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Freie Fahrt für Lkw kommt früher

Bis Ende Oktober soll auch wieder Asphalt auf die Fechinger Talbrücke aufgebracht werden. Foto: Becker&Bredel
Bis Ende Oktober soll auch wieder Asphalt auf die Fechinger Talbrücke aufgebracht werden. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Seit Pfingsten rollen bereits wieder Autos über die zuvor wegen akuter Einsturzgefahr gesperrte Fechinger Talbrücke. Lkw ist die Überquerung aber noch verboten – worunter vor allem die Anwohner der Umleitungen seit der Sperrung am Gründonnerstag leiden. Ende Oktober soll das ein Ende haben. Nora Ernst

Lkw-Fahrer und Anwohner der Umleitungsstrecke können aufatmen: Am 31. Oktober wird die Fechinger A-6-Talbrücke wieder vollständig für den Verkehr freigegeben - zuvor war die Freigabe erst zum Jahresende geplant gewesen. Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD ) ist zuversichtlich: "Wir liegen mit unseren Arbeiten voll im Zeitplan." Bis Ende Oktober sollen die Pfeiler so weit verstärkt werden, dass auch Fahrzeuge über 3,5 Tonnen darüber fahren können. Parallel dazu wird wieder Asphalt aufgetragen, der abgefräst worden war, um Gewicht von der Brücke zu nehmen. An zwei Wochenenden (10./11. September, 1./2. Oktober) wird die Brücke deshalb in Richtung Mannheim gesperrt. Eine Vollsperrung in beide Richtungen ist vom 27. bis 31. Oktober geplant, um die Wiegestationen abzubauen. Danach kann auch der Schwerlastverkehr rollen. Nur ein Überholverbot und ein Abstandsgebot für Lkw wird es geben.


Rehlinger schätzt, dass die Verstärkungsarbeiten insgesamt mindestens zehn Millionen Euro kosten werden: "Allein die Wiegeeinrichtung hat uns zwei Millionen gekostet." Die Summe übernehme jedoch der Bund, der für die Autobahnbrücken zuständig ist. Die Talbrücke hält dem Verkehr, wie er vor der Vollsperrung täglich darüber rollte, also bald wieder stand. Ein Neubau sei dennoch notwendig, sagt Werner Nauerz, stellvertretender Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS). Die Pfeiler seien dann zwar solide, der Überbau halte aber keine 50 bis 80 Jahre mehr. Ob man ihn sanieren könnte, sei unklar, weil der Stahl, der in den 60er Jahren verwendet wurde, nur bedingt schweißbar sei. Und selbst wenn - eine Instandsetzung wäre viel zu teuer und "wirtschaftlich unvernünftig", so Nauerz. Seit 2010 steht die Brücke, unter anderem wegen ihrer filigranen Pfeiler, unter Denkmalschutz. Der Landesdenkmalrat trage den Abriss aber mit, betonte Nauerz.

Wie die künftige Brücke aussehen wird, ist noch unklar. Zunächst müsse gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium die Trasse festgelegt werden, sagte Rehlinger. Erst dann werde über die Bauwerks-Konstruktion entschieden. Eventuell werde es sogar einen Architektur-Wettbewerb geben. Nauerz rechnet damit, dass spätestens in acht Jahren die Planungen abgeschlossen und alle rechtlichen Fragen geklärt sein werden, so dass mit dem Bau begonnen werden kann.



Die Talbrücke war kurz vor Ostern überraschend voll gesperrt worden, weil die Gefahr bestand, dass die Pfeiler einknicken. Auf mögliche Versäumnisse des LfS angesprochen, hatte die Ministerin damals gesagt, man werde sich die Abläufe in dem Landesbetrieb noch einmal genau ansehen - ein Vorhaben, das laut Rehlinger noch im Gange ist. Doch klar ist für Rehlinger: "Wir werden uns für die Zukunft umorganisieren müssen, um alle notwendigen Sanierungen umsetzen zu können." Allein schon weil der Bund immer mehr Mittel zur Verfügung stelle. "Um das viele Geld adäquat verbauen zu können, brauchen wir auch mehr Personal beim LfS", sagte die Ministerin. Derzeit arbeiten dort rund 150 Ingenieure und Techniker. Rehlinger hält eine "kleine zweistellige Zahl" an zusätzlichem Personal für notwendig.

Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) zeigte sich erfreut über die geplante Freigabe der Brücke. Die Stadt hatte verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Belastung für die Anwohner der Umleitungsstrecken abzumildern. Aktuell ist noch geplant, einen stationären Blitzer am L-108-Nadelöhr "An der Heringsmühle" in Fechingen aufzustellen.