Familie Frenkel ist nicht vergessen

Der Künstler Gunter Demnig verlegt am kommenden Samstag, 22. Februar, drei neue Stolpersteine in Merzig. 17 der Gedenktafeln in Form von Pflastersteinen erinnern bereits in der Stadt am jeweilig letzten Wohnort an das Schicksal von Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert oder in den Suizid getrieben wurden. SZ-Redaktionsmitglied Kai Thomas sprach mit Bernd Schirra, der das Projekt ehrenamtlich betreut, über die drei NS-Opfer, denen die Steine gewidmet sind.

Julius Frenkel.
Bernd Schirra
Sara Frenkel. Fotos: Yod Vashem

Wo wird der Künstler Gunter Demnig die neuen Stolpersteine in Merzig verlegen?

Bernd Schirra: Am Samstag werden drei Stolpersteine verlegt. Zwei Steine neben der Synagogen-Gedenkstätte in der Synagogenstraße und ein Stein in Besseringen in der Mühlenstraße 21.

Für wen werden die zwei Stolpersteine in der Synagogenstraße verlegt?

Schirra: Neben der Synagoge stand das Kantehaus, in dem die jüdische Familie von Julius Frenkel, einem Viehhändler, wohnte. Die Steine sind ihm (geboren 1879, Anmerkung der Redaktion) und seiner Frau Sara (geboren 1887, Anmerkung der Redaktion) gewidmet. Beide wurden in der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 mit Waffengewalt von der SA gezwungen, den Synagogenschlüssel herauszugeben. Herr Frenkel wurde dann mit anderen Merziger Juden in das Konzentrationslager in Dachau verschleppt. Als er zurückkehrte, das war zu diesem Zeitpunkt noch möglich, wanderte er mit seiner Familie nach Mersch in Luxemburg aus. Für seine Töchter Hanna und Alice konnte er einen Transport nach England organisieren. Dort wohnen sie noch heute in der Grafschaft Essex.

Julius Frenkel und seine Frau Sara wurden allerdings von Luxemburg über Trier in das Getto {Lstrok}ódz in Polen deportiert. Sara Frenkel starb dort. Julius Frenkel vergasten die Nazis in Auschwitz.

An wen soll der Stolperstein in Besseringen erinnern?

Schirra: An Emil Bone. Bone ist das erste nicht-jüdische Opfer des NS-Regimes, dem ein Stolperstein in Merzig gewidmet wird. Ich konnte seine Gestapo-Akte im historischen Museum in Saarbrücken einsehen. Emil Bone war ein junger Mann, 19 Jahre alt. Sein Vater war in der SA und Bauunternehmer aus Besseringen. Der Sohn war allerdings nicht überzeugt vom Regime. Er drückte sich vorm Unterricht der Hitlerjugend und entschloss sich dann nach Frankreich zu flüchten. So einfach war das aber nicht, denn damals bauten die Nazis schon den Westwall.

Als dort eingesetzter Arbeiter hat Bone Skizzen einer Bunkeranlage gefertigt, um einen guten Einstand bei seiner Ankunft in Frankreich zu haben. Auch zeichnete er in einer Straßenkarte die einzelnen Bunker zwischen Mettlach und Beckingen ein. Mit einem Freund aus Brotdorf verabredete er sich dann zur Flucht.

Als er auf den Freund vor dessen Haus wartete, weil der noch seinen Koffer packen wollte, wurde Bone von der Polizei verhaftet. Entweder der Freund oder dessen Eltern haben ihn wohl verraten. Die Gestapo unterstellte ihm unter anderem die Organisation eines Agentenrings. Bone kam zunächst nach Frankenthal in der Pfalz ins Gefängnis. Sein Freund sagte gegen ihn aus. Am 9. Oktober wurde er dann in Berlin-Plötzensee wegen Landesverrates angeklagt.

Am 25. Januar 1940 verurteilten ihn Richter des Volksgerichtshofs zum Tode. Am 30. März wurde er schließlich mit dem Fallbeil hingerichtet. Ein Gnadengesuch lehnte der Gerichtspräsident Roland Freisler zwei Wochen zuvor ab.

Wie geht es weiter mit den Stolpersteinen in der Kreisstadt?

Schirra: Mittelfristig plane ich in Brotdorf ein weiteres Projekt. Da gibt es 16 jüdische Opfer und ein nicht-jüdisches Opfer, den Nikolaus Engel. Er war der Chef der kommunistischen Partei in Brotdorf. Er wurde in einem Duisburger Gefängnis erschossen. Angedacht ist auch ein Stein in Hilbringen für einen Herrn Kiefer, der in Dachau umgebracht wurde.

Wie sieht es mit den finanziellen Mitteln des Projekts aus?

Schirra: Die jetzigen drei Steine sind finanziert. Für die Steine in Brotdorf fehlt das Geld noch komplett.