Von Schönheit getragen

Betörend, der Geruch von Leder, zimtig, pfeffrig, erdig, lange kann ich mich daran laben. Im "Lederstrumpf" in der Mainzer Straße findet man, eingehüllt von Songs aus den 60ern und dem Geräusch knarzender Dielen, nicht nur Jacken, Mäntel , Röcke aus besagtem Material, dazu geblümte Damenschuhe , Ringe und Gürtelschnallen, sondern auch große Lederhäute in vielen Farben und Maserungen. Eindrucksvoll ist das, doch bereits außen an der Lederschneiderei gilt es Bemerkenswertes zu entdecken.

Kennen Sie Carl Flink? Nein? Ich auch nicht, doch seine mit herrlichen Schmuckelementen verzierten Eisensäulen stützen den Lederstrumpf. Man erblickt Kelche, Früchte, Embleme, Blumenranken, kurz allerlei harmonisches Dekor an diesem zuvörderst praktischen Bauteil. Ein heute in Vergessenheit geratener, großer Mannheimer Industrieller des 19. Jahrhunderts ist dieser Carl Flink offenbar gewesen. Das findet man heraus, sucht man nach ihm. Flink kam aus Meersburg am Bodensee, lebte von 1845 bis 1926 und gründete 1885 seine Gießerei für Bau- und Grabschmuck, Balkone, Veranden, Treppen und Eisenhochbaukonstruktionen, die das Stadtbild Mannheims prägen sollten. Die Geländer und Säulen im Treppenhaus des Städtischen Leihamtes kamen aus seiner Eisen- und Bronzegießerei, das Gerüst eines bewunderten Palmhauses im Luisenpark hatte er errichtet. Selbst ein Katalog findet sich zur Flink'schen Gießerei mit dem Untertitel "Specialität Bauguß und Eisenconstructionen, Mannheim, 1900, Hoflichdruck-Anstalt von J. Schober, Karlsruhe" zum stolzen Preis von 828 Euro. Ein papierner Zeuge fortschreitender Industrialisierung und optimierter Fertigung. Eine Gründeraktie von 1899 mit dem Nennwert "Eintausend Mark", zu erwerben beim Hanseatischen Sammlerkontor, kündet von der Übernahme des Unternehmens in eine AG. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es bergab, "1925 in Liquidation getreten, 1927 erloschen" verkünden die Information zum Wertpapier schlicht. Wie und warum die Arbeit des Mannheimer Eisen- und Bronzegießers auch Saarbrücken zustatten kam, kann ich nicht sagen. Die Schönheit seines Werkes aber strahlt auch hier fort ...