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Soldatenuniform für Miss Frankreich sorgt für Wirbel

Umstrittener Kostümentwurf : Soldatenuniform für Miss-France-Wahl sorgt für Wirbel

Designerin muss Kostüm für lothringische Wettbewerbsteilnehmerin neu entwerfen.

Gérard Longuet, der ehemalige Verteidigungsminister Frankreichs, hat es als „idiotische Idee“ und „Geschmacksfehler“ bezeichnet. Gemeint ist der Entwurf für das Kleid von Miss Lorraine bei der Wahl der schönsten Frau Frankreichs. Die junge Designerin Marion Lambert hatte ein Kleid entworfen, dass an die Uniform eines sogenannten „Poilu“ erinnert. Die „Poilu“ waren französische Soldaten zu Zeiten des Ersten Weltkriegs. Absicht der 22-jährigen Modedesignerin aus den Vogesen war es, der Soldaten zu gedenken – und sie zu ehren. Doch das Kostüm löste eine heftige Debatte in ganz Frankreich aus.

An diesem Samstag findet zum 90. Mal die Wahl der Miss France statt. Jede Region Frankreichs wählte dazu bereits vor einigen Monaten eine Kandidatin, die sie bei dem Schönheitswettbewerb in Marseille repräsentieren wird. Es ist mittlerweile üblich, dass diese Repräsentantinnen mit regionaltypischer Kleidung für die Wahl ausgestattet werden.

Auch bei Geneviève de Fontenay, der ehemaligen Präsidentin der Miss-France-Organisation, sorgt das Kostüm für Aufregung. „Sowas habe ich ja noch nie gesehen. Man veranstaltet doch keinen Schönheitswettbewerb, indem man sich an den Krieg und an die Toten erinnert“, sagte sie. Die Medien hatten sie um eine Stellungnahme gebeten. „Man kann das nicht vermischen, den Krieg und junge Frauen, die sich im Bikini auf dem Laufsteg zeigen“, sagt Fontenay. „Ich bin 87 Jahre alt, ich kenne Menschen, die Familienmitglieder im Krieg verloren haben.“ Sie sei zutiefst schockiert von dem Entwurf.

Angesichts all der Kritik versucht die Designerin Marion Lambert sich zu rechtfertigen. Sie sei doch noch eine sehr junge Designerin und habe sich dennoch gewagt, ein solches Kostüm zu entwerfen. „Es wäre übrigens gut, wenn man sich auf die künstlerischen Kriterien besinnen könnte, die wir bei dem Wettbewerb beachten müssen“, erklärt sie. „Die Kleidung soll die grundlegenden Symbole der Region berücksichtigen, sich an der Geschichte, an der Gastronomie, aber auch an ihrem Erbe orientieren.“

Rückenwind erhält Lambert dagegen von Sylvie Tellier, der heutigen Direktorin der Miss-France-Organisation. Dennoch sah sie sich aufgrund der massiven Kritik an Lamberts Kleid gezwungen, den Entwurf nicht zu der Miss-Wahl zuzulassen.

Marion Lambert hatte daraufhin gerade einmal drei Wochen Zeit, um einen neuen Entwurf zu kreieren. Es ist ein weißes Kleid in Satin-Optik mit Flügeln aus ebenfalls weißen Federn, welche dezent mit Pailletten besetzt sind. Das Kostüm nennt sie „l′alérion“, was zu Deutsch kleiner Adler bedeutet: das Wappentier Lothringens.

Das ursprüngliche Kostüm von Miss Lothringen sorgte für Wirbel. Nun hat die Designerin einen neuen Entwurf präsentiert. Foto: Manon Lambert

„Die Silhouette erinnert auch an eine Friedenstaube, deshalb ist es gleichzeitig eine Würdigung der Soldaten im Ersten Weltkrieg.“ Schlussendlich hat sie also auch bei dem neuen Entwurf an ihrer Grundidee festgehalten. Sie verwandelte den Adler in eine Friedenstaube.