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Großeinsatz auf Autobahn bei Lisdorf
Dramatische Rettung: Polizei holt Flüchtlinge aus Kühlwagen

Polizei-Großeinsatz an der Autobahntankstelle Total bei Lisdorf: Fahnder befreien fünf Flüchtlinge aus einem hermetisch abgeriegelten Kühlwagen.
Polizei-Großeinsatz an der Autobahntankstelle Total bei Lisdorf: Fahnder befreien fünf Flüchtlinge aus einem hermetisch abgeriegelten Kühlwagen. FOTO: BeckerBredel
Lisdorf. Zeuge alarmiert an Tankstelle die Fahnder. Müllwagenfahrer blockiert Lastwagen mit den gefangenen Männern vor Weiterfahrt. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Dienstagvormittag (23. Oktober) fünf Iraker befreit, die in einem Kühlwagen gefangen waren. Bei minus einem Grad saßen die Flüchtlinge in dem polnischen Transporter fest. Zudem drohten sie zu ersticken, da keine Frischluft ins Innere gelangte.


Erster Hinweis aus Frankreich

Die deutschen Ermittler waren gleich von mehreren Stellen gerufen worden, wie Dieter Schwan berichtet. Nach Angaben des Sprechers der Bundespolizei in Bexbach hatten zuerst die französischen Kollegen Alarm geschlagen. Um 10.15 Uhr erhielten die Ermittler im Nachbarland einen Hilferuf per Handy aus dem Lastwagen. Sofort orteten sie das Mobiltelefon und stellten fest, dass der Lkw bereits auf deutschem Terrain unterwegs war. Die Fahrt führte über die A 620 von Saarlouis Richtung Saarbrücken. An der Autobahntankstelle Total griffen dann Landes- und Bundespolizisten zu, nachdem der Brummifahrer spektakulär an der Weiterfahrt gehindert worden war.



Müllkutscher stellt seine Wagen quer

Nach Schwans Angaben hatte der ukrainische Mann dort getankt. Eine Frau hörte Klopfen aus dem Wagen und sprach eine Tankstellen-Mitarbeiterin an. Auch sie war darauf aufmerksam geworden und wählte die 110. Unterdessen bekam auch ein Müllautofahrer davon Wind und reagierte blitzschnell: Er stellte seinen Wagen quer, so dass der Kühlwagen nicht raus kam.

Um 11 Uhr schlugen die Beamten zu und holten die Männer aus ihrem frostigen Gefängnis. Der Notarzt stellte bei einem der Opfer einen unterkühlten Fuß fest, ein weiterer hatte eine Quetschung erlitten. Alle Männer sollen sich aber vehement gegen eine Behandlung gewehrt haben, sagt Schwan.

Verhör bei Bundespolizei läuft

Die Iraker, nach eigenen Angaben 15, 22, 23, 24 und 24 Jahre alt, sowie der Fahrer (37) mussten zur Dienststelle der Bundespolizei, wo sie verhört werden. Ein Dolmetscher ist eingeschaltet, der es vermag, einen seltenen kurdischen Dialekt zu übersetzen. Bislang ist noch nicht klar, wie und wo die Männer in den Kühlwagen gekommen sind. Der Laster war am Tag zuvor in Mailand gestartet. Schwan: „Es ist unwahrscheinlich, dass die Männer bereits dort zugestiegen sind.“ Erste Erkenntnisse bei der Kontrolle des Fahrtenschreibers sollen ergeben haben, dass der Ukrainer seinen Transport in Frankreich vor der Grenze mehrfach gestoppt habe. Die Bundespolizei nimmt an, dass er dies tat, um den hermetisch verriegelten Wagen für Frischluft zu öffnen.Die Beamten gehen davon aus, dass Menschenschleuser am Werk sind, der Ukrainer gilt als Beschuldigter.