Intakte Gemeinschaft mit Herz

Ganz Merchingen stand Kopf: Zum Jubiläum feierte das Dorf mit vielen Gästen seine Geschichte und seinen Zusammenhalt. Die Redner erinnerten an die wilde Vergangheit. Das bunte Programm kam an.

Besser hätte das Wetter nicht sein können. Ideal für die 1200-Jahr-Feier des Merziger Stadtteils Merchingen . Das ganze Dorf war wohl auf den Beinen und ist zum Dorfplatz gekommen, um dort das Jubiläum zu feiern.

Unter ihnen waren zahlreiche Ehrengäste, die sich am Samstagabend ein Stelldichein gaben. Vorneweg die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer . Sie hatte auch die Schirmherrschaft der 1200-Jahr-Feier übernommen. Die Eröffnung am Samstagabend war in ein dreitägiges Rahmenprogramm eingebunden, dass den Namen "Würdig" verdient hat.

Die Freude war Helmut Hoff, dem Merchinger Ortsvorsteher, anzusehen, als er am Samstagabend die Bühne auf dem Dorfplatz betrat. Das Wetter passte und der Platz war voll besetzt. Die Merchinger wollten gemeinsam feiern.

Gefälschte Urkunde

Hoff ging zunächst auf die Geschichte des Dorfes ein. Demnach gehe dieses Fest auf eine gefälschte Urkunde aus dem 11. Jahrhundert zurück. Damals habe sich das Kloster Horreum bei Trier gegenüber den Begehrlichkeiten des Bischofs von Trier den Nachweis erbringen wollen, dass das Kloster in Abhängigkeit des Kaisers und nicht des Bischofs stehe. So soll König Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen im Jahr 816 dem Kloster in vielen verschiedenen Dörfern eine Jahresfruchtrente zugesichert haben. In dieser Urkunde tritt Merchingen als "Morichinga" das erste Mal in Erscheinung. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Dorf noch öfters seinen Namen, bis es schlussendlich im Jahr 1587 in Merchingen umbenannt wurde.

Der Ortsvorsteher zeigte noch weitere wichtige Daten auf, die für die Entwicklung des heutigen Merchingen wichtig waren. Doch auf eines ist Hoff ganz besonders stolz. "Wir pflegen hier noch Brauchtum und haben feste Veranstaltungen, die das Dörfliche unseres Lebens immer noch aufzeigen", sagte Hoff und hob auf das Motto des Festes ab: "Offen für Neues" lautet es und es zeige auf, wie die Merchinger damit umgehen. Entweder als soziales Zentrum oder mit der Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen.

"Es gibt Menschen, die sich kümmern. Das ist wichtig, das ist die Substanz, die ein Leben auch in einem kleinen Dorf einfach lebenswert macht", schwärmt Hoff von seinem Merchingen .

Gäste aus Baden-Württemberg

Auf das Intakte Dorfleben ging auch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ein. Ihr Gruß ging aber zunächst an die Gäste aus Merchingen-Ravenstein. Es liegt in Baden-Württemberg und eine Delegation von ihnen ließ es sich nicht nehmen zu gratulieren. Kramp-Karrenbauer freute sich, dass so viele Bürgerinnen und Bürger zu dem Fest gekommen seien. "Es ist der erste Festakt, bei dem ich den Eindruck habe, das ganze Dorf ist da", rief sie den Merchingern zu. Sie zeigte sich tief beeindruckt von der dörflichen Gemeinschaft. "Hier kümmert sich jeder um jeden." So sei es auch zu erklären, dass dieses Dorf die Stürme der Vergangenheit so toll gemeistert habe. "Es ist eine Gemeinschaft mit Herz, die zusammenhält, wenn es darauf ankommt", so Kramp-Karrenbauer.

Theater und Tanzeinlagen

In die gleiche Richtung ging das Grußwort des Bürgermeisters Marcus Hoffel:. "Merchingen zeichnete sich früher wie heute durch eine intakte Dorfgemeinschaft aus, in der stets die Menschen im Mittelpunkt standen." Viele hätten an der Merchinger Geschichte mitgewirkt und alle hätten ihren Teil dazu beigetragen, dass der Ort auch die Herausforderungen in harten Zeiten bewältigen könne. Wie intakt das Dorfleben sei, zeige sich an diesem Fest. Viele hätten mitgemacht, so, dass dieses Fest ein Erfolg wird. "Das ist Ihnen gelungen."

Zwischen den Redebeiträgen gab es Programmpunkte, die die Besucher unisono begeisterten. Emotional wurde es bei dem Auftritt von Schülern aus der Schule Zum Broch.

Casi Eisenbarth und die stellvertretende Schulleiterin Claudia Klein haben mit Schülern einige Musikstücke einstudiert, bei denen die Besucher mitsingen und mitmachen konnten. Vor allem diese Programmpunkte machten deutlich, dass die Schüler mit geistiger Behinderung in die dörfliche Gemeinschaft integriert sind. Sie wurden für ihren Beitrag bejubelt.

Maurisch und Schaurisch, zwei Menschen aus Merchingen , haben den Besuchern die Entstehungsgeschichte von Merchingen mit Theaterspiel visualisiert.

Hier haben Johannes Bies und Christoph Breit ihr schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt. Mädchen von der Tanzschule La Dance hatten mit mehreren Tanzeinlagen das Publikum begeistert. Der Musikverein Merchingen und der Merchinger Gesangverein, sowie der Kirchenchor komplettierten das Programm. Nach dem Fassanstich, den Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer mit Bravour gemeistert hatte, sorgte der Musikverein aus Merchingen-Ravenstein für Partystimmung.

Mehr von Saarbrücker Zeitung