Weltstar mit Heimat-Erdung

Den "wohl unbekanntesten Superstar Deutschlands" nannte ihn einst "Die Welt". Thomas Blug gehört zu den besten Gitarristen überhaupt. Seiner Heimat Saarbrücken ist er unter anderem durch die Deutschrockband Dreist verbunden. Jetzt veröffentlicht er seine "The Best Of"-Doppel-CD. Anlass für eine Bestandsaufnahme.

Saarbrücken. Ganze Geschichten erzählt Thomas Blug mit seiner Gitarre, emotional, facettenreich, manchmal wild und fordernd. Die aktuelle Tournee heißt "Blug plays Hendrix", doch sein "Hendrix" klingt ebenso eindeutig nach Thomas, wie nach Jimi. Auch technisch hat sein Sound weltweit hohen Erkennungswert, wie die Fachpublikation "Premier Guitar" feststellt. Mit dem neuen Doppelalbum "The Best Of" präsentiert der Gitarrist aus dem Saarland ein Resümee seiner bisherigen Arbeit als Solo-Instrumentalist: zweieinhalb Stunden feinste Musik, je zur Hälfte Studioaufnahmen und Live-Mitschnitte. Weltklasse!Zeit für einen Blick zurück: Dass er in jungen Jahren lange Zeit mit Tic Tac Toe, mit den No Angels, auch mit Percy Sledge und anderen "Namen" aufgetreten ist, was bedeutet ihm das heute? Thomas Blug: "Es war okay. Aber da war ich Dienstleister, und dabei fehlt auf Dauer der Spaß." Den Spaß hat Blug bis heute dort, wo er seine Ideen umsetzen, wo er gestalten und improvisieren kann. Mit circa 30 begann er, sich auf diesen Weg zu konzentrieren.

Vor ein paar Jahren noch hat man Thomas Blug "den wohl unbekanntesten Superstar Deutschlands" genannt (Die Welt). Da hatte er sich bereits eine Auszeichnung erspielt, die für E-Gitarristen kaum zu überbieten ist: den Titel "Stratking of Europe", verliehen zum 50. Geburtstag des Kultgitarren-Herstellers Fender. Blug war Erster unter 890 Kandidaten. Es folgte ein Auftritt im Londoner Wembley-Stadion zusammen mit den berühmtesten E-Gitarristen der Welt, etwa David Gilmore (Pink Floyd) und Blugs erklärtes "Idol" Jeff Beck.

Im Saarland wird er vielleicht immer noch nicht als Weltstar wahrgenommen. Dabei ist sein Kultstatus inzwischen beträchtlich - von Saarbrücken über Asien, die USA bis nach Australien. In Japan stehen sich die Fans für Konzertkarten die Beine in den Bauch; im Saarland gab es kürzlich die Chance, auf dem relativ kleinen Saarbrücker Theaterschiff drei Stunden Blug zu hören und zu sehen, zusammen mit einem weiteren unbekannten Star, Rick de Soto, und der Saarbrücker Deutschrockband Dreist. Was bedeutet ihm Dreist? "Das ist ein Stück Heimat", sagt er, "ein Teil meiner Erdung". Und die Musikerkollegen? "Die Party ist nur dann gut, wenn alle Beteiligten Spaß haben", sagt er: "Musiker wie Gäste". Das Konzert im Theaterschiff war offensichtlich auch in dieser Hinsicht sensationell.

Wohin mag Thomas Blugs Reise gehen? Schwer einzuschätzen, denn da sind viele Projekte, und alle haben Sogwirkung. Die Tournee "Blug plays Hendrix" führt international herausragende Musiker zusammen; die "Best Of"-CD der Thomas Blug-Band ebenso, leicht variiert. Blug komponiert, arrangiert, ist Sounddesigner, dazu auch sein eigener Produzent und Manager, und das alles mit hohem Anspruch an Professionalität.

Erfolgreich ist er auch als Autor von bislang fünf Gitarrenschulen, in denen er die spezifischen Spielweisen und Tricks der großen E-Gitarristen aufschlüsselt und nachvollziehbar macht. Die technischen Zutaten zum Blug-Sound hat er im Laufe der Jahrzehnte, wen wundert es, selbst entwickelt. Und weiter verwendet bei der Konstruktion einer Gitarre, der Vintage Signatur V6, die fast so gut klingt wie seine eigene, aber nur einen Bruchteil davon kostet. Im Internet, aber auch persönlich erklärt Blug seinen "Bukka Switch" und demonstriert, wie der "Höhen wegnimmt und dafür das Brummen killt", sodass es sogar für E-Gitarre-ferne Fans nachvollziehbar wird.

Wenn es um seine Gitarren geht, ist der Stratking nahbar geblieben, und auch auf der Bühne wirkt er so. Was bedeutet es für ihn, berühmt zu sein? "Es ist mein Job, irgendetwas in dieser Art zu sein", sagt Thomas Blug mit dem vorsichtigen, für ihn typischen Lächeln. "Das Business funktioniert so". Sein Privatleben aber hält er inzwischen bewusst privat.

Nächste Chance, Thomas Blug live zu erleben ist am Samstag, 19. Mai, in der TuFa in Trier mit dem Programm "Blug plays Hendrix".

 Thomas Blug hat in jüngeren Jahren auch für Pop-Gruppen wie Tic Tac Toe und die No Angels gespielt. Heute macht er nur noch das, was ihm selbst gefällt. Foto: Iris Maurer
Thomas Blug hat in jüngeren Jahren auch für Pop-Gruppen wie Tic Tac Toe und die No Angels gespielt. Heute macht er nur noch das, was ihm selbst gefällt. Foto: Iris Maurer
 Thomas Blug hat in jüngeren Jahren auch für Pop-Gruppen wie Tic Tac Toe und die No Angels gespielt. Heute macht er nur noch das, was ihm selbst gefällt. Foto: Iris Maurer
Thomas Blug hat in jüngeren Jahren auch für Pop-Gruppen wie Tic Tac Toe und die No Angels gespielt. Heute macht er nur noch das, was ihm selbst gefällt. Foto: Iris Maurer

thomasblug.de