"Jetzt kann ich mich hier in die Politik einmischen"

Saarbrücken. Für Francesco Burgio (17) ist der deutsche Pass zwar neu, aber "irgendwie auch normal. Ich bin ja in Dudweiler geboren." Mittlerweile, weiß er, sind Kinder ausländischer Eltern, die nach dem 1. Januar 2000 geboren wurden, automatisch Deutsche. "Ich war einfach etwas zu früh dran," sagt er und sitzt ruhig auf seinem Stuhl

Saarbrücken. Für Francesco Burgio (17) ist der deutsche Pass zwar neu, aber "irgendwie auch normal. Ich bin ja in Dudweiler geboren." Mittlerweile, weiß er, sind Kinder ausländischer Eltern, die nach dem 1. Januar 2000 geboren wurden, automatisch Deutsche. "Ich war einfach etwas zu früh dran," sagt er und sitzt ruhig auf seinem Stuhl. Seine Ellenbogen hat er auf den Knien abgestellt. Manchmal sitzt er da wie Rodins "Denker".Als seine 21-jährige Schwester vor einem halben Jahr den Wunsch äußert, Deutsche zu werden, zieht Familie Burgio mit. "Meine Eltern, meine Schwester und ich sind alle hier geboren. Die ganze Familie hat sich jetzt einbürgern lassen", sagt Francesco, Elftklässler in der Fachoberschule "Technisch-Gewerbliches Berufsbildungszentrum". Seit einigen Tagen hat Francescos Familie zwei Nationalitäten - die italienische und die deutsche. Am 3. Mai überreichte ihm Bürgermeister Ralf Latz im Rathaus St. Johann die Einbürgerungsurkunde. "Deutschland ist meine Heimat. Jetzt habe ich es auch schriftlich", sagt er zufrieden. Der deutsche Pass hat dennoch sein Gefühl verändert: "Ich fühl' mich hier jetzt sicherer. Mich kann niemand wegschicken." In einem Jahr ist Francesco volljährig. "Dann ich kann ich wählen und mich in die Politik einmischen."

Italien kennt er nur als Urlaubsland. Die Sommerferien verbringt Familie Burgio auf Sizilien. "In Agrigento leben auch noch entfernte Verwandte. Es ist schön da. Die Landschaft karger und trockener. Die Luft salziger, wegen dem Meer." Im Sommer klettern die Temperaturen auf über 40 Grad. "Das ist mir zu heiß", sagt der 17-Jährige, "ich mag lieber 20, 25 Grad. Ich bin hier wohl einfach besser aufgehoben."

Ob er sich von seinen deutschen Freunden unterscheidet? "Eigentlich nicht. Meine Haut ist ein wenig brauner", sagt er grinsend, "und meine Italienisch-Kenntnisse sind besser." Fließend sprechen kann er die Sprache zwar nicht, aber "das meiste verstehe ich". Dann fällt ihm doch ein Unterschied ein: "Ich bin beim Fußball immer für die Italiener." Warum? "Keine Ahnung. Irgendwie gibt mir das mein Herz vor. 2006, als Italien in Deutschland Weltmeister wurde, musste ich mir ein paar blöde Sprüche anhören. Aber gut, das gehört dazu."

Nach der Schule will Francesco, der seit in einer Band Schlagzeug spielt, auf die Pop-Akademie nach Mannheim. "Mein Traum ist, mit Musik mein Geld zu verdienen." Seine Lieblingsstadt ist aber Berlin. "Das ist meiner Mutter aber zu weit weg." Familie ist wichtig, weiß der 17-Jährige, "vor allem Mütter, aber wenn ich eine coole Chance in Berlin bekomme, bin ich weg." Und das hört sich dann so an, als müsse er es nicht noch einmal überdenken.