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„Schlaues Konzept“ gesucht

Saarbrücken. Die Ausstellung „Dialog über die Grenze“ im Kultusministerium ist zu Ende gegangen. Gewidmet war sie dem Architekten Georges-Henri Pingusson. Zum Abschluss wurde über dessen bekanntesten hiesigen Bau diskutiert: die Heimat des jetzigen Kultusministeriums, deren Tage gezählt sind. Von SZ-MitarbeiterinSabine Graf

Mit einem entschiedenen "Es lohnt sich" endete nach fast einem Jahr die vom Werkbund Saar im Kultusministerium eingerichtete Ausstellung "Dialog über die Grenze"; sie widmete sich dem Schaffen des französischen Architekten Georges-Henri Pingusson im deutsch-französischen Grenzraum. In Saarbrücken steht dafür die 1954 errichtete Französische Botschaft ein, heute Sitz des Kultusministeriums. Für dessen Hausherrn, den Minister für Bildung und Kultur, Ulrich Commerçon (SPD), ist sie "der französischste Ort des Saarlandes" und damit Verpflichtung, für das in die Jahre gekommene Haus "eine intelligente Nutzung zu finden, die dem Gebäude angemessen ist". Denn im April steht der Umzug des Ministeriums in die Alte Post am Hauptbahnhof an.

"Wir führen ausdrücklich keine Sanierungsdiskussion. Wir wollen fragen, was war, was ist, was könnte sein?", beschrieb daher die Werkbund-Vorsitzende Marlen Dittmann den Zweck der Veranstaltung. Bald folgt ein "Jahr der Ruhe" so der Minister, um die Kosten zu ermitteln. Erst dann gäbe es Möglichkeiten, Geldgeber anzusprechen, etwa die EU. So wäre es "ein hochintelligenter Ansatz", deutsch-französische Institutionen hier anzusiedeln.

Es brauche ein "schlaues Konzept", bestätigte auch Clemens Kieser, Denkmalpfleger aus Karlsruhe. Entscheidend werde sein, merkte Axel Boecker vom Landesdenkmalamt an, wie die "erste Heizkostenabrechnung" für das leere Gebäude ausfalle. Offenbar hoch, denn: "Darauf müssen wir eine Antwort haben", empfiehlt er, da diejenigen, die das Gebäude nicht wollen, nicht ohne Einfluss seien. Notwendig sei daher, "ein Bündnis zu kreieren", wie die für die Moderation der Diskussion mit dem Minister und den Gästen von außerhalb zuständige Barbara Renno (SR) empfahl. "Wir müssen alle richtig losmarschieren", sagte Commerçon und erinnerte an die für den Wiederaufbau saarländischer Städte verantwortlichen Urbanisten um Pingusson, die die Bevölkerung einbeziehen wollten.

Der Werkbund holte als Zeitzeugen den Architekten Günter Mönke, den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Europäischen Akademie Otzenhausen, Arno Krause, und den Ingenieur Joachim Becker aufs Podium, um zu zeigen, dass "ein Haus nicht nur ein Haus, sondern gelebte Geschichte" ist, so der Vorsitzende des Landesdenkmalrates Henning Freese, der das Podium der Zeitzeugen moderierte. Darin liegt wohl eine Chance für den Pingusson-Bau und für seine Bedeutung in Geschichte und Gegenwart: Für ihn nicht nur mit dem Intellekt einzustehen, sondern auch mit dem Gefühl.