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Sterneküche auf Zeit

Saarbrücken. Sie wollen experimentieren und Sterneküche zu gemäßigten Preisen anbieten: Sternekoch Klaus Erfort und Caterer Marco Christ eröffnen ein Restaurant in Saarbrücken. Fest steht schon jetzt: In vier Monaten wird es wieder dicht gemacht. Nora Ernst

Wie hoch ist die Hemmschwelle, als "Otto Normalesser" ein Drei-Sterne-Restaurant wie das Gästehaus Erfort in Saarbrücken zu betreten? Vor allem Jüngere scheinen davor eine gewisse Scheu zu haben, mal ganz abgesehen von ihrem Geldbeutel. Deshalb haben Sternekoch Klaus Erfort und Marco Christ, Geschäftsführer von Christ-Catering, ein sogenanntes Pop-Up-Restaurant in der Europaallee am Eurobahnhof eröffnet. Mit Sterneküche zu vergleichsweise moderaten Preisen (ein Drei-Gänge-Menü gibt es ab 59 Euro) wollen sie sich dort eine neue Kundschaft erschließen. Der Clou daran: Das "Food-Quartier" wird nur vier Monate geöffnet haben.

Das "coolste Restaurant der Stadt" versprechen Christ und Erfort. Ob das so ist, sei mal dahin gestellt, die Idee hat aber sicher etwas für sich. Es ist ein Raum zum Experimentieren, zum Ausprobieren: Geplant ist etwa ein Familientag oder "U30-Events" (alle unter 30 zahlen die Hälfte). Und in welchem Sterne-Restaurant kann man schon nach dem Essen eine Runde Tischfußball oder Billard spielen? Wer will, könne sich auch ans Klavier setzen oder ein Stück der Einrichtung mitnehmen, sagt Christ. Tatsächlich steht das Interieur zum Verkauf. Jedes Teil, das wegkommt, wird durch ein neues ersetzt - ein Restaurant im ständigen Wandel, ist die Idee dahinter.

Nach dem Ort hat Christ lange gesucht und ist in der ehemaligen Buswerkstatt am Eurobahnhof fündig geworden. Wo früher ein Fitness-Studio war, herrscht nun eine Mischung aus Industrie-Charme und Hipster-Chic: Euro-Paletten neben schweren Teak-Tischen, Kinosessel neben Designer-Stühlen. Erfort sieht im "Food-Quartier" eine Art Testmarkt: "Die Sterne-Gastronomie ist stark im Wandel. Die Leute wollen nicht mehr mit Schlips und Kragen steif am Tisch sitzen, sie wollen sich wohlfühlen." Christ hofft, mit dem Familientag auch Kinder an die Sterneküche heranzuführen: "Damit sie lernen, dass es mehr als nur Spaghetti Bolognese gibt." Aber lassen sich Kinder wirklich für Hamachi-Tatar mit Kaffir-Öl oder Jakobsmuscheln an Pilz-Duxelles begeistern? Erfort sieht's gelassen: "Wer einen Teller Pommes will, bekommt auch einen Teller Pommes."

Die ersten Reservierungen sind bereits eingetrudelt, bevor das Restaurant überhaupt eröffnet hat: Am Freitag geht es los, bis Ende Juli wird das "Food-Quartier" dann immer donnerstags bis sonntags offen haben. Ob sich das Pop-Up-Konzept rechnet und am Ende der vier Monate eine schwarze Zahl steht, ist offen. Doch die beiden Unternehmer können es sich leisten, das Experiment zu wagen - vor allem als Investition ins eigene Image.