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Ein Ringel Lyoner für die Kirche

Saarbrücken. Jetzt ist die Saarbrücker Ludwigskirche für Besuchern wieder verlässlich geöffnet – ehrenamtliche Kirchenhüter machen es möglich. Alt-Saarbrücker Geschäftsleute spenden zudem für den Erhalt des Gotteshauses. Nora Ernst

Jeannine Garlipp hat schon als Kind die Gottesdienste der Ludwigskirche besucht, ihr Großvater wurde hier getauft und konfirmiert - die Kirche liegt ihr am Herzen. Doch seit Dezember 2014 war das barocke Kulturdenkmal in Alt-Saarbrücken für Besucher zunächst geschlossen. Nachdem der Bund Gelder gestrichen hatte, fielen die Stellen von sechs Bürgerarbeitern weg, die dort Aufsicht geführt hatten. "Eine Kirche muss offen sein", findet Garlipp . Deshalb hat die 40-jährige Zollbeamtin sich bereit erklärt, zwei bis vier Stunden pro Monat als Kirchenhüterin einzuspringen.

Sie ist eine von 16 Ehrenamtlichen, die jetzt gemeinsam mit dem Ein-Euro-Jobber Matthias Engesser dafür sorgen, dass die Kirche dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr ihre Pforten öffnen kann. Christian Weyer , Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, ist sichtlich erleichtert, dass nun eine Lösung gefunden werden konnte: "Täglich kommen zig Menschen, um sich dieses Wahrzeichen des Saarlandes anzusehen. Sie sollen nicht vor verschlossenen Türen stehen." Weyer hofft, dass sich noch weitere ehrenamtliche Kirchenhüter finden, sodass das Gotteshaus spätestens im Sommer auch sonntags nach den Gottesdiensten für Besucher offensteht.

Doch mit der Wiederöffnung der Kirche ist es nicht getan. Knapp 100 000 Euro müsste die Gemeinde Alt-Saarbrücken pro Jahr allein für den Erhalt der Substanz zurücklegen - Geld, das sie "schlicht nicht hat", wie Weyer sagt. Derzeit sei die Kirche zwar als Denkmal gut hergerichtet, erklärt Martin Wendt, Mitglied des Vorstands der Stiftung Ludwigskirche, "aber wir müssen Vorsorge für die Zukunft treffen". Schon heute wären Investitionen nötig, etwa in die Heizung und die Beschallungsanlage. Langfristig müssten Dach und Turm saniert werden, sagt Wendt. Doch die Gemeinde plagen Geldsorgen. Schuld sei auch der strikte Sparkurs, den die rheinische Landeskirche vorschreibe.

Nun hofft man auf die Hilfe der Bürger: Drei Saarbrücker Geschäftsleute haben bereits Unterstützung zugesagt. Ralf Konrad von der Metzgerei Konrad musste nicht lange überlegen: "Unsere Familie lebt und arbeitet seit Jahrzehnten hier, wir fühlen uns dem Stadtteil verbunden." Und die Ludwigskirche sei nun mal dessen Wahrzeichen. Deshalb wird die Metzgerei künftig pro verkauftem Ringel Lyoner einen Euro an die Stiftung Ludwigskirche weiterleiten. Auch für Ralf Menn, Besitzer der "Kaffeebohne" in der Bahnhofstraße, stand schnell fest, er hilft, denn: "Eine geschlossene Kirche ist keine gute Kirche." Für jedes verkaufte Päckchen des Kaffees "Saarbrücker Pfund" wird ein Euro in den Erhalt des Gotteshauses fließen. Auch das "Café Lolo" hat Hilfe zugesagt, Gespräche mit weiteren Geschäftsleuten laufen.

Wer sich als Kirchenhüter engagieren will, kann Heidi Walter kontaktieren, Tel. (01 71) 4 89 48 59. Wer die Stiftung unterstützen will, kann sich an Martin Wendt wenden, E-Mail: martin.wendt@ekir.de



Meinung:
Konjunkturgut Ludwigskirche

Von SZ-RedakteurDietmar Klostermann

Prima ist, dass sich in Alt-Saarbrücken Hüter für das Saar-Wahrzeichen gefunden haben. Die Johanneskirche am anderen Saar-Ufer ist da beispielhaft. Doch dass der Verkauf von Lyonern, Kuchen und Kaffee über ein heiles Dach oder eine intakte Heizung entscheidet, setzt die Ludwigskirche Konjunktur-Stürmen aus. Besser wäre eine Stiftung, bei der Land, Regionalverband und Stadt mitrudern. Sonst funkt das Kirchenschiff bald wieder SOS.