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Sein Startkapital war sein eiserner Wille

Sein Startkapital war sein eiserner Wille

Neunkirchen. Eigentlich wollte er Dreher werden, erzählt Helmut Roth (Jahrgang 1925). Aber ohne Beziehungen zum Eisenwerk sei das schwierig gewesen. Und der Vater als Bankangestellter habe da wenig helfen können. "Dann habe ich eine Zeitungsannonce gelesen: Schreibmaschinenmechaniker gesucht

Neunkirchen. Eigentlich wollte er Dreher werden, erzählt Helmut Roth (Jahrgang 1925). Aber ohne Beziehungen zum Eisenwerk sei das schwierig gewesen. Und der Vater als Bankangestellter habe da wenig helfen können. "Dann habe ich eine Zeitungsannonce gelesen: Schreibmaschinenmechaniker gesucht. Ich habe meinen Vater gefragt: Was ist Mechanik? Der hat gesagt: Bub, hättest du in der Schule mal besser aufgepasst." Doch der Sohn reagierte auf die Anzeige und wurde Schreibmaschinenmechaniker-Lehrling.Der Krieg hat die Ausbildung erschwert und verzögert - kein Einzelfall in jenen Zeiten. Dass er seinen Meister machen würde, war für Helmut Roth früh klar: "Wir waren zu Hause sieben Geschwister. Das Gebot hieß sparen, sparen, sparen. Ich wollte, dass meine Kinder es besser haben."

1952 hielt Helmut Roth den Meisterbrief in Händen. Da war er schon fünf Jahre verheiratet mit seiner Margot (Jahrgang 1925). Zwei Kinder waren auch schon da, drei weitere folgten. Heute zählen die Roths stolz zwölf Enkel und zwei Urenkel.

Mit 27 Jahren eröffnete Helmut Roth am 1. Juni 1952 in der Königstraße 9 in Neunkirchen eine Reparaturwerkstätte für Büromaschinen. "Der Vermieter hat in der Anfangszeit die Miete auch mal erst zum Monatsende hin genommen", erzählt Roth. 1956 wurde das Geschäft zum Unteren Markt 5 (im Haus Platten-Bauer) verlegt. Nachdem sich der Betrieb über die Jahre doch erheblich vergrößert hatte, mietete Roth 1960 in der Hüttenbergstraße 14 ein Haus. 1962 kaufte er das Haus Hüttenbergstraße 3. Dies ließ er innen und außen umbauen und renovieren. Dann zog seine Firma ein. 1982 übergab Helmut Roth aus gesundheitlichen Gründen seine Firma an seine langjährigen Mitarbeiter Hans-Dieter Meiser und Helmut Scheid. Der Firmenname Roth blieb. Das Unternehmen hielt sich 15 Jahre. Das Haus selbst ist immer noch im Besitz der Eheleute Roth.

"Wohlüberlegt, aber schon durchsetzungsstark", schildert Margot Roth ihren Ehemann als Chef. "Ich habe mit nichts angefangen. Ich hatte nichts außer meinen Kenntnissen und meinem eisernen Willen", sagt Helmut Roth. Der selbstständige Unternehmer mit bis zu 14 Angestellten war viel unterwegs, von morgens bis abends: Maschinen verkaufen, einrichten, warten, reparieren. "Zu Hause war ich wenig", sagt Helmut Roth. Die Familie mit drei Söhnen und zwei Töchtern managte Margot Roth.

Schwimmen, wandern und reisen - die Hobbys des Ehepaares, das im Juni Eiserne Hochzeit feierte und seit 1958 im Neunkircher Nachtigallenweg wohnt. Inzwischen lassen sie es ruhiger angehen. "Die Beine machen nicht mehr so richtig mit", sagt Helmut Roth.

Die Welt der Büromaschinen hat sich über die Jahrzehnte revolutionär verändert. Aber Helmut Roth geht die Entwicklung mit - am Computer sitzen, mit dem Nachwuchs mailen und austauschen. Ein Sohn hat den Beruf des Vaters gelernt. "Aber das hieß zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Büromaschinenmechaniker", erzählt Helmut Roth. "Das hieß dann schon Büroinformationselektroniker ." Inzwischen gibt es bereits wieder einen Nachfolgeberuf: Informationstechniker.

Den Goldenen Meisterbrief erhielten aus dem Kreis Horst Berger, Harry Molter, Josef Naumann, Günter Altmeier, Gottfried Sauer, Horst Hoffmann, Berthold Jung, Helmut Stein (siehe Fotos).

"Ich habe meinen Vater gefragt: Was ist Mechanik? Der hat gesagt: Bub, hättest du in der Schule mal besser aufgepasst."

Helmut Roth