Unaufgeregt zu Bestform

Saarbrücken. Das tiefe Brummen des Fagotts wird oft eingesetzt, wenn Elefanten aufmarschieren, dann, wenn es lustig sein soll. In Prokofjews "Peter und der Wolf" antwortet das Fagott als mürrischer Großvater dem quirligen Peter, dessen lebhaftes Wesen die Geigen darstellen

Saarbrücken. Das tiefe Brummen des Fagotts wird oft eingesetzt, wenn Elefanten aufmarschieren, dann, wenn es lustig sein soll. In Prokofjews "Peter und der Wolf" antwortet das Fagott als mürrischer Großvater dem quirligen Peter, dessen lebhaftes Wesen die Geigen darstellen. In Kinderhänden sieht man es selten, groß, unhandlich, Ansatz und Greifen gerade der höheren Töne sind schwierig. Valentin Cremer ist im Januar siebzehn geworden. Beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" hat er im März mit drei Stücken aus drei Epochen einen ersten Preis gewonnen, darunter ein siebeneinhalbminütiges Solo des an der hiesigen Musikhochschule lehrenden Pädagogen und Komponisten Thomas Krämer.Valentin, erzählen seine Eltern, kam eines Tages aus der Grundschule und wollte Flöte spielen. Die Blockflöten-AG war schon voll, kurzerhand besorgte die Mutter Noten und lehrte den Jungen die Griffe. Nach nur einer Woche spielte er alle Stücke auswendig, hatte sie sich selbst beigebracht. Schon mit acht Jahren wechselte Valentin zur Querflöte, ging ambitioniert an die Sache heran und spielte bald im Landesjugendorchester.

Das Fagott lernte er bei einem Freund kennen und war gleich begeistert, es ist zu seinem Hauptinstrument geworden. Er übt jeden Tag, in den zweimal jährlich stattfindenden Probephasen des Landesjugendorchesters bis zu zwanzig Wochenstunden. Ein bisschen Sport, ziemlich viel Schule, die Tage sind voll.

Valentin wirkt dennoch unangestrengt, in der Freizeit hat er gern Kopfhörer im Ohr und hört Drum'n'Bass. Valentins Mutter erzählt von ihrer Herkunftsfamilie: "Es wurde Hausmusik gemacht, da kam jeder mit einem Instrument an, von der Mundharmonika über die Gitarre zur Geige, der 80-jährige Großvater spielte Zither, jeder hat gesungen, die Männer waren alle im Chor." Valentin selbst hat davon kaum etwas mitbekommen, hat die Großeltern nicht mehr erlebt, aber so ganz aus dem Nichts scheint seine Musikalität nicht aufzusteigen.

Die Juroren bieten nach dem Vorspiel im Wettbewerb ein Bewertungsgespräch an, zu bemängeln hatten sie bei Valentin nur eins: Er habe zu leise gespielt. Die sehr technische Ursache war ein Rohrproblem, Valentin: "Ich hatte mein Konzertrohr zerbissen, weil ich niesen musste, hatte deshalb im Wettbewerb ein weniger gutes Rohr." Große Pläne hat er zurzeit nicht, und die Eltern drängen nicht. "Er soll ja auch Spaß haben, es soll nicht alles Druck sein", meint der Vater. ask