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Anpacken statt gaffen
Betriebsausflug wurde Hilfseinsatz

Die Apotheke im Alten Bahnhof in Heusweiler wurde von freiwilligen Helfern aus Wallerfangen ausgeräumt, die einen Betriebsausflug kurzerhand in einen Helfer-Einsatz umgewandelt hatten.
Die Apotheke im Alten Bahnhof in Heusweiler wurde von freiwilligen Helfern aus Wallerfangen ausgeräumt, die einen Betriebsausflug kurzerhand in einen Helfer-Einsatz umgewandelt hatten. FOTO: BeckerBredel
Heusweiler. In Kleinblittersdorf hat eine Reisegruppe nach dem Unwetter Kaffee getrunken. In Heusweiler hat gestern eine Reisegruppe die Gummistiefel angezogen und angepackt – was vermutlich keine überregionalen Schlagzeilen machen wird.

Aber Apotheker Tobias Thiel war beeindruckt. Krankenschwestern und Therapeuten des St. Nikolaus Hospitals Wallerfangen verlegten den wegen des schlechten Wetters ohnehin gefährdeten Betriebsausflug kurzerhand nach Heusweiler, meldeten sich zuvor im Rathaus und boten Hilfe an. Bürgermeister Thomas Redelberger hat sie sehr gerne angenommen.


Die Apotheke im alten Bahnhof wurde schwer beschädigt, zu allem Überfluss lief noch Heizöl aus, wodurch es „zum Himmel stinkt“. Ware im Wert von etwa 200 000 Euro, so der Apotheker, wurde zerstört. Die übrigen Bestände konnten in Sicherheit gebracht werden. Dabei half die Gruppe aus Wallerfangen. Sie packte alles in Kisten, die Gemeinde stellte Ausweichräume am Rathaus zur Verfügung. Apotheker Thiel: „Was wir hier an Hilfe erfahren haben, war unglaublich. Alle haben uns unterstützt“, – schon kommende Woche will er wieder öffnen, zunächst provisorisch in Behelfscontainern vor dem Alten Bahnhof, denn Einnahmeausfälle will er möglichst vermeiden, 17 Angestellte seien zu bezahlen.

Auch die Versicherungen zeigten sich sehr kooperativ. Und Thiel lobt die Einsatzkräfte. Feuerwehr, THW und Rotes Kreuz hatten angepackt, die Feuerwehren aus Blieskastel und Merzig pumpten das Öl aus dem Keller. Sie übergaben gestern Vormittag an Fachfirmen. Redelberger: „Wir haben auch in der Schillerschule, der Grundschule Eiweiler und im Feuerwehrgerätehaus Eiweiler Wasserschäden. Am Saarbahn-Haltepunkt Eiweiler wurde eine Straße völlig zerstört.“ Auf eine Versicherung kann die Gemeinde nicht zurückgreifen, „die Schäden müssen selbst getragen werden“, so der Verwaltungschef.



(bub)