SZ-Dämmerschoppen in Merzig: Christoph Rehlinger (SPD) im Gespräch

SZ-Dämmerschoppen in Merzig : Er will seiner Heimat etwas zurückgeben

Christoph Rehlinger (SPD) kandidiert als Bürgermeister für Merzig. Beim SZ-Dämmerschoppen stellte er sich und seine Ideen vor.

Als dritter Kandidat geht er ins Rennen: Christoph Rehlinger (SPD) will Amtsinhaber Marcus Hoffeld ablösen und am 26. Mai Merziger Bürgermeister werden. Doch was ist Rehlinger für ein Mensch und was sind seine politischen Ziele? Das wollte SZ-Redakteur Christian Beckinger beim dritten SZ-Dämmerschoppen in der Villa Fuchs wissen.

„Ich bin 46 Jahre alt, Vater zweier Töchter und gebürtiger Brotdorfer, der der Liebe wegen nach Büdingen zog“, beschrieb Rehlinger kurz seine Person. „Ich bin ein freundlicher Mensch und versuche, bei Lösungen das Beste rauszuholen“, sagte Rehlinger. Er wisse, „es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch viele Grautöne, aus denen man schöpfen kann“. Kraft für sein politisches Amt ziehe er aus seiner langjährigen Erfahrung als Handballspieler. „Es ist mir wichtig, als Mannschaft zu arbeiten“, betonte er. Wieso er bislang nicht eher politisch in Erscheinung trat? „Ich war lange im Sport verankert und mir war klar: Solange ich aktiv spiele, will ich kein politisches Amt übernehmen“, erklärte Rehlinger, der immer schon an Politik interessiert gewesen sei, was in der Familie begründet liegt. Seine Schwägerin Anke Rehlinger ist saarländische Wirtschafts- und Verkehrsministerin, und sein Bruder Torsten Rehlinger ist Ortsvorsteher von Brotdorf. Bis Christoph Rehlinger Kandidat werden wollte, mussten seine Parteikollegen lange Überzeugungsarbeiten leisten, vor fünf Jahren war ihm dann klar: „Ich trete als Kandidat an.“

Ihm ist es wichtig zu wissen, „was kann man für die Heimat tun?“ Seiner Heimat etwas zurückgeben zu können, erfülle ihn mit Ehrfurcht. Auch das „Wir“ sei ihm wichtig: „Wir sind alle Merziger“, sagte er, deswegen will er allen Bürgern bei ihren Anliegen zuhören und die kleinen Ortsteile nicht vergessen. Dass diese bislang vernachlässigt wurden, habe er bei seiner Häusertour durch die Stadtteile festgestellt. 1300 Häuser besuchte er nach eigenen Worten im Wahlkampf. „Es war mir wichtig, dass man mich nicht nur vom Plakat kennt und ich auf die Bürger zugehe, denn im Vier-Augen-Gespräch hört man andere Dinge als an den Wahlständen“, erzählte Rehlinger. Was ihm dabei auffiel? „Dass viele Kleinigkeiten liegen geblieben sind. Die Anwohner beschweren sich über Löcher in den Straßen und nichts wird getan.“ Er finde diese Ansammlung an kleinen, nicht behobenen Defiziten bedenklich.

Ferner sei beklagt worden, dass den Anwohnern wenig Gehör geschenkt werde. Deswegen fordert der gelernte Bankbetriebswirt: „Wir brauchen mehr Sprechstunden für die Beiräte der Stadt, für Jugendliche und für die Bürger.“

Ein großes Problem von Merzig: der Verkehr. Hier kritisierte Rehlinger, dass die Nahversorgung in den Stadtteilen bisweilen schlecht sei. „Viele müssen für Kleinigkeiten in die Stadt fahren“, monierte er. Daher sei es nötig, den öffentlichen Personennahverkehr flexibler und als echte Alternative zum Auto zu gestalten. Dafür seien keine großen Busse notwendig, zum Anfahren von Arztpraxen und Lebensmittelgeschäften würden auch kleine ausreichen. Weiter plädiert Rehlinger „für guten Zusammenhalt in den Orten“, Kultur beginne bei den örtlichen Vereinen und den traditionsreichen Festen. In deren Erhalt müsse man investieren, ebenso bei der Feuerwehr. Dabei verglich er die Kreisstadt mit einem Segelschiff: „Wir brauchen einen stabilen Mast, der alles zusammenhält, aber wenn das Schiff Löcher hat, müssen wir diese stopfen.“ Um den Verkehr in Merzig zu entlasten, setzt Rehlinger ebenfalls auf eine Nordumfahrung, „damit der Verkehr für die Autobahn nicht durch die Stadt muss“. Dies halte er für eine realistische Option, allerdings müsse die Verkehrszählung erst das Potenzial zeigen. Danach sei es wichtig, nach einer sinnvollen Trasse zu suchen, bei der der Eingriff in die Natur niedrig gehalten wird. Sorgen bereite ihm indes die Zeit, wenn der Kauflandkreisel zur Ampelanlage umgebaut wird. Er ist sicher, „die Ampel wird besser laufen als vor 20 Jahren und wir wissen, dass der Kreisel nicht optimal funktioniert“. Um in dieser Bauphase weiterhin Kunden in die Stadt zu locken, schlägt Rehlinger Shuttlebusse vor, auch will er die Radwege verbessern. Denkbar sei auch eine Aussetzung der Parkgebühren. „Wir müssen intensiv mit den Geschäftsleuten reden“, sagte er.

Das Gefühl der Unsicherheit bemerke er ebenfalls in der Kreisstadt: „Mir berichten Eltern, dass sie Angst um ihre Kinder haben, wenn sie abends in der Stadt unterwegs sind, Frauen fühlen sich unsicher“, sagte Rehlinger „leider zu Recht.“ Aber: „Wir dürfen daraus keinen Elefanten machen, sonst ist das rufschädigend“, beschwor er. Wie man für ein besseres Gefühl sorgen könne? „Indem wir den Ordnungsdienst aufstocken und mit Streetworkern an die Jugendlichen herantreten“, sagte der SPD-Kandidat, „Sicherheit beginnt mit Recht und Ordnung.“ Es sei falsch, bei der Polizei zu sparen, findet er. „Mehr Stil statt Klötze“ lautet seine Maxime hinsichtlich der Veränderung des Merziger Stadtbildes. Eine Erhaltungssatzung zur Minimierung der Bausünden befürwortet Rehlinger. Wichtig sei dabei der Erhalt des Stils der Stadt, ebenso wenig dürfen die Mietpreise steigen. „Die müssen für alle erschwinglich bleiben, ob für Familien oder Menschen mit weniger Einkommen“, konstatierte Rehlinger. Möglich sei eine Form der Mietpreisbremse in der Stadt. Hierfür würde die Stadt Teile ihrer Flächen von einem Investor mit Wohnungen bebauen lassen und bestimmen, wie teuer diese werden dürfen. Sinnvoll und generationsübergreifend investieren ist sein Leitsatz, Handlungsbedarf sieht der SPD-Kandidat bei der Modernisieung und Sanierung in den Bildungseinrichtungen.

„Klar ist auch, dass alles nicht innerhalb weniger Jahre umgesetzt wird. Hier müssen wir Prioritäten setzen“, sagte Rehlinger, mehr Geld könne die Stadt durch mehr Tourismus und aktive Wirtschaftsförderung verdienen. In der politischen Diskussion ist es ihm wichtig, alle mit einzubinden und keine Machtspielchen zuzulassen.

Welche Dinge er als neuer Bürgermeister sofort angehen würde? „Die Vereine fördern und ihnen mit einem Vereinsmanager helfen, die Sanierung der Bildungseinrichtungen, ein neues Sicherheitskonzept in der Stadt, eine Erhaltungssatzung für weniger Bausünden und das Thema Zusammenhalt stärken.“

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