"Das Kapital hat die Politik in der Hand"

Euer neues Album heißt "Hold On, Liberty!" - eine Durchhalteparole für die Freiheit?Christoph Hessler: Der Titelsong ist eher ein Aufruf, genau darauf zu achten, an welchen Stellen man heutzutage Freiheiten abgibt

Euer neues Album heißt "Hold On, Liberty!" - eine Durchhalteparole für die Freiheit?Christoph Hessler: Der Titelsong ist eher ein Aufruf, genau darauf zu achten, an welchen Stellen man heutzutage Freiheiten abgibt. Meistens geschieht das sogar unbewusst, wie in der Innenpolitik mit der momentanen Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit, oder gerade auch im Internet mit den vielen Apps und dem Handel mit persönlichen Daten.

Und wie sieht es eurer Meinung nach mit der Gleichheit aus?

Christoph Hessler: Na ja, rein gesetzlich ist die Gleichheit in unserem Kulturkreis schon gewährleistet. Wie die Gleichheit allerdings im täglichen Leben umgesetzt wird, sei mal dahingestellt. Man beachte nur die nicht vorhandene Gleichheit zwischen Mann und Frau im Job und bei der Bezahlung. Die ewigen Diskussionen um eine Frauenquote sind doch bezeichnend dafür, dass zwischen Gleichheit auf dem Papier und in der Realität ein riesiges Loch klafft.

Der Song "Capital" ist mit seiner Aussage "Cash Is King" in Zeiten der Finanzkrise nicht minder aktuell. Sind die internationalen Bankenkonzerne die neuen Königshäuser?

Christoph Hessler: Die momentane Krise zeigt, dass das Kapital eine außerordentliche Stellung einnimmt und die Politik voll in der Hand hat. Mit dieser Seifenblase aus fragwürdigen Fonds und dem Konsum auf Pump hat die Finanzwelt ein Riesengeschäft gemacht. Jetzt fährt alles an die Wand, und jeder einzelne Bürger zahlt letztendlich die Zeche. Und noch nicht mal jetzt bekommt es die Politik hin, entsprechende Gesetze zu verabschieden, bestimmte Unternehmen und Personen zur Verantwortung oder auch nur irgendwelche Konsequenzen daraus zu ziehen. Der Lobbyismus mischt nicht nur mehr mit, sondern hat das Ruder übernommen.

Seht ihr euch mit eurer Kritik am Kapital in einer Linie mit der Occupy-Bewegung?

Christoph Hessler: Wir finden das super, dass nach Jahren überhaupt mal wieder jemand den Mund aufmacht und auf die Straße geht. Welcher Politiker findet das schon gut, wenn die Leute auf die Straße gehen . . .

Das abschließende "Destination" durchzieht eine kühle Endzeit-Stimmung mit der Fragestellung, was in der Welt falsch gelaufen ist. Habt ihr eine Antwort darauf?

Christoph Hessler: Die Menschen müssen endlich verstehen, dass wir alle in einem Boot sitzen. Sie werden immer egoistischer und narzisstischer. Wenn jeder nur ein kleines Stück von seinem Thron absteigt, mehr aufeinander zugeht und Dinge gemeinsam anpackt, wird es uns allen und der Welt viel besser gehen.

Wo liegen die größten Unterschiede zum Debüt "Interspheres - Atmospheres"?

Christoph Hessler: Der größte Unterschied liegt darin, dass die neuen Songs live im Studio eingespielt wurden. Der Sound ist daher ein wenig roher, wilder und teilweise auch undurchsichtiger. Die Songs sind noch konzentrierter und fokussierter und beinhalten mehr Melodien als je zuvor. Außerdem fanden noch mehr Stile und Dynamik Einfluss. Wir haben uns zu beiden Seiten weiter aus dem Fenster gelehnt - sowohl hinsichtlich der Eingängigkeit als auch der Komplexität.

Woher kommen eure musikalischen Wurzeln, und wie drücken sie sich aus?

Christoph Hessler: Wir hören verschiedenste Sachen: Kleinster gemeinsamer Nenner in der Band sind wohl The Police, Radiohead, Muse, The Beatles . . . Aber wir hören nicht nur Rock und Pop, sondern auch viel elektronische Musik, Klassik, Jazz, Singer-Songwriter usw. Diese ganzen Bands und Musikarten haben eher unterbewusst Einfluss auf unsere Songs.

Was darf man von euch auf der Bühne erwarten?

Christoph Hessler: Eine 100-prozentige Vollgas-Show, einen Super-Sound und richtig fette Lichteffekte.

 Politische Kunst: The Intersphere mit Sänger Christohph Hessler (rechts). Foto: spv
Politische Kunst: The Intersphere mit Sänger Christohph Hessler (rechts). Foto: spv

Das Konzert am Sonntag beginnt um 18 Uhr, im Saarbrücker Schlossgarten. Eintritt frei.