Bald werden wieder die Stiefel gefüllt

Kinder fiebern dem Abend des 5. Dezember schon entgegen: Dann stellen sie einen Stiefel oder Teller raus oder hängen eine leere Socke vor die Tür, und am nächsten Tag finden sich darin auf wundersame Weise Leckereien, vielleicht auch Geschenke. Diese Tradition am Vorabend des Nikolaustages wird auch hier gepflegt, wie unsere Umfrage auf dem Saarbrücker Christkindlmarkt zeigt.

"Die Socken unserer Söhne werden diesmal nicht so voll sein wie im letzten Jahr", erzählt Marco Werth bei der SZ-Umfrage zu den Gepflogenheiten rund um den Nikolaustag. Da die beiden (14 und 8 Jahre) im Winter einen Skikurs besuchen, haben die Eltern die Geschenke zu Nikolaus reduziert. Aber auch von anderen Verwandten, wie zum Beispiel Omas und Tanten, bekommen die Kleinen etwas geschenkt. "Die großen Socken, die neben dem Adventskalender hängen, werden aber nur von uns mit Süßigkeiten, Mandarinen und Nüssen befüllt", erzählt der 44-Jährige aus Freisen.

Auch der fünfjährige Arne Moser freut sich jedes Jahr und stellt seinen Stiefel am Abend des 5. Dezember vor die Tür. "Meist bekommt er ein bis zwei kleine Geschenke", sagt seine Mutter Tanja. "Im letzten Jahr war es ein Spielzeugauto, dieses Jahr werden es eventuell Stifte oder andere Dinge, die er für den Schulstart nächstes Jahr gebrauchen kann", erzählt die 45-jährige Kinderkrankenschwester aus Saarbrücken .

Einen echten Nikolaus gibt es bei Familie Schneider. Er bringt den Kindern und Enkelkindern jedes Jahr Süßigkeiten und ein, zwei kleine Geschenke. "Jahrelang hat mein Mann den Nikolaus gespielt. Da es den Kleinen aber so langsam auffällt, dass der Opa immer kurz vorher verschwindet, hat die Rolle jetzt ein Bekannter übernommen", erzählt die 54-jährige Marion Schneider, die zum Weihnachtseinkauf hier ist. "Die kleinen Kinder bekommen meistens Socken oder Schlafanzüge, die Großen bekommen dann eher eine Flasche Likör", erzählt die Altenpflegerin aus Oberkirchen.

Bei Familie Ulzheimer-Rütter kommt der Nikolaus zwar nicht in die Wohnung, aber kann sich - auch ein Brauch - mit Milch und Keksen stärken. "Wir bereiten immer einen Nikolausteller vor", beschreibt Mutter Sandra. Darauf finden die Kinder dann Nüsse, Äpfel und Schokolade , aber auch ein kleines Präsent, meist etwas von Lego, liegt auf dem Teller . "Natürlich bringen die Großeltern auch immer was Kleines vorbei", so die 39-jährige Lehrerin aus Saarbrücken .

"Meine Tochter glaubt noch an den Nikolaus und ich auch, wenn es sein muss", scherzt der Restaurant-angestellte Christophe Lindauer, der öfter in Saarbrücken bummeln geht. Der 48-jährige Saargemünder wahrt die Tradition des Stiefelrausstellens bis heute: "Geschenke gibt es keine, aber traditionelle Naschereien wie Mandarinen und Nüsse landen immer im Schuh." Auch von den Großeltern bekommt seine Tochter Carlista (3) jedes Jahr ein Stiefelchen voller Süßigkeiten geschenkt.

Janine Platte aus Alt-Saarbrücken schenkt ihrer vierjährigen Tochter Melissa dieses Jahr eine DVD und Schokolade . In der Gaststätte ihres Opas wird jedes Jahr mit einem echten Nikolaus gefeiert: "Es ist eine ziemlich tolle Sache. Dort werden Lieder und Gedichte vorgetragen und die Eltern können am Tag zuvor eine Liste mit gutem und schlechtem Benehmen abgeben, die den Kindern beim Fest vorgetragen wird." Die Verwandtschaft der 26-jährigen Arzthelferin kommt auch.

"Für mich ist Nikolaus nur ein Fest für Kinder, deswegen schenken wir Erwachsenen uns nichts", erzählt Manuela Nitsch aus Wustweiler. Die 38-Jährige besucht in diesem Jahr mit ihrem dreijährigen Sohn ihre Freunde, zu denen ein Nikolaus eingeladen wurde, aber zu Hause läuft der Abend traditionell ab, mit dem Rausstellen von Stiefeln, Keksen und Milch . "Im Stiefel landen üblicherweise Schokolade , Mandarinen und Nüsse und die Kekse und Milch werden vom Nikolaus auch immer schön leer gegessen", sagt die Hausfrau.

Für Sylvia Barbian aus Saarbrücken ist ihr 30-jähriger Sohn noch nicht zu alt für Nikolaus: "Mein Sohn und mein Mann bekommen jedes Jahr Strümpfe, Geld und Schokolade geschenkt. Ich bekomme nichts, aber so sind die Männer nun mal und stören tut es mich nicht", sagt die 50-Jährige lachend. Die Süßigkeiten und Geschenke verpackt die Altenpflegerin ganz klassisch in Socken oder auf Tellern.