Debüt-CD von Franziska Hölscher

Debüt-CD von Franziska Hölscher : Die Schönheit schlichter Eleganz

Die Geigerin Franziska Hölscher legt eine herausragende Debüt-CD vor.

Fernab des Klassik-Mainstreams stellt sich Franziska Hölscher auf ihrer Debüt-CD „Sequenza“ mit einem höchst ambitionierten Programm vor. Die gefragte junge Geigerin, die als neue künstlerische Leiterin der Kammermusiktage Mettlach 2019 (noch bis 25. August) für die Dramaturgie des Saar-Festivals verantwortlich zeichnet, rückt auch auf dem Album den weiten dramatischen Spannungsbogen in den Fokus.

„Die Moderne aus dem Blickwinkel der Alten Musik beleuchten und das Moderne im Alten finden“, so umreißt Hölscher im Booklet ihr Konzept. Mit Noten von Heinrich Ignaz Franz Biber, Robert Schumann, Luciano Berio und Salvatore Sciarrino sind mehrere Jahrhunderte vom Frühbarock bis in die Gegenwart vertreten – da kann Hölscher variantenreich punkten: Bei Berios Sequenza VIII (1976), einem „der zentralen Werke der Violinliteratur des 20. Jahrhunderts“ (Hölscher), und bei zwei Capricci (1976) seines Landsmanns Sciarrino gebietet die Geigerin souverän über die halsbrecherischen Spieltechniken zeitgemäßer Violinkunst – fesselnd und eindringlich.

Beträchtliche Barock-Kompetenzen verrät Hölschers Wiedergabe von Bibers Passacaglia g-Moll (Sonate Nr. 16; ca. 1678), entfaltet sich ihre klangschöne Geigenstimme. Bibers meditativer Ton scheint geradezu auf das Andante von Schumanns 2. Violinsonate (1851) auszustrahlen: Hat man den „Leise, einfach“ überschriebenen Satz je so kontemplativ-schlicht gehört? Zugegeben, es gibt heißblütigere Interpretationen, doch Hölscher und ihr Klavierpartner Severin von Eckardstein stellen mit schlichter Eleganz eine ganz eigene Note unter Beweis. Ein beachtliches Debüt.

„Sequenza“ mit Franziska Hölscher, Violine, und Severin von Eckardstein, Klavier (Avi-Music).
Am Sonntag, 11. August, 11 Uhr spielt Hölscher mit Nils Mönkemeyer (Viola), Eckart Runge (Cello), Clemens Trautmann (Klarinette) und William Youn (Klavier) bei den Mettlacher Kammermusiktagen. www.musik-theater.de

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