Beim Retten gibt es keine Ferien

Saarbrücken. Ferienzeit. Es ist die Nacht zum 10. Juli gegen 3 Uhr. Kellerbrand in Klarenthal. Vor Ort: ein Löschzug der Berufsfeuerwehr, drei Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Klarenthal. Typisch für das Zusammenspiel in den Außenstadtteilen. Auch in den Ferien

Saarbrücken. Ferienzeit. Es ist die Nacht zum 10. Juli gegen 3 Uhr. Kellerbrand in Klarenthal. Vor Ort: ein Löschzug der Berufsfeuerwehr, drei Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Klarenthal. Typisch für das Zusammenspiel in den Außenstadtteilen. Auch in den Ferien.Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System und der Idealismus der rund 750 Mitglieder in den 17 Löschbezirken (LB) der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken. Sie sind neben der 190-köpfigen Berufsfeuerwehr (BF) die zweite Säule des Rettungswesens in der Stadt.

An der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr steht Tony Bender, im Brotberuf Leiter des Saarbrücker Sport- und Bäderamtes. "Die Feuerwehr Saarbrücken arbeitet ständig nach einem abgestuften Verfahren, in dem die Freiwillige Feuerwehr unverzichtbar ist", sagt er.

Die Berufsfeuerwehr rückt bei Einsätzen in Alt-Saarbrücken, St. Johann, Burbach-Malstatt und St. Arnual aus. Bei größeren Unglücken kommen die dortigen Löschbezirke hinzu. Oder die freiwilligen Wehrleute fahren in ihre Gerätehäuser, um bei weiteren Alarmen startklar zu sein. In den Außenstadtteilen rückt prinzipiell erst der LB der Freiwilligen Feuerwehr aus. Verstärkung kommt von BF und benachbarten LB. Außerdem haben viele LB Sonderaufgaben für das ganze Stadtgebiet. Dazu zählen etwa der Einsatz der dritten Drehleiter (Dudweiler) oder das Licht und die Stromversorgung an Einsatzorten (Malstatt/Burbach). Damit dieses System funktioniert und die als Maßstab für Schnelligkeit geltende Acht-Minuten-Hilfsfrist einzuhalten ist, sind 250 der 750 freiwilligen Feuerwehrleute in Saarbrücken kurzfristig binnen drei bis fünf Minuten verfügbar, weitere etwa 100 in einer nächsten Stufe mit einem Verzug von zehn bis 15 Minuten. Bender: "Mindeststärke eines Löschbezirks sind 18 Männer und Frauen, was erfahrungsgemäß sowohl das rasche Ausrücken als auch die eventuell notwendige Ablösung sicherstellt."

Und in den Ferien? Über die Urlaubszeiten wissen die Löschbezirksführer Bescheid. Wer nicht verfügbar ist, meldet sich ab. Bei Engpässen informiert der Löschbezirksführer oder sein Vertreter den Wehrführer, und der sagt der Haupteinsatzzentrale Bescheid. Dann kann diese bei einem Einsatz auch den benachbarten LB informieren. Wie gut sich die Mitglieder der Löschbezirke über Ferienzeiten einigen, zeigt sich Bender zufolge darin, dass sich noch nie ein Löschbezirk komplett urlaubsbedingt abgemeldet hat. "Die große Zahl der Feuerwehrleute und der Umstand, dass die, die auf ,Balkonien' Urlaub machen, vor Ort nach wie vor mit ausrücken, sind hier ausschlaggebend", sagt er. Und gehe ein Löschbezirk auf Jahresfahrt, bleibe im Regelfall eine "Mindestbesatzung" vor Ort. "Aber dann wird auf jeden Fall eine Parallel-Alarmierung organisiert."

 Großeinsatz im Weyerbachtal: 300 Mitglieder der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr standen 2006 dort gemeinsam im Kampf gegen ein Flammenmeer. ArchivFoto: Becker und Bredel
Großeinsatz im Weyerbachtal: 300 Mitglieder der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr standen 2006 dort gemeinsam im Kampf gegen ein Flammenmeer. ArchivFoto: Becker und Bredel

Benders Kollege Ingo Wagenknecht von der Berufsfeuerwehr spricht beim Zusammenwirken von freiwilligen Helfern und BF von einem unverzichtbaren System, das sich als einziges als praktikabel erwiesen habe. Das zeigt sich darin, dass die Saarbrücker Feuerwehr Bender zufolge 2011 bei 95 Prozent der Einsätze in besagter Acht-Minuten-Frist vor Ort war. Was bedeutet: Die Feuerwehr ist da, wenn sie gebraucht wird.