Kolumne "Wort zum Alltag": Erfahrungen mit dem Ramadan

Wort zum Alltag : Erfahrungen mit dem Ramadan

Noch immer befinden wir Muslime uns im gesegneten Fastenmonat Ramadan. Obgleich im Ramadan tagsüber auf Essen und Trinken verzichtet wird, gilt der Ramadan als segensreiche Zeit, in der eine Auszeit für den Alltagsstress gefunden wird und die Rückkehr zu seinem innersten Ich stattfindet.

In diesem Monat versuchen Muslime besonders mitmenschliches Verhalten in ihren Alltag einzubauen, Bedürftigen zu helfen und die persönliche Empathie zu verstärken. Dieses Jahr startete der Ramadan zum 6. Mai und wird am 4. Juni mit einem der größten muslimischen Feiertage, dem Zuckerfest, beendet.

Doch auf was genau kommt es nun im Ramadan an? Den meisten ist bekannt, dass auf Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichtet wir. In Saarbrücken ist das circa von 3.55 Uhr bis 21.30 Uhr. Jedoch endet es nicht damit. Wichtig ist, dass der oder die Fastende den Fokus auf der Verbesserung ihres beziehungsweise seines Verhaltens, besonders zu den Mitmenschen, verbessert. Daher sind Konflikte, Streitigkeiten und negative Äußerungen maximal zu vermeiden. Dabei werden Nächstenliebe, Freundlichkeit und Geduld ganz groß geschrieben. Dieses Verhalten sollte jeder Gläubige zu etwas Alltäglichen machen. Deshalb sehen viele den Ramadan als Wendepunkt in ihren Leben.

Auf den ersten Blick scheint es unmöglich, den ganzen Tag nichts zu essen und vor allen zu trinken. Tatsächlich ist es aber eine Frage der Gewohnheit, da sich der Körper nach einigen Tagen einpendelt. Viele wissenschaftliche Studien zeigen auch, dass das Fasten als Entgiftungskur für den Körper gilt und dabei der Körper regeneriert werden kann.

Für mich ist es zur Gewohnheit geworden. Seit meiner Jugend faste ich jedes Jahr den Monat Ramadan. Dabei verbinde ich meine Glaubensausübung mit meinen alltäglichen Verpflichtungen. Ich bin Vollzeitbeschäftigter, gehe zum Laufen, zum Fußball und verbringe Zeit mit meinen Liebsten. Letztes Jahr lief ich sogar einen Halbmarathon während des Ramadans. Das Fasten nährt meine Seele; da schließen sich bestimmt viele Gleichgesinnte an. Im muslimischen Kulturzentrum Saarbrücken versammeln sich jeden Samstag Bosniaken, aber auch Bürger aus anderen Balkanländern zum gemeinsamen Fastenbrechen. Neben internationalen Köstlichkeiten tauschen wir uns untereinander aus, berichten von unseren Erfahrungen, arbeiten an unserem Zusammenhalt und dem Gemeinschaftsgefühl. Sogar unsere Jugendliche haben sich einen festen Wochentag ausgesucht, an dem sie innerhalb der Gemeinderäume zusammen das Fasten brechen und danach bis spätabends Karten spielen, Witze erzählen oder einfach nur die Zeit gemeinsam genießen.

Vielen ist unsere Gemeinde als äußerst weltoffen bekannt. Wir freuen uns über jeden Gast und sind stolz darauf, Menschen aus aller Welt bei uns willkommen geheißen zu haben. Es ist für uns eine Ehre, über unsere Gemeinde und unsere Kultur berichten zu dürfen. Denn wir sind sehr stolz in Deutschland zu sein. Wir sind sehr dankbar, hier leben und unseren Glauben und unsere Kultur ausleben zu können, ohne dabei in Konflikte zu geraten. Wir als Gemeinde bemühen uns, uns in die deutsche Gemeinschaft zu integrieren und uns anzupassen. Erfreulicherweise fiel uns das dank der deutschen Gastfreundlichkeit und Weltoffenheit nie schwer.

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