Gekommen, um zu bleiben

Saarbrücken. Ikam Bizret bekam 1971 eine Einladung des Arbeitsamtes Istanbul. Damals war sie 20 Jahre alt. Es gebe die Möglichkeit, zum Arbeiten nach Deutschland zu gehen, hieß es darin. Ikam Bizret musste dafür einige Untersuchung über sich ergehen lassen und bekam schon bald danach einen Brief mit Glückwünschen: Sie komme für eine Arbeit im fernen Deutschland infrage

Saarbrücken. Ikam Bizret bekam 1971 eine Einladung des Arbeitsamtes Istanbul. Damals war sie 20 Jahre alt. Es gebe die Möglichkeit, zum Arbeiten nach Deutschland zu gehen, hieß es darin. Ikam Bizret musste dafür einige Untersuchung über sich ergehen lassen und bekam schon bald danach einen Brief mit Glückwünschen: Sie komme für eine Arbeit im fernen Deutschland infrage. Bizret setzte sich in ein Flugzeug nach München und reiste weiter ins Saarland. Dort lebte sie im Wohnheim in Auersmacher. Auf der Arbeit lief es zunächst nicht so einfach: "Die Maschine lief so schnell, wir konnten sie zuerst nicht bedienen. Die, die uns angelernt haben, sagten dann immer: ,Irgendwann geht das schon'", erzählt Ikam Bizret. Und tatsächlich: Irgendwann ging es.Eine kleine Geschichte, die exemplarisch für viele tausend Gastarbeiter steht, die im Zuge des Anwerbeabkommens mit der Türkei vor 50 Jahren nach Deutschland kamen. Die Arbeiter blieben bekanntlich keine Gäste, sondern gründeten Familien und Geschäfte und wurden zu einem Teil der heutigen Identität der Bundesrepublik.

Die Kinder türkischer Gastarbeiter spielen heute in der deutschen Fußballnationalmannschaft oder moderieren die abendlichen Nachrichten.

Unter dem Motto "Vom Gastarbeiter zum Mitbürger" würdigte der Regionalverband gestern gemeinsam mit dem Deutsch-Türkischen Freundeskreis, dem Verein Ramesch, Mitgliedern der islamischen Gemeinden Sulzbach, Völklingen und Saarbrücken und weiteren Beteiligten das Jubiläum "50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei".

"Wir feiern dies, weil wir uns stark miteinander verbunden fühlen", sagte Regionalverbandsdirektor Peter Gillo zu Beginn der Feierstunde im Festsaal des Saarbrücker Schlosses. Gillos Vor-Vorgänger Michael Burkert, der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Freundeskreises, begrüßte die Gäste im Schloss zunächst auf Türkisch. Dann sprach er die ehemaligen Gastarbeiter direkt auf Deutsch an: "Sie kamen aus einer fremden Welt und schufen mit uns das deutsche Wirtschaftswunder, Sie sind Freunde geworden, bereichern unser Leben, unsere Küche und unsere Kultur." Werner Blum war damals Betriebsratsmitglied bei Röchling. Er sagte: "Ich kann die Tatkraft der türkischen Bürger nur bewundern, wie die fast abgewohnte Häuser aufkaufen und wieder herrichten, ohne sie würden viele Städte schlimmer aussehen."