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Weg frei für die inklusive Schule

Saarbrücken. Nach dem neuen saarländischen Schulgesetz ist jeder Grundschule ein bestimmtes Budget an Förderlehrer-Stunden zugeteilt. So können die Förderlehrer die anderen Lehrkräfte beraten und ihnen helfen, ihre Schule in Richtung Inklusion zu entwickeln. Silvia Buss

Mit seinem neuen Schulgesetz hat das Saarland den Weg freigemacht für die inklusive Schule: Seit diesem Jahr können alle Kinder eine reguläre Grund- oder weiterführende Schule besuchen. In der Praxis hapert es aber noch. Bei der schulischen Integration von Kindern mit Behinderung stünden deren Eltern noch oft vor allerlei Problemen, konstatiert die gemeinnützige Gesellschaft Miteinander Leben Lernen (MLL).

Info-Abend bei MLL


Einige davon kamen beim Informations- und Beratungsabend zur Sprache, den MLL jetzt für Eltern, deren Kinder vor der Einschulung stehen, und für pädagogische Fachkräfte veranstaltete. Auf dem Podium berichtete unter anderem eine betroffene Mutter von ihren Erfahrungen. In der Kita, erzählte die Frau, sei ihr Kind, bei dem sozial-emotionale Schwierigkeiten diagnostiziert wurden, bestens integriert gewesen. Beim Eintritt in die Grundschule aber wollten die Behörden ihrem Sohn nicht sofort einen Integrationshelfer zur Seite stellen, wie er es gewohnt war, sondern erst einmal abwarten, ob er auffällig wird. "Ich gab mich nicht zufrieden", erklärte die Mutter. Sie wollte, dass er gleich von Anfang an einen Helfer bekommt und setzte sich schließlich durch.

Mit dem neuen Integrationshelfer seien sie aber "nicht zurechtgekommen", die Schule habe die Maßnahme abgebrochen. Die Mutter suchte daraufhin nach einer anderen Grundschule, die ihr Kind aufnimmt. "Wenn eine Schule nicht so gut passt, kann vielleicht eine andere besser sein", macht Traudel Hell Eltern Mut. Sie zu finden, ist, wie das Beispiel dieser Mutter zeigt, nicht immer leicht.

Viele hätten ihr Gesuch abgelehnt mit der Begründung, man habe schon zu viele "Problemkinder", erinnert sich die Frau. Inzwischen besucht der Sohn die vierte Klasse der Grundschule Folsterhöhe und entwickelt sich, wie seine Lehrerin und die Förderlehrerin der Schule auf dem Podium bestätigten, gut.

Anders als früher, als Förderlehrer einzelnen Integrationskindern an verschiedenen Grundschulen mit einer bestimmten Stundenzahl zugewiesen waren, ist nach dem neuen Gesetz jeder Grundschule ein bestimmtes Budget an Förderlehrerer-Stunden zugeteilt.

Nicht alle Schulen gleich weit

Damit ergibt sich, wie die Landesbeauftragte für Inklusion, Anett Sastges-Schank, darlegte, für die Schulen nicht bloß eine bessere "Personalkonstanz". Förderlehrer arbeiten nicht nur "am Kind", sondern beraten auch die anderen Lehrkräfte und helfen so dabei, die Schule in Richtung Inklusion zu entwickeln, erfuhr man von Förderlehrerin Waltraud Boullay von der Grundschule Folsterhöhe.

Nicht alle Schulen sind in der inklusiven Entwicklung schon gleich weit vorangekommen, weiß Traudel Hell. Ein zentrales Problem aber sei immer noch, dass die Regelschulen für Inklusion nicht gut genug mit Ressourcen ausgestattet seien. Und so lange das der Fall sei, hätten Eltern kein echtes Wahlrecht zwischen Regelschule und Förderschule, so ihr Fazit.