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Bekenntnis für den Pingusson-Bau

Saarbrücken. Wie geht's weiter mit dem ehemaligen Kultusministerium, dem so genannten Pingusson-Bau in Alt-Saarbrücken? Bei der SZ diskutierten Fachleute, denen das architektonische Meisterstück ans Herz gewachsen ist. Der Bau, heute Denkmal, wurde nach dem Krieg als französische Botschaft entworfen. Peter Wagner

Manchmal kommen Ereignisse zusammen, die auf den ersten Blick nichts gemein haben, bei näherer Betrachtung aber doch hübsch zusammenpassen könnten: Die Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes in der Saarbrücker Hohenzollernstraße möchte ein neues Bildungszentrum bauen; Geld ist wohl genug da.

Der gegenüberliegende Pingusson-Bau, denkmalgeschützte architektonische Perle und bis vor wenigen Jahren Sitz des saarländischen Kultusministeriums, hat enormen (noch nicht bis in die letzte Million ermittelten) Sanierungsbedarf. Und er hat vor allem Menschen nötig, die sich in ihm ansiedeln möchten. Wäre es nicht charmant für die Handwerker, hier ihren Sitz zu nehmen? Es müssten ja nicht alle acht Etagen sein, sondern vielleicht die unteren zwei?

Marlen Dittmann, Vertreterin des Deutschen Werkbundes an der Saar, findet beim Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung die Anregung der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer "vorzüglich", hier auch deutsch-französische Institutionen anzusiedeln.

Da der Architekt Georges-Henri Pingusson (1894 bis 1978) das Gebäude nach dem Krieg als französische Botschaft entwarf, ist es ja symbolisch so ideal durchtränkt, dass man sich für derlei Verwendung gar kein geeigneteres Haus mehr vorstellen möchte.

Carsten Diez vom Bund Deutscher Architekten zeigt sich auch überzeugt, dass man mit einem Neubau "so eine Qualität wie hier nie mehr hinbekommt".

Heiko Lukas, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, sieht jedenfalls die "Riesenchance" gekommen, dass der Erweiterungswunsch der Kammer und das Anliegen des Denkmalschutzes einander befruchten könnten und darüber hinaus Anlass geben für eine städtebauliche Entwicklungsdiskussion.

Lukas wünscht sich viel mehr öffentliches Bewusstsein für die möglichen Potenziale des Pingusson-Baues. Was man mit dem hundert Meter langen und keine zehn Meter breiten Haus und seinem 2,5 Hektar großen Grundstück mitsamt dem Park alles anstellen und wie vielen Leuten man mit einer Herrichtung Freude machen könnte - von der Dachterrassen-Bar über einen Veranstaltungsraum bis hin zu einer Brücke über die Saar zur Congresshalle - ist zu seiner Ernüchterung kaum ein Thema, schon gar nicht in den politischen Gremien. Und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), ebenfalls möglicher Neunutzer beziehungsweise Bestandteil eines neu gestalteten Quartiers, überrasche mit Wegzugsplänen in entlegene Gegenden.

Lukas jedenfalls fordert namens der Kollegen in der Kammer - wenn nicht jetzt, wann dann? - einen städtebaulichen Wettbewerb für die Zukunft des Quartiers, natürlich mit dem Pingusson-Bau als zentralem Bestandteil. Eine Veränderung je nach Nutzung gilt als akzeptabel, nicht aber ein Abriss oder Teilabriss.

Luca Kist, Vorsitzender des Saarbrücker Städtebaubeirates, kündigt für demnächst eine Initiative an, bei der bekannte Köpfe zu einem Bekenntnis für den Pingusson-Bau gewonnen werden sollen.

Man möchte vor allem politischen Entscheidern die Angst vorm Diskutieren und Investieren nehmen. Genau gesagt, die Angst, alles bezahlen zu müssen, was man selbst ins Spiel bringt. Was den Redaktionsgästen am allerliebsten wäre: eine anerkannte Person des öffentlichen Lebens, die das Gebäude zu ihrem Anliegen macht und als "treibende Kraft" voranbringt.

Wer macht es?