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Naturwildpark Freisen steht wegen Sperrung aufgrund von Corona vor Aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Naturwildpark Freisen : Droht bald das Aus für Heimat von 500 Tieren?

Der Naturwildpark Freisen wird von der Corona-Krise hart getroffen. Kredite helfen nicht weiter.

Es ist schon ein ungewohnter Anblick, bei strahlendem Sonnenschein den Naturwildpark in Freisen leer und verwaist vorzufinden. Die Wege sind wie leergefegt, kein einziger Besucher weit und breit. Ursächlich dafür sind die Maßnahmen von Bundes- und Landesregierung zum Schutz der Bevölkerung vor dem Corona-Virus. „Ich kann es aber nicht verstehen, wenn sich am Bostalsee die Leute in Scharen tummeln und hier niemand reindarf“, beschwert sich der Betreiber, Matthias Broszeit, als der See beziehungsweise die Besucherparkplätze noch offen sind. Denn auch in seinem Park könnte man auf dem Rundweg genauso spazieren gehen wie am Bostalsee, führt er ins Feld. „Wir würden auch alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, den Besucherstrom schon am Eingang so zu leiten, dass keine Kontakte außerhalb der jeweiligen Besucher-Familien entstehen können und auch im Park dafür Sorge tragen, dass die Bestimmungen eingehalten werden“, erklärt er seine Bereitschaft für die notwendige Sicherheit zu sorgen. Die Falknerei könnte geschlossen bleiben und in dem weiten Areal könnten sich sicherlich gleichzeitig einige hundert Gäste aufhalten, ohne sich näher als die geforderten zwei Meter zu kommen. „Selbstverständlich ist auch für die Hygiene in den Toilettenanlagen gesorgt“, versichert Broszeit weiter. Die Gastronomie bliebe dann natürlich geschlossen. Und auch auf öffentliche Fütterungen würde er verzichten, damit sich dort keine Menschentrauben bilden. „Ich sehe unseren Park als eine willkommene Möglichkeit für Familien und Naturinteressierte, sich gerade in dieser angespannten Zeit zu erholen und Kraft zu tanken“, gibt er weiter zu bedenken. Den Eintrittspreis von derzeit neun Euro würde er entsprechend deutlich senken, um dem geschmälerten Angebot Rechnung zu tragen.

„Trotzdem wären die Einnahmen ein kleiner Beitrag dazu, dass wir wenigstens überleben können“, erläutert er seine Beweggründe für die angebotenen Maßnahmen. „Wenn nichts geschieht, sind wir in drei Monaten am Ende und ich kann Insolvenz anmelden“, so Matthias Broszeit. Der Bostalsee wurde inzwischen für den Besucher, die nicht aus den Anliegerdörfern kommen, gesperrt. Das ändert letztlich aber nichts an der problematik, mit der die Prakbetreiber zu kämpfen haben.

Gemeinsam mit seinem Bruder Jörg betreibt Matthias Broszeit den Naturwildpark seit 1999. Zuvor hatte schon ihr Vater hier erst Damwild gezüchtet, bevor die Anlage öffentlich zugänglich wurde. „Jetzt stehen wir kurz vor dem Aus“, erklärt Broszeit. „Ich habe mein ganzes Leben hier mitgearbeitet und unsere Familie hat sich hier eine Existenz aufgebaut und nun muss ich mit ansehen, wie ein kleiner Virus alles zunichte macht.“ Die Fördermittel über die KFW-Bank kommen für ihn nicht in Frage. „Wie soll ich das denn innerhalb von fünf Jahren zurückzahlen? Wir benötigen mindestens 500 000 Euro, um die rund 500 Tiere über den Winter zu bringen. Jetzt wäre die Zeit, wo wir durch die Besucher und Veranstaltungen die Rücklagen erwirtschaften könnten, die wie für den Winter brauchen“, erklärt er. Gut 10 000 Euro müsse er jeden Monat alleine für das Futter aufbringen. „Wir bauen zwar unser Heu größtenteils selber an, aber wir müssen Kraftfutter und Obst und Gemüse zufüttern, damit die Tiere gesund bleiben“, verdeutlicht er die Problematik.

Die Kosten für Tierarzt, Hufschmied und nicht zuletzt das notwendige Personal sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. „Unsere 450-Euro-Kräfte, hauptsächlich in der Gastronomie, sind alle schon freigestellt“, berichtet er. „Unsere festangestellten Mitarbeiter kann ich auch nicht voll in Kurzarbeit schicken, weil sich ja jemand um die Tiere kümmern muss“, sagt Broszeit. Von der Politik fühle er sich im Stich gelassen.

Sowohl bei der Gemeinde als auch im Landratsamt habe ihm niemand wirklich weiterhelfe können. „Man kann doch nicht alles über einen Kamm scheren. Was nützen mir die Soforthilfe und die KFW-Mittel, die ich nicht zurückzahlen kann. Mir wäre viel mehr geholfen, wenn ich wenigstens meine Rechnungen zum Beispiel für Futter, Energie und Versorgung einreichen könnte und bezahlt bekäme und meine Mitarbeiter Kurzarbeitergeld vom Arbeitsamt bekämen. Dann kämen wir wohl irgendwie über die Runden“, hat er einen Vorschlag parat. „Aber noch mehr würde man uns helfen, wenn wir unter entsprechenden Bedingungen wenigstens eingeschränkt öffnen könnten.“

Als letztes Mittel versucht er nun über ein Spendenkonto Hilfe für die Tiere zu bekommen. „Wir selber brauchen nicht viel zum Leben. Aber die Tiere müssen irgendwie versorgt werden und auch meine festangestellten Mitarbeiter, darunter auch zwei Azubis, sind auf das Geld, dass sie hier verdienen, angewiesen.“ Sobald das Konto eingerichtet ist, erfährt man Näheres auf der Homepage www.naturwildpark-freisen.de oder auf Facebook.

Besorgt blickt Matthias Broszeit dem Futtertransport hinterher: „Noch können wir die Tiere versorgen, aber spätestens in drei Monaten ist hier Feierabend und wie wir über den Winter kommen sollen, weiß ich erst recht nicht.“ Foto: Ralf Mohr

Die Absage des für das erste April-Wochenende geplanten Mittelaltermarktes ist nicht nur für ihn eine Katastrophe. „Die Händler und Schausteller, die den Markt als feste Größe in ihren Terminplan eingeplant haben, wissen überhaupt nicht, wie sie den Ausfall ausgleichen können“, so Broszeit. „Ich verstehe die Notwendigkeit der Kontaktsperre und aller Vorsichtsmaßnahmen, ich unterstütze das auch, aber man darf dabei die Existenz der Menschen und der Tiere nicht vergessen“, gibt er zu bedenken. Inzwischen hat übrigens der Landkreis die Zufahrt zum Bostalsee für die Besucher gesperrt, um bei dem erwarteten schönen Wetter keine Menschenansammlungen zu generieren.