Rassismusgegner feiern Jubiläum

Saarbrücken. Wie sich die Zeiten gleichen. Deutschland 2011: Mörderischer Naziterror schockt das Land. Deutschland 1991: Rechtsextreme und Rassisten hinterlassen eine Spur des Grauens. Asgar Abbaszadeh will zum Beginn der Neunziger ein Zeichen gegen den Naziterror setzen und gründet in Saarbrücken mit Gleichgesinnten den Verein "Ramesch - Forum für interkulturelle Begegnung"

Saarbrücken. Wie sich die Zeiten gleichen. Deutschland 2011: Mörderischer Naziterror schockt das Land. Deutschland 1991: Rechtsextreme und Rassisten hinterlassen eine Spur des Grauens.Asgar Abbaszadeh will zum Beginn der Neunziger ein Zeichen gegen den Naziterror setzen und gründet in Saarbrücken mit Gleichgesinnten den Verein "Ramesch - Forum für interkulturelle Begegnung". Schon der Name ist ein Zeichen gegen Hass, gegen Bitterkeit. Ramesch bedeutet: "Heiterkeit und Gelassenheit".

Doch die jüngsten Enthüllungen über die Verbrechen der rechtsextremen Zwickauer Zelle überschatteten am Donnerstag das Fest zum 20-jährigen Bestehen von Ramesch. Es zeigte aber auch, wie wegweisend das vom damaligen Geschäftsführer und Vereinsmotor Abbaszadeh in den ersten 15 Jahren entwickelte Konzept war. Das Besondere am Verein sei, dass er "am Übergang zwischen den Kulturen die Chancen sehe, die Ressourcen und Energien hervorhebe, statt auf die Defizite zu starren", sagte Regionalverbandsdirektor Peter Gillo. Anfangs ging es Abbaszadeh zufolge zunächst darum, die "fremden" Kulturen bekannt zu machen. Heute arbeiten Mitglieder in Schulen und Kindergärten für ein gutes Miteinander verschiedener Kulturen. "Wir arbeiten nicht mit Ausländern, sondern mit Deutschen in unseren Institutionen", sagte Gründungsmitglied Ikbal Berber am Donnerstag. Sie ist seit fünf Jahren Ramesch-Präsidentin, unterstützt von Geschäftsführerin Soraya Moket und vielen Ehrenamtlichen. "Ich kann das Wort Integration nicht mehr hören", bekannte sie. Es gehe nicht an, heute in der dritten Generation Menschen weiter über das Herkunftsland ihrer Großeltern zu definieren und mit dem Migrationshintergrund eine Trennungslinie zu ziehen. Was Staatssekretärin Gaby Schäfer zur Aussage "Wir sind eins" ermutigte. Sie sagte, Ramesch habe sich ständig weiterentwickelt und das Thema Einwanderung unter immer neuen Aspekten wie Gesundheit, Sport und Klischees beleuchtet. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz betonte, sie sei froh, dass der ins ganze Land hineinwirkende Verein in Saarbrücken ansässig ist. "Wir brauchen ihn hier." Nachdenklich sagte Berber in Anbetracht der jüngsten Enthüllungen über Nazi-Terror: "Als ich von den Ereignissen hörte, dachte ich erst: ,Wir sind nur eine Mücke im All'." Ramesch lasse sich zwar nicht entmutigen. Aber: "All unsere Projekte können ein grundlegendes politisches Konzept mit Investitionskraft und Visionen nicht ersetzen."

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