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Rebellen haben Plan B für Tag X

Rebellen haben Plan B für Tag X

Nürburg. "Wir wollen und müssen gerüstet sein für den Tag X. Deshalb arbeiten wir mit Plan B weiter parallel zum Konzept der Fia." Diesen Beschluss offenbarte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen unserer Zeitung in einem Hintergrund-Gespräch auf dem Nürburgring

Nürburg. "Wir wollen und müssen gerüstet sein für den Tag X. Deshalb arbeiten wir mit Plan B weiter parallel zum Konzept der Fia." Diesen Beschluss offenbarte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen unserer Zeitung in einem Hintergrund-Gespräch auf dem Nürburgring. Plan B wird dann aus der Schublade gezogen, wenn die Teamvereinigung Fota (Formula One Teams Association) beschlossen hat, sich von der Fia abzuspalten und nächstes Jahr ihre eigene Rennserie inszeniert. "Ja, wir fahren mehrgleisig und bereiten uns auf mehrere Optionen vor", bestätigte der BMW-Boss nachdrücklich.

Dem Frieden nach einem Kompromiss in der Budget-Deckelung ist offenbar nicht zu trauen. Die Rebellenvereinigung der acht Formel-1-Teams kocht parallel zur Fia unverdrossen ihre eigene Suppe. Aber immer noch in der Hoffnung, sie nicht auslöffeln zu müssen. "Dann wäre die ganze Arbeit für die Katz' gewesen", bekennt der BMW-Sportdirektor. Die Zeit läuft den Machern ihrer möglichen Rennserie davon. Diese Saison ist bald Geschichte. In zehn Monaten beginnt bereits eine neue Saison, deren Geschichte schon heute alle vorhergehenden übertrifft.

Seit einem dreiviertel Jahr brodelt es hinter den Kulissen. Die Königsklasse des Motorsports, wie sie mit Abstrichen seit 1950 ausgefahren wird, steht auf der Kippe. Die Formel 1 in ihrer jetzigen Form wird auf jeden Fall Vergangenheit sein. Budget-Deckelung heißt seit Winter das "Unwort des Jahres" in der Formel 1. Nach unendlichem Hickhack und unzähligen Treffen haben sich der Automobil-Weltverband mit seinem Präsidenten Max Mosley und die acht rebellierenden Teams mit Wortführer Luca di Montezemolo auf einen Kompromiss geeinigt. Doch dieser steht auf wackeligen Beinen.

Die Fota will die Ausgaben auf das Niveau der 90er Jahre absenken. Eine schwammige Zeitangabe. Sind es die frühen Neunziger, die Mitte oder das Ende der neunziger Jahre? Auf Nachfrage nur ein Achselzucken von Theissen. Genau wie auf Nachfrage nach den Kosten. Waren das damals 70 Millionen Dollar, 110 Millionen oder 130 Millionen Dollar? Es gibt also noch Ungereimtheiten bei dem Kompromiss, dessen Ausgaben bis 2011 auf einem Niveau von rund 50 Millionen Euro pro Jahr reduziert werden.

Die Macher des Plan B haben keine Probleme, ihre Rennserie auf die Räder zu stellen, sollte es zum Frontal-Zusammenstoß mit der Fia kommen. "Die Pläne aus der Schublade der Hersteller, die sich ja schon 2005 mit einer eigenen Rennserie befassten, haben ganz brauchbare und verwertbare Aktivitäten, vor allem bei der Vermarktung", erinnert Theissen an ein früheres Konzept. Um Strecken sorgt er sich ebenso wenig wie um TV-Sender, welche die "neue Formel 1" übertragen würden. "Strecken gibt's genügend, es sind doch einige aus dem Kalender geflogen", sagt er.

In Silverstone hat die Formel 1 dieses Jahr letztmals ihren Auftritt gehabt, Magny-Cours, Imola sind gekippt, früher schon Zandvoort, der A1-Ring in Österreich, Hockenheim steht auf der Kippe, Strecken in Mexiko, USA, Japan, Portugal - alle warten auf eine Rennserie mit hochkarätigen Teams wie die der Rebellen Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota, Red Bull, Toro Rosso und Brawn GP.

TV-Sender wie RTL, BBC oder RAI würden sich überlegen, ob sie ein minderwertiges Fia-Produkt weiter zu horrenden Summen übertragen oder sich der Alternativserie unter den möglichen Begriffen "Formula Grand Prix" oder "Formula GP" anschließen.

Theissen "ist zuversichtlich" dass Fia und Fota doch noch miteinander können. Die "Piratenserie" wäre dann gekippt. Bis dahin bleiben Pläne für die eigene Rennserie vorerst unverändert in der Hinterhand. "Wir fahren mehrgleisig, bereiten uns auf mehrere Optionen vor."

BMW-Sportdirektor

Mario Theissen