Landratswahl in Merzig-Wadern: Stefan Krutten im Porträt

Stefan Krutten im Porträt : „Ich höre mir an, was die Bürger zu sagen haben“

Stefan Krutten (SPD) will Landrat im Kreis werden.

Das Bild, das hinter dem Schreibtisch von Stefan Krutten hängt, ist beeindruckend. Auf mehreren Metern Breite zeigt es den Ort, an dem er bereits seit Jahrzehnten arbeitet: die Hütte in Dillingen. Aus insgesamt 40 Einzelaufnahmen wurde das Pano­rama zusammengesetzt, verrät Krutten, der in der Abteilung Bildung und Personalentwicklung tätig ist. Nach seiner Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker hat der 58-Jährige zunächst als Elektroniker bei Dillinger gearbeitet, später als Ausbildungsmeister. Jetzt ist er als Referent wieder im Unternehmen, kümmert sich unter anderem um Projekte in der Berufsorientierung.

Die Begeisterung für die Förderung junger Menschen hat er nie verloren, sagt er: „Die Zeit in der Aus- und Weiterbildung hat mir auch nach 25 Jahren genauso viel Spaß gemacht wie am ersten Tag.“ Dennoch will er seinen Posten bei Dillinger vielleicht für eine andere Karriere an den Nagel hängen: Krutten kandidiert als Landrat für den Kreis Merzig-Wadern.

In der Politik hat Krutten bereits einiges an Erfahrung. Davon zeugt das zweite Foto, das großformatig in seinem Büro hängt, genau an der gegenüberliegenden Wand zum Hütten-Panorama. Es zeigt Krutten und viele seiner Parteikameraden der SPD vor dem saarländischen Landtag, seiner Wirkungsstätte, nachdem er 2014 für Heiko Maas nachrückte, als dieser Bundesjustizminister wurde. 2017 ist Krutten zur Hütte zurückgekehrt. Aber in der Politik im Kreis ist er ebenfalls aktiv – und das bereits seit rund 25 Jahren.

Bereits seit seiner Jugend ist der Oppener Mitglied der IG Metall. Dieses Engagement führte ihn dann schließlich auch zur SPD. Als ihn 1989 ein Mitglied des Ortsvereins der Partei ansprach, war Kruttens Überlegung nach seinen Worten: „Als Gewerkschafter ist die SPD die richtige Partei für mich.“ Und wenige Jahre nach dem Beitritt begann Krutten, in mehreren Ämtern aktiv zu werden. 1994 wurde er Mitglied des Ortsrates von Oppen, eine Zeit lang war er zudem Ortsvorsteher und ist heute noch Mitglied des Beckinger Gemeinderates. Seit 2002 ist er der Vorsitzende des SPD-Gemeindeverbandes Beckingen und seit 2002 zudem stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Merzig-Wadern.

Krutten ist außerdem Mitglied in zahlreichen Vereinen, darunter in mehreren in seinem Heimatort. „Ich habe lange in Oppen Fußball und Tennis gespielt“, erinnert er sich, weiterhin ist er Mitglied im Musikverein, in der freiwilligen Feuerwehr und in einigen Wohltätigkeitsvereinen. Und: „Ich bin seit Kurzem sogar noch in einer zweiten Gewerkschaft“, lacht Krutten. Bei einer Veranstaltung wurde er gefragt, ob er nicht der IG Bergbau, Chemie, Energie beitreten wolle. Er wollte.

Als „Vereinsmensch“, wie er sich selbst bezeichnet, nimmt er nach seinen Worten an allem teil, was in seiner Heimatgemeinde Beckingen passiert, ist aber auch auf Kreisebene unterwegs. Daher auch sein Slogan, der derzeit auf seinen Wahlplakaten zu lesen ist: „Im Landkreis zu Hause.“ Schon als Abgeordneter habe er Wert darauf gelegt, in allen Städten und Gemeinden präsent zu sein. Auf die Frage nach seinem Lieblingsort im Grünen Kreis antwortet er jedoch, ohne auch nur eine halbe Sekunde zu zögern: Oppen. Der Ort habe zwar nur knapp 1000 Einwohner, aber es sei beeindruckend, wie viel dort passiere: „Jeder Verein hilft jedem.“ Diese Art der Zusammenarbeit sei auch für einen funktionierenden Landkreis unabdingbar.

Vereine und Ehrenamt gehören auch im derzeit laufenden Wahlkampf zu den Themen, die er oft anspricht. Durch Hygienevorschriften und die Datenschutzgrundverordnung habe es viele Veränderungen für Vereine gegeben. Er möchte die bereits bestehende Ehrenamtsstelle stärken und den Menschen so einen Anlaufpunkt bei Fragen geben. Beim Häuserwahlkampf habe er festgestellt, dass es eine Vielfalt von Themen gebe, die die Menschen bewegen: „Ich höre mir an, was die Bürger zu sagen haben.“ Unter anderem wichtig: Berufsorientierung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mehr Zusammenarbeit im Bereich Tourismus.

„Man merkt, dass der Fahrradtourismus anfängt zu boomen“, sagt Krutten, der selbst passionierter Radfahrer ist. 2006 musste er nach einer Operation aufhören, Tennis zu spielen, wollte aber weiter Sport treiben. „2007 habe ich mir ein neues Rad zugelegt und im Sommer überlegt: Ich könnte ja mal zur Arbeit radeln.“ Aus einem Mal wurde eine Regelmäßigkeit, die er erst mit seinem Einzug in den Landtag wieder aufgab.

Zwischen Arbeit und Politik, Sport und Vereinen betont er aber: „Man muss schauen, dass es nicht zu viel wird.“ Denn ein wenig Familienleben mit seiner Frau will er auch haben. Gelegentlich geht es dann gemeinsam nach Berlin, denn dort wohnen seine Schwägerin und die Patenkinder. Geheiratet hat er seine Frau am 8.8.1988, schmunzelt er – um Haaresbreite hätte das aber nicht geklappt. „Wir hatten den Termin geplant, aber nicht rechtzeitig daran gedacht, ihn zu reservieren“, erinnert er sich. Aber ein Bekannter – „der Mann der Patin meines Vaters“ – hat das Problem gelöst. Das Hochzeitsdatum ist nicht das einzig auffällige Datum in Kruttens Vita: Geboren wurde er an Heilig Abend. „Als Kind fand ich das nicht so toll“, sagt er, „und es ist auch mit dem Feiern nicht so ganz einfach.“ Mittlerweile hat er sich mit dem Datum jedoch arrangiert.

Ein Interview mit beiden Kandidaten zur Landratswahl lesen Sie morgen in der SZ.

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