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Halbzeit im Fastenmonat Ramadan
Muslime laden ein zum Fastenbrechen

Diese Frauen sorgten für die Speisen, um den Hunger nach einem langen Tag zu stillen: Fatma Türkeri, Nedine Sahin, Serife Güzel, Hacer Baspinar, Yasemin Terzioglu, Filiz Aygün, Yeber Terzi und Nukaddei Dasgun.
Diese Frauen sorgten für die Speisen, um den Hunger nach einem langen Tag zu stillen: Fatma Türkeri, Nedine Sahin, Serife Güzel, Hacer Baspinar, Yasemin Terzioglu, Filiz Aygün, Yeber Terzi und Nukaddei Dasgun. FOTO: Andreas Lang / Picasa
Wehrden. Die Gläubigen warten gemeinsam auf den Sonnenuntergang. Hochbetrieb am Mittwoch an der Moschee in Wehrden. Von Andreas Lang

Nach einem langen, entbehrungsreichen Tag sehnen sich die gläubigen Muslime gegenwärtig im Fastenmonat Ramadan nach dem Sonnenuntergang. Denn solange sich das Tag spendende Gestirn zwischen den Horizonten bewegt, ist es ihnen untersagt, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. In dieser Zeit geht es aber nicht nur um den Verzicht, sondern auch darum, anderen zu begegnen, anderen Gutes zu tun. Und so treffen sie sich jeden Abend, wenn der Sonnenuntergang bevor steht, und gerne laden sie sich zu diesem Fastenbrechen auch Andersgläubige ein, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.


Freunde und Partner, um die gegenseitigen Beziehungen zu vertiefen. Im Austausch mit Christen werden zum Beispiel Parallelen zwischen den beiden Weltreligionen erörtert. Michael – im Christentum Erzengel, bei den Moslems einer der „großen Engel“, wie Kamuran Basbina, Vorstandsmitglied des Türkisch-Islamischen-Kulturvereins, an der Wehrdener Moschee sagt.

Wie er zum Thema kam? Am Mittwoch, als die SZ das Fastenbrechen im Außenbereich der Moschee besuchte, musste man schon bange zum Himmel blicken. Und während im Christentum der Apostel Petrus für das Wetter verantwortlich ist, müsste diese Aufgabe im Islam Engel Michael zufallen. Fasten, so stellt sich in weiteren Gesprächen heraus, ist in allen großen Religionen verankert: Mose hat vierzig Tage auf dem Berg Horeb gefastet, während er auf die Steintafeln mit den zehn Geboten gewartet hat. Jesus harrte vierzig Tage in der Wüste aus, ehe er schließlich vom Teufel versucht wurde und widerstand.



Wie die Fastenzeit im Christentum richtet sich auch der Ramadan nach dem Mondkalender. Während im Christentum der erste Frühjahrsvollmond das Osterfest festlegt und die korrespondierenden Fastnacht und Fastenzeit somit mal ein paar Wochen früher oder später liegen, zählen die Muslime die Mondmonate fort. Auf den Ramadan folgen elf normale Mondmonate, dann der nächste Ramadan. „Und das in jedem Jahr elf Tage früher“, erklärt Hacer Baspinar.

Im Ramadan gibt es ein Frühmahl, ehe die Sonne aufgeht. „Gegen 4 Uhr früh ist das zur Zeit“, so Baspinar. Die Sonne geht derzeit erst nach 21 Uhr unter, harte Bedingungen für die Gläubigen. „Ja, wenn der Ramadan in den Winter fällt, ist es schon leichter“, gesteht sie. Unter anderem sind Kranke, Kinder und Reisende vom Fasten ausgenommen. Gemeindemitglieder wissen: „In den ersten Tagen fällt das schwer.“ Nach einer Gewöhnungsphase fiele der Verzicht dann aber leichter.

Und wie Ostern am Ende der christlichen Fastenzeit steht, feiern auch Muslime zum Ende des Ramadan ein dreitägiges Fest. Die Hälfte des diesjährigen Ramadan haben sie jetzt hinter sich, wie am vollen Mond zu erkennen ist. Besonders stolz war der Wehrdener Verein am Mittwochabend, dass alle saarländischen Imame der Einladung gefolgt waren.

Erst nachdem die Sonne untergegangen ist, dürfen gläubige Muslime während des Fastenmonats Ramadan beherzt bei den Speisen zugreifen – so auch beim Fastenbrechen an der Wehrdener Moschee.
Erst nachdem die Sonne untergegangen ist, dürfen gläubige Muslime während des Fastenmonats Ramadan beherzt bei den Speisen zugreifen – so auch beim Fastenbrechen an der Wehrdener Moschee. FOTO: Andreas Lang / Picasa