Diabetes mit Bewegung bekämpfen

Neunkirchen. Eines kann es Silvana Emmrich nicht verstehen: Dass Menschen mit Diabetes nicht die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, Reha-Sport zu treiben. "Das bringt so viel Positives, die Bewegung verbessert die Werte bei Typ-II-Diabetikern auf jeden Fall, hilft zum Teil sogar, ganz auf Insulin zu verzichten

Neunkirchen. Eines kann es Silvana Emmrich nicht verstehen: Dass Menschen mit Diabetes nicht die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, Reha-Sport zu treiben. "Das bringt so viel Positives, die Bewegung verbessert die Werte bei Typ-II-Diabetikern auf jeden Fall, hilft zum Teil sogar, ganz auf Insulin zu verzichten." Die Fitnessfachwirtin mit Zusatzausbildung als Fachleiter innere Erkrankungen, Orthopädie, Krebserkrankungen und Rehasport weiß, wovon sie spricht. Vor 17 Jahren hat die damals Elfjährige selbst einen Typ-I-Diabetes entwickelt. "Selbst da merke ich, wie die Werte durch den Sport besser werden", erzählt sie beim Besuch in der Redaktion. Und auch, dass es ihr ein Herzensanliegen ist, die Diabetiker zum Sport zu bringen. Deshalb ging sie Klinken putzen, hat bei Diabetologen im Kreis Werbung gemacht, sich mit dem Behindertsportverband in Verbindung gesetzt. Nun will sie gerne mit den Sportverband im Rücken eine eigene Gruppe gründen, die sich einmal wöchentlich im Aktiv Gesundheitspark in der Neunkircher Vogelstraße, Emmrichs Arbeitsstätte, treffen soll. Sie fürchtet, dass die Hemmschwelle bei den Menschen zu groß ist. "Aber das ist Unsinn." Schließlich stehen jedem kostenlos 50 Einheiten über 18 Monaten zu. Dazu ist lediglich beim Arzt der entsprechende Antrag auszufüllen. Eine eigene Diabetessportgruppe würde sie gerne jeden Montag um 16.30 Uhr im Gesundheitspark begrüßen dürfen. Dass die zu Stande kommt, da hofft Emmrich auf Unterstützung durch die Arztpraxen. "Wenn die Leute erst mal sehen, wie gut sich das auswirkt, dann machen sie hoffentlich auch noch den 18 Monaten mit Bewegung weiter", wünscht sich die junge Frau. Damit die Gruppe zusammenkommt, da wären so zehn bis 15 Personen schon Recht. "Es macht einfach mehr Spaß, wenn man mit ein paar anderen zusammen so was macht." Nach oben gibt es im Übrigen kein Limit. "Sobald eine Gruppe voll ist, gibt es eine nächste."Emmrich glaubt, dass eine reine Gruppe, also nur mit Diabetikern, Vorteile hat. Da kann man einfach spezieller drauf eingehen, kann sich auch austauschen, wie sich die Zuckerwerte entwickeln." Um das Angebot en detail kennen zu lernen, sind Interessenten vom 12. bis 18. November zur Diabeteswoche eingeladen. Am 14. November, elf Uhr, hält Emmrich dann auch selbst einen Vortrag zum Diabetes, seiner Entstehung und den Umgang damit. "Dann kann man sich nicht nur mal die Räume ansehen, sondern auch rundum informieren." Denn wer zur Diabetesgruppe kommt, der kann auch alle sozialen Veranstaltungen wie Ausflüge, Wanderungen, Feiern und so weiter des Gesundheitszentrums mitnutzen. "Und es wird auch im Rahmen der Gruppe auf spezielle Probleme eingegangen. Wer also den Rücken oder Bauch-Beine-Po trainieren will, gar kein Problem." Wichtig ist Emmrich nur, dass die Menschen die Chance der Hilfe zur Selbsthilfe nutzen. "Bewegung hilft dabei, die gefürchteten Spätschäden bei Diabetikern zu vermeiden oder zu mindern."

Auf einen Blick

Der Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit, Typ 2 ist mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. Laut wikipedia waren 2007 8,9 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung, das entspricht sieben Millionen, wegen Diabetes in Behandlung. 1989 waren es noch 5,9 Prozent. Rund 90 Prozent sind Typ 2 Diabetiker (Typ 1 betrifft die meist in der Jugend auftretende Autoimmunerkrankung, die nur durch Insulinzugabe behandelbar ist). Vor allem die Folgeerkrankungen belasten die Krankenkassen stark. Ein Diabetiker kostet seine Krankenkasse bis zu 4,1 Mal mehr als ein "normaler" Kasenzahler. Zu den möglichen Folgerkrankungen zählen Bluthochdruck (75,2 Prozent), Diabetische Rinophathie (11,9), Neuropahti (10,6), Herzinfarkt, Nierenversagen, der diabetische Fuß. Mit Nahrungsumstellung Bewegung ist es möglich, diesen Spätfolgen vorzubeugen. ji/Quelle: wikipedia

Hintergrund

Silvana Emmrich ist seit der Eröffnung im Mai 2003 beim Aktiv-Gesundheitspark in der Neunkircher Vogelstraße. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind "Sport in der Krebstherapie" und "Bewegung als Säule der Diabetestherapie". Die Gründung einer Diabetessportgruppe soll Diabetiker zur Bewegung motiveren. Infos gibt es im Rahmen der Diabetes-Woche vom 12. bis 18. November. Silvana Emmrich hält am Mittwoch, 14. November, zehn Uhr einen Vortrag rund um das Thema Diabetes. Der Eintritt ist frei, Anmeldung erwünscht. Kontakt: E-Mail: s.emmrich@aktiv-gesundheitspark.de, Telefon (0 68 21) 91 96 62.