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Kleine Steintürmchen zu bauen ist am Keltenring bei Otzenhausen verboten

Neue Schilder am Keltenring : Solche Steintürmchen sind am Naturdenkmal verboten

Darauf weisen das Landesdenkmalamt und das Nationalparkamt hin. Um Besucher des Keltenrings dafür zu sensiibilisieren, gibt es neue Hinweisschilder an markanten Punkten.

Jeder kennt sie mittlerweile: Die fernöstlich anmutenden Steintürmchen, die sich an vielen Stellen in der Landschaft, besonders in der Nähe von vielbegangenen Wanderwegen, finden lassen. Aber an den Keltenring gehören sie nicht. Da sind sich das Landesdenkmalamt Saarland und das Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald einig. „Immer wieder finden wir Steintürme, besonders nach besuchsstarken Wochenenden“, berichtet Ranger Gerd Welker. „Dann entfernen wir sie wieder, damit es nicht so viele Nachahmer gibt.“ Vor einigen Wochen waren die Gebilde dann so massiv, dass sich den Fachleuten Sorgenfalten auf die Stirn legten und es sogar den Kriminaldienst der Polizei auf den Plan rief. „Offensichtlich fehlt es an dem Bewusstsein beim Besuch und Umgang mit dem Denkmal“, sagt Georg Breitner, der Leiter des Landesdenkmalamtes Saarland. Gemeinsam mit dem Nationalparkamt und den Fachleuten vor Ort ging man dann der Frage nach, wie man solche Beschädigungen zukünftig vermeiden kann. „Schließlich sind diese Eingriffe unwiederbringliche Veränderungen an dem mehr als 2000 Jahre alten Bauwerk von europäischer Bedeutung“, betont Michael Koch, Archäologe und Mitarbeiter der Europäischen Akademie in Otzenhausen, der den Ringwall schon seit langer Zeit kennt.

Informationen und freundliche Hinweise sollen auch zukünftig der Weg sein, an die Besucher zu appellieren. „Zusätzlich werden Ranger an besuchsstarken Tagen öfter präsent sein“, ergänzt Hans-Joachim Brusius vom Nationalparkamt. Gerade in den schönen Frühjahrstagen zu Corona-Zeiten kamen sehr viele Besucher zum Keltenring, um die schöne Natur und Aussicht auf die Talsperre zu genießen. Aber der Keltenring hat nicht nur eine kulturhistorische Bedeutung, betont eine Sprecherin des Nationalparkamts Hunsrück-Hochwald. Die großen Quarzitblöcke seien Lebensraum für Eidechsen und Schlangen, die sich auf den Steinen sonnen und in den Spalten verstecken. Und dann beherbergen die Steinmeere des Hunsrücks auch noch eine besondere Rarität: So hat man 2018 eine bis dahin unbekannte Flechtenart, die Verrucaria hunsrueckensis, auf den Blockschutthalden des Nationalparks entdeckt. Dass die Steine in ihrer Lage verändert werden, mögen auch die sehr langsam wachsenden Flechten und Moose nicht. So ist das Laufen auf den Steinwällen nicht nur unwegsam und gefährlich, es verändert auch die sensible Flora und Fauna in diesem den extremen Bedingungen ausgesetzten Lebensraum.

Auf all das machen jetzt neue Info-Schilder am Keltenpark, an der Königstreppe und am Aussichtspunkt aufmerksam, die die Ranger des Nationalparks aufgestellt haben. „Mit diesen Informationen wollen wir den Besuchern vermitteln, dass Kultur und Natur hier oben am Keltenring ein besonderes Juwel sind“, sagt Hans-Joachim Brusius und der Leiter des Landesdenkmalamts ergänzt: „Wir alle müssen sehr behutsam damit umgehen, damit auch nachfolgende Generationen die außergewöhnliche Dimension dieses wohl größten erhaltenen keltischen Bauwerks erfahren können.“

Georg Breitner, Leiter des Landesdenkmalamts Saarland, und Hans-Joachim Brusius vom Nationalparkamt präsentieren das Hinweisschild am Keltenring. Foto: Oliver Groß/nlphh.de

www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de/