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Die Gemeinschaftsschule Freisen geht neue Wege in der Begabtenförderung

Gemeinschaftsschule Freisen : Experimentieren jenseits des Lehrplans

Noch vor Corona standen die Begabtentage im Bereich Naturwissenschaften an der Gemeinschaftsschule Freisen an.

Großen Spaß hatten die Schüler, die jüngst an den Begabtentagen der Gemeinschaftsschule Freisen in den Naturwissenschaften teilgenommen haben. Die Begabtentage sind ein neuer Ansatz, den die beiden Lehrerinnen Victoria Sell und Andrea Kubik während der Teilnahme an der Qualifizierungs-Reihe „ProfIL“ des Bildungsministeriums entwickelt haben. Das teilt Schulleiter Marc André Müller mit. Ziel der Begabtentage sei es, talentierten und besonders begabten Schülern, die das normale Unterrichtspensum in der Regel problemlos meistern, neue Anreize des Lernens zu geben und sie mit besonders kniffeligen Aufgaben zu fordern und zu motivieren.

An zwei Tagen durften erstmals Schüler, die sich durch besonders gute Leistungen in den Fächern der Naturwissenschaften – Chemie, Physik und Biologie – ausgezeichnet hatten, sich an Versuche und Experimente wagen, die über den Pflichtinhalt der Lehrpläne hinausgehen. Beide Lerngruppen aus den Klassenstufen fünf bis sieben sowie acht bis zehn hatten zudem den Auftrag, ein Video über einen Versuch ihrer Wahl zu erstellen. „Gleichzeitig waren Schüler der Klassenstufe zwölf als Lern-Coaches im Einsatz und erweiterten durch die Mitbetreuung der Schülergruppen gleichzeitig ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen“, sagt Müller.

Die Lerngruppe der Klassenstufen fünf bis sieben beschäftigte sich unter anderem mit Versuchen rund um Lebensmittel und deren Eigenschaften. So sollten zum Beispiel Knödel hergestellt und auf ihr Kochverhalten untersucht werden. In weiteren Versuchen sollte analysiert werden, wie die Zugabe von Spülmittel oder von Stärke sich auf die Eigenschaften von Wasser auswirkt. „Sehr interessant finde ich den Versuch zum Wasserberg“, meinte Tamia Schäfer. Auch dieser Versuch drehte sich um die Eigenschaften des Wassers, denn er hatte zum Ziel, möglichst viele Wassertropfen aus einer Pipette zu einem Berg anzuhäufen und dadurch die Auswirkungen der Oberflächenspannung des Wassers zu demonstrieren.

„Am besten hat uns das Experiment mit der Zuckersonne gefallen“, waren sich Leon Weber und Aaron Kaiser einig. Bei diesem Versuch ging es darum, mit einem Zuckerwürfel, Lebensmittelfarbe und Wasser nachzuvollziehen, wie sich Zucker in Wasser auflöst. Während die Versuche dieser Lerngruppe aus verschiedenen Fachbüchern und Internetportalen zusammengestellt worden waren, hatten die Lehrkräfte für die älteren Schüler das sogenannte „Lab in a box“ zum Thema „Den Geheimnissen der Flüssigkeiten auf der Spur“ von der Universität des Saarlandes ausgeliehen. „Logisch, dass diese Versuche nochmal deutlich anspruchsvoller waren“, kommentiert Müller. Aber auch hier seien die Schüler motiviert und voller Ehrgeiz bei der Sache gewesen und am Ende zu den gewünschten Ergebnissen gekommen.

„Besonders gut gefällt mir, dass beide Lerngruppen etwa paritätisch aus Jungen und Mädchen zusammengesetzt waren“, resümierte Schulleiter Müller am Ende der Begabtentage. Damit hätten gerade die Schülerinnen einmal mehr bewiesen, dass die naturwissenschaftlichen Fächer nicht nur für Jungen reizvoll seien und dass man sich in Freisen über den gerade von der Kultusministerkonferenz gemachten Vorschlag, einen geschlechtergetrennten Naturwissenschafts-Unterricht einzuführen, keine Gedanken zu machen brauche.

Insgesamt zeigte sich der Schulleiter mit dem Pilot-Durchgang sehr zufrieden, denn dadurch seien gleich mehrere Bausteine des pädagogischen Konzeptes der Freisener Schule miteinander verknüpft worden, meinte Müller. So sei nämlich die bereits bewährte Handlungsorientierung im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) mit Inhalten des neuen Medienkonzeptes und dem neuen Konzept der Begabtenförderung gekoppelt worden.

Nach diesen sehr guten Erfahrungen sollen zukünftig auch Begabtentage in anderen Fächergruppen, etwa in den Gesellschaftswissenschaften oder in den Fremdsprachen folgen, sagt der Schulleiter weiter.