Camping in Merzig : Camper Kalle kennt hier keine Langeweile

Der Campingplatz des Kanu-Clubs Merzig gehört zu den kleinsten im Kreis. Für die Camper ist er trotzdem ein Paradies.

Auf den ersten Blick würde man nicht meinen, dass sich dieser Ort zur Erholung eignet. Die L 174 verläuft nur ein paar Meter an dem Gelände vorbei, der Sportplatz ist direkt nebenan, ebenso ein Familienzentrum und ein Fitnessstudio; zu den Bahngleisen ist es auch nicht weit. Und doch hat sich so mancher den Campingplatz des Kanu-Clubs in Merzig ausgesucht, um dem Alltag zu entfliehen. Zugegeben, viele sind es nicht, der Merziger Campingplatz zählt zu den kleinsten im Kreis, doch das muss der Erholung keinen Abbruch tun. Klein aber fein, könnte man sagen. Aber stimmt das auch?

Nur zwei Dauercamper gibt es auf dem Platz, verrät Sonja Pfeiffer, die vor Ort für die Gäste verantwortlich ist und Platzwart Franz Koenen, falls nötig, vertritt. Dauercamper wohnen so gut wie auf dem Platz und sind auch im Winter hier. Die restlichen Camper sind saisonale Camper, sprich sie verbringen nur in der warmen Jahreszeit, in der Regel von April bis Oktober, Zeit auf dem Campingplatz. Über insgesamt 30 Dauerstellplätze verfügt der Platz, dazu kommen 20 Touristenstellplätze, 20 Reisemobilstellplätze und eine Zeltwiese.

Josephine Sitzen steht mit ihrem Sohn vor dem zweiten Heim der Familie auf dem Campingplatz. Foto: Martin Trappen

„Wir gehen immer auf die Wünsche der Gäste ein“, erläutert Pfeiffer. Sie sagt, der Platz sei sehr ruhig gelegen. Auf der nahe gelegenen Landstraße gebe es nachts kaum Verkehr. „Die Camper kommen von überall her, nicht nur aus dem Saarland, sondern auch aus Belgien oder Luxemburg“, sagt Pfeiffer. „Eine unserer Camperinnen stammt zwar aus Merzig, sie lebt aber inzwischen in Spanien. Ihr Haus hier auf dem Platz hat sie trotzdem noch, und ihre Sommer verbringt sie hier. Sie sehen also, dieser kleine Campingplatz ist international.“

Einer, der hier hergefunden hat und nicht wieder weg möchte, ist Karl-Heinz Jacobi, den alle auf dem Platz nur Kalle nennen. Der inzwischen 72–jährige ehemalige Elektriker ist seit 2001 Dauercamper auf dem Merziger Campingplatz. Warum ausgerechnet hier? „Ich bin zu Fuß schnell in der Stadt, der Stadtpark ist nicht weit, ich kann zu Fuß einkaufen und habe alle Ärzte in der Nähe“, erläutert Kalle Jacobi seine Vorliebe für den Platz „Die Gemeinschaft auf dem Platz ist sehr gut, wir sitzen abends oft zusammen. Zusammen essen, feiern, das ist das Schönste am Camperleben“, ergänzt er.

Sonja Pfeiffer kümmert sich vor Ort um die Gäste. Foto: Martin Trappen

„Wir helfen uns auch gegenseitig, das hat unter Campern Tradition“, betont Jacobi. Er als Dauercamper habe auch ein Auge auf die Wohnwagen und Häuser der anderen Camper, die nicht das ganze Jahr über da sind. Der 72-Jährige stammt ursprünglich aus dem Ortsteil Hostenbach der Gemeinde Wadgassen. Schon als Kind habe er mit seinen Eltern gecampt, verrät Jacobi. Er machte eine Lehre zum Elektriker, seinen Meister machte er in Saarbrücken. In seinem Beruf war er immer viel unterwegs, zum Campen blieb dann keine Zeit mehr. Nach seiner Scheidung habe er sich dann wieder einen Wohnwagen gekauft und sei mit seiner Tochter campen gegangen.

Etwa ein Jahr sei er in Schmelz geblieben, dann habe es ihn nach Merzig verschlagen. „Ich habe eine ebenerdige Wohnung gesucht, aber keine gefunden. Da erwies sich der Campingplatz als ideale Lösung“, erinnert sich Jacobi. Das sei jetzt noch wichtiger, da es mit dem Treppensteigen inzwischen nicht mehr so gut klappe. Auch sei der Platz recht ruhig gelegen, sagt er. „Mittlerweile haben wir ja auch einen Zaun. Ab und zu kommen zwar trotzdem noch Jugendlichen und werfen Flaschen über den Zaun, aber damit können wir leben“, meint der erfahrene Camper.

Blick von oben auf den Campingplatz Merzig. Foto: Ruppenthal

Er verbringt seine Zeit sehr gerne mit Gärtnern. Unter anderem baut er in seinen Beeten Tomaten, Kürbisse und Zucchini an. „Unter den Campern haben wir einen Wettbewerb laufen, wer das beste Gemüse anbaut“, verrät Jacobi. Zu seinen weiteren Hobbys gehört vor allem die Musik. Die Musikleidenschaft habe er von seinem Vater geerbt, sagt Jacobi, der habe Schlagzeug und Mundharmonika gespielt. Eine große Schallplattensammlung kann der Rentner vorweisen, aber auch live hört er sich gerne Musik an. Musikliebhabern empfiehlt er das „Barrique“ in der Merziger Altstadt.

Wenn er sich nicht mit den Pflanzen oder mit der Musik beschäftigt, bastelt Jacobi an seinem Computer, erzählt er. Wie das geht, schaut er sich bei Youtube-Videos ab. „Sie sehen also“, schmunzelt Jacobi, „ich bin hier vollbeschäftigt. Langeweile ist ein Begriff, den ich in meinem ganzen Leben nicht gekannt habe.“

Eingangsbereich und Zufahrt des Campingplatzes. Foto: Martin Trappen

Nicht das ganze Jahr, aber dennoch die Sommermonate verbringt Josephine Sitzen auf dem Merziger Campingplatz. Sie wohnt mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in der Schalthaussiedlung in Merzig. „Der Campingplatz ist für uns wie Urlaub“, sagt Josephine Sitzen. „Hier haben wir Platz zum Grillen, für Freizeit.“

Seit 16 Jahren kommen sie hierher ans Kanuheim, immer im Sommer. „Von hier aus ist alles zu Fuß zu erreichen, mehr als zehn Minuten brauchen wir nirgendwohin“, sagt Sitzen. „Wir sind gerne hier“, betont sie, ihr Ehemann sei in Rente, weder sie noch er hätten einen Führerschein, noch hätten sie ein Auto. Der Campingplatz sei daher ideal. „Wir kommen mit den Leuten hier gut klar, man hilft sich immer gegenseitig. Wenn man jemanden um Hilfe bittet, sagt niemand nein, egal worum es geht“, betont Sitzen. „Wir sind eine Gemeinschaft hier auf dem Campingplatz. Wir sitzen abends zusammen, grillen, essen, lachen viel“, erzählt sie.

Auch Platz für Wohnmobile hat der Campingplatz. Foto: Martin Trappen
Vor allem Saisonale und Dauercamper verbringen zeit auf dem Campingplatz des Merziger Kanuclubs. Foto: Martin Trappen

„Ich begrüße die Gäste auf unserem Campingplatz immer mit einem Lachen im Gesicht“, sagt Sonja Pfeiffer. „Ich finde, wenn man die Menschen freundlich aufnimmt, schafft das gleich eine gute Basis. Jeder, der zu uns kommt, soll sich wohl und willkommen fühlen“, betont sie. Das scheint hier, auf dem Merziger Campingplatz, tatsächlich zu gelingen.

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