dem Seitenwechsel in Unterzahl stärker als vor der Pause. Ein Kopfball von Elias Huth bedeutete die erste Chance der Pfälzer im ganzen Spiel (52.). Fast im Gegenzug hätte Neudecker aus kurzer Distanz zwar das dritte Tor für die Löwen erzielen müssen. Aber immerhin war der FCK für die Sechziger nun kein bloßer Spielball mehr. Ein Drehschuss von Lauterns Stürmer Marvin Pourié zischte knapp am Pfosten vorbei (59.). Und Huth scheiterte drei Minuten später auch mit seinem zweiten Kopfballversuch. Nach rund 70 Minuten war der Widerstand der Pfälzer aber gebrochen. Die Partie schien ihrem Ende entgegen zu plätschern, bis Mölders in der 80. Minute seinen zweiten Treffer nachlegte. Der 35-Jährige erzielte mit einem Flugkopfball sein elftes Saisontor.

Mölders war es auch, der dem ohnehin angeknacksten Selbstbewußtsein der Pfälzer nach dem Abpfiff einen weiteren Tritt versetzte. „Wir hatten hier nie das Gefühl, dass Kaiserslautern gegen uns ein Tor schießen kann. Das muss man ganz ehrlich sagen“, wunderte sich der Stürmer.

„Es ist eine schwere Situation im Moment, aber wir müssen eine Lösung finden und wir werden eine finden“, versprach Saibene, der nach der Partie trotz des Absturzes in den Tabellenkeller Rückendeckung von Sportdirektor Boris Notzon erhielt: „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Jeff ist jetzt seit elf oder zwölf Spielen mit uns unterwegs. Man muss auch mal mit einer Mannschaft über einen Zeitraum etwas entwickeln können und dazu gehört eine Vorbereitung, die man ihm geben sollte“, sagte Notzon am Mikrofon von Magenta Sport.

Lange Zeit, die Klatsche zu verdauen, bleibt dem FCK vor dem Spiel am Samstag in Uerdingen nicht. Und klar ist bereits jetzt: Gelingt den Pfälzern im letzten Pflichtspiel des Jahres kein Sieg, verbringt Kaiserslautern die kurze Winterpause in jedem Fall auf einem Abstiegsplatz. „Das ist ein entscheidendes Spiel, das müssen wir gewinnen“, forderte Kraus. Und hofft dabei womöglich, dass den Pfälzern angesichts des stetig steigenden Drucks nicht wieder Angst die Beine lähmen wird.