Von Wahlster bis Redelberger

Vor 200 Jahren wurde der erste von inzwischen 25 Heusweiler Bürgermeistern ernannt. Daran wurde im Festakt „200 Jahre Bürgermeisterei Heusweiler“ am Sonntag im Rathaus erinnert.

25 Bürgermeister hatte Heusweiler seit 1816 - alles Männer. Das berichtete Karl Heinz Janson vom Verein für Industriekultur und Geschichte im Rahmen des Festaktes, mit dem die Gemeinde am Sonntagmorgen im Rathausfestsaal das 200-jährige Bestehen der Bürgermeisterei Heusweiler feierte.

Erster Heusweiler Bürgermeister war Wilhelm Heinrich Wahlster aus Bietschied. Als Holzhändler war er sehr vermögend geworden und erbaute sich 1810 die "Bietschieder Schlösschen" genannte Villa, wo er auch seine Amtsgeschäfte als Bürgermeister erledigte.

Die Bürgermeister wurden damals nicht gewählt, sondern von der preußischen Provinzialverwaltung in Trier ernannt. So folgten auf Wahlster die Bürgermeister Johannes Kreutzer (1822 bis 1831), Karl-Heinrich Breetz (1831 bis 1843), Mathias Well (1843 bis 1848), Agathon Kykbusch (1848 bis 1853), Franz Boelsch (1853 bis 1885) und Siegfried Cloos (1885 bis 1904). Unter Cloos (bis 1908 auch Völklinger Bürgermeister) erhielt Heusweiler sein erstes Rathaus, als er die ehemalige Steuerkasse an der damaligen Hauptstraße (heutige Saarbrücker Straße) kaufte.

Der erste vom Bürgermeisterrat, also dem Vorgänger des Gemeinderates gewählte Bürgermeister war 1904 Carl Mayer, in dessen Amtszeit der Bau der Straßenbahn nach Saarbrücken und der Eisenbahn nach Völklingen fielen, ebenso der Bau von Gas- und Wasserleitungen und 1928 auch der Anschluss ans Stromnetz. 1937 musste Carl Mayer jedoch unfreiwillig aus dem Amt scheiden - er passte den Nazis nicht. Seine Stelle nahm Dr. Edmund Schmitt ein.

Dazwischen ein Kommandant

Nach dem Krieg setzte die französische Besatzungsmacht mit dem Kommandanten Colmetz einen Verwaltungschef ein und gab den sechs zur Bürgermeisterei Heusweiler gehörenden Gemeinden ihre Selbstständigkeit zurück. Jede dieser Gemeinden hatte nun einen eigenen Bürgermeister, dazu gab es als Chef des Bürgermeisteramtes einen Amtsvorsteher.

Erster Heusweiler Amtsvorsteher war Johann Dreher, dem aber schon Ende 1945 Guido Benzmüller und als Bürgermeister Josef Ott-Thiel folgten. Sie kümmerten sich vor allem darum, dass die Bürger mit Lebensmitteln versorgt wurden, und Ott-Thiel richtete eine Suppenküche ein.

Auf Benzmüller folgten als Amtsvorsteher Peter Dreidemie (1950), Josef Lochems (1951) und für 18 Jahre Wilhelm Bender (1952 bis 1970). Zum Bürgermeister war 1948 der Schuhmachermeister Andreas Nau gewählt worden.

Nach der Saarabstimmung 1955 verlor Nau als CVP-Mitglied sein Amt und wurde durch Rudi Borowiak (CDU ) ersetzt. Erst als sich CVP und CDU vereinigt hatten, löste Nau 1964 Borowiak wieder ab.

Nachfolger Naus wurde der Sozialdemokrat Paul Quirin (1964 bis 1974), der die lange Jahre beliebten Schluck- und Schleckertage aus der Taufe hob und in dessen Amtszeit das inzwischen aus Kostengründen geschlossene Schwimmbad gebaut wurde.

Nach der Gebiets- und Verwaltungsreform übernahm der Pirmasenser Alois Stephan (CDU ) den Bürgermeisterposten. In seiner Amtszeit wurde das neue Rathaus gebaut und die Partnerschaft mit Orvault beschlossen. Mit Stephan endete die Ära der durch den Gemeinderat gewählten Bürgermeister.

Bürgermeister Andreas Nau um 1965. Foto: Maier Foto: Maier
Der frühere Bürgermeister Paul Quirin 2003 als Awo-Landesvorsitzender. Foto: Schneider Foto: Schneider
Alois Stephan 1998, noch vom Rat gewählt. Foto: Becker & Bredel Foto: Becker & Bredel
Josef Zeimetz, hier 2002, wurde 1994 Bürgermeister. Foto: Engel Foto: Engel
Seit 2010 im Amt: Thomas Redelberger. Foto: M. Vogt-Hürstel Foto: M. Vogt-Hürstel
Rainer Ziebold, hier 2010, wurde 2002 gewählt. Foto: Gemeinde Foto: Gemeinde

Der erste von den Bürgern direkt gewählte Bürgermeister war 1994 der - im Mai 2009 verstorbene - Kutzhofer Lehrer Josef Zeimetz (CDU ). In seine Zeit fällt unter anderem die Sanierung des Marktplatzes und die Umgestaltung des Bahnhofsbereichs. Die CDU verspielte "ihren" Bürgermeisterposten bei der Wahl 2002, als sie statt Amtsinhaber Zeimetz den Eiweiler Ortsvorsteher Hermann Bär ins Rennen schickte, bei dem Josef Zeimetz aber ebenfalls antrat. Die Wahl gewann schließlich der Dilsburger Rainer Ziebold (SPD ), bis dahin bereits Ortsvorsteher in Heusweiler . In seine Amtszeit fällt die Umgestaltung des Dilsburger Grubengeländes zum Gewerbegebiet, aber auch die Schließung des Schwimmbades. 2010 löste der Niedersalbacher Sozialpädagoge Thomas Redelberger (CDU ) Ziebold ab und ist somit der 25. Bürgermeister der Gemeinde.