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Nach Polizeieinsatz in Lisdorf
Flüchtlinge: Stundenlang bei Minusgraden mit Kühllaster unterwegs gewesen

Nach der Rettung: der geöffnete Kühltransporter an der Tankstelle an der A 620 Richtung Saarbrücken. Hier retteten Fahnder fünf irakische Flüchtlinge.
Nach der Rettung: der geöffnete Kühltransporter an der Tankstelle an der A 620 Richtung Saarbrücken. Hier retteten Fahnder fünf irakische Flüchtlinge. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken . Irgendwo in Frankreich wollen fünf Iraker unbemerkt vom Fahrer aufgesprungen sein – ohne zu wissen, in welche Gefahr sie sich begeben. Das ergaben erste Ermittlungen bei der Bundespolizei in Saarbrücken. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Nach dem Aufsehen erregenden Stopp eines Kühlwagens an einer Total-Tankstelle an der A 620 bei Lisdorf in Richtung Saarbrücken haben Vernehmungen der fünf irakischen Flüchtlinge erste Hinweise auf deren stundenlange Fahrt Richtung Saarland ergeben.


In den Wagen geschlichen

Nach Angaben von Dieter Schwan, Pressesprecher der Bundespolizei in Bexbach, gaben die jungen Männer am Dienstag (23. Oktober) an, in einem französischen Ort in den Transporter gestiegen zu sein. Etwa 250 Kilometer von der französisch-saarländischen Grenze entfernt kletterten sie auf den Lastwagen, ohne dass dessen Fahrer (37) aus der Ukraine etwas davon mitbekommen haben soll. Dabei sei den Flüchtlingen nicht bewusst gewesen, sagten sie den Ermittlern, dass sie sich in größte Gefahr begeben. Sie ahnten nicht, dass im Inneren Minusgrade herrschten und es keine Frischluftzufuhr gibt.



Mehrere Stopps, um zu lüften

Später allerdings soll dem Brummifahrer durchaus klar gewesen sein, dass er blinde Passagiere an Bord hatte. Denn nach seinen Aussagen habe er sein Unternehmen darüber informiert. Er soll auch mehrmals gestoppt haben, um den Wagen zu lüften, damit die Männer nicht erstickten. Die Tankstelle auf der deutschen Autobahn habe er bewusst angesteuert, damit ihm dort andere aus der ihm bis dahin ausweglos erscheinenden Situation helfen. Zeugen hörten, wie die Männer im Innern klopften, und riefen die Polizei. Ein Müllautofahrer stellte sich quer und blockiert den Lastwagen.

Akten bei Staatsanwalt

Zurzeit liegen die Akten und Verhörprotokolle der Bundespolizei der Saarbrücker Staatsanwaltschaft vor. Mit einer Entscheidung über eine mögliche Untersuchungshaft gegen den Fahrer und was mit den Flüchtlingen geschieht, wird noch am Mittwochvormittag gerechnet. Möglicherweise muss sich der Ukrainer auch wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten, weil er trotz des Wissens, dass Menschen im Kühlwagen womöglich großer Gefahr ausgesetzt sind, mehrere hundert Kilometer umherkutschierte. Unberührt davon bleibt der mögliche Vorwurf der Menschenschleuserei.

Franzosen alarmierten deutsche Kollegen

Als die Fahnder, von ihren französischen Kollegen alarmiert, am Dienstag gegen 11 Uhr die Flüchtlinge befreiten, hatte einer von ihnen einen unterkühlten Fuß. Eine ärztliche Behandlung sollen alle nach Schwans Angaben kategorisch abgelehnt haben. Der Lastwagen war zuvor in Mailand gestartet und ist in Polen zugelassen. Die französischen Beamten waren zuvor durch einen Notruf per Handy aus dem Kühlwagen auf die Flüchtlinge aufmerksam geworden.