1. Saarland

Sklavenhandel: Eine Frau für vier Silberstücke Erlebnisprogramm mit mittelalterlichem Marktflair

Sklavenhandel: Eine Frau für vier Silberstücke Erlebnisprogramm mit mittelalterlichem Marktflair

Freisen. "Ich bin sehr angetan vom kompletten Angebot", lobte Besucher Valentin Schmitt aus Bad Dürkheim. Ihn beeindruckte die Kombination von Erlebnisprogramm und mittelalterlichen Marktflair. "Es sind über 100 Händler vertreten. In den letzten Jahren ist alles größer geworden", sagte Veranstalter Matthias Broszeit

Freisen. "Ich bin sehr angetan vom kompletten Angebot", lobte Besucher Valentin Schmitt aus Bad Dürkheim. Ihn beeindruckte die Kombination von Erlebnisprogramm und mittelalterlichen Marktflair. "Es sind über 100 Händler vertreten. In den letzten Jahren ist alles größer geworden", sagte Veranstalter Matthias Broszeit.Für ihn ist dafür das natürliche Ambiente ausschlaggebend. Die Händler boten alles feil, was ein Mittelalter-Liebhaber benötigt. Waffen, Silberschmuck, Kleider, Schuhe und natürlich Trinkhörner. An Speis und Trank wie Met, Bettlerfladen oder an der Landsknechtwurst fehlte es nicht. So ganz nebenbei konnte sich jeder Besucher in den mittelalterlichen Sportarten Bogenschießen, Axt- und Speerwerfen noch in Form bringen. frf

Freisen. Wir schreiben in etwa das Jahr 1250. Die nachfolgenden beschriebenen Szenen stehen in keinem Geschichtsbuch, sondern könnten sich damalig auf dem Markt in Fresenacum so zugetragen haben. "Seht her ihr Leut, ich hab Weibs- und Kindervolk für euch zum Verkauf", schreit der ruppige Sklavenhändler, Markgraf Robert von Valmont zu Metz. Nacheinander führen seine brutalen Sergeanten die angekettete menschliche Ware vor. "Schaut her, gute Zähne und eine gesunde Statur", weist der Markgraf auf die Qualitätsmerkmale seiner Sklaven hin. Heinrich von Dernbach erwirbt für vier Silberstücke eine Frau und nimmt obendrein noch zwei Waisenkinder mit. Die Sklaven, die im Bestand des Markgrafen zurückbleiben, werden daraufhin von den Gardisten ausgepeitscht. Schockiert darüber ist Erik der Leiermann. "Ich will hier nur Musik machen. Vielleicht bekomme ich dafür Speis und Trank und eine Herberge", hofft der Musikant. Derjenige, der ihm dazu verhelfen kann, ist Kalibo. Eigentlich ist er Zauberer und Gaukler. Doch seit die 2000 Akteure hier lagern, ist Kalibo der Zeremonienmeister und Herold.

"Hier in Fresenacum ist mit der größte Markt weit und breit", berichtet Kalibo. Ab dem Jahre 500 bis zum Jahre 1500 sei alles vertreten, wenn auch nicht alles authentisch und wissenschaftlich belegt sei. "Das dunkle Mittelalter ist eine ganz raue Zeit", erzählt er. Zweimal pro Tag tobt die Schlacht um Burg Kimbelstein.

Über dem Mittelaltermarkt im Naturpark Freisen geht langsam die Sonne unter. Fotos: Frank Faber

Schwerthändler Nordmann Torgrim Wogenwolf lacht sich ins Fäustchen. Für 145 Silberstücke hat er einem Gefolgsmann des Grafen Heinrich von Kirkel eine Hieb- und Stichwaffe mit zweischneidiger Klinge verkauft. "Das bringt mir einen Gutshof, Rinder und Leibeigene ein", rechnet der raffsüchtige Schwerthändler vor. Zwei Mönche des Templerordens sind bis an die Zähne bewaffnet. Die frommen Brüder im Waffenrock zählen zum ersten Ritterorden, der während der Kreuzzüge eine militärische Eliteeinheit bildet. In den Abendstunden ist das Gerassel mit Schwert und Säbel verstummt, alles Machtgehabe spielt keine Rolle mehr, nur noch die gefüllten Trinkhörner prallen aneinander. Drei bildschöne, orientalische Berberfrauen tanzen bauchfrei vor der Taverne, Spielleute erfreuen die Besucher mit den Klängen ihrer Instrumente und Minnesänger präsentieren Liedgut. "Das hat was von einer Stimmung in einem Ferienlager", beschreibt Kalibo, der dazu alle Akteure zusammengetrommelt hat. Erst weit nach der Feuershow suchen die Rittersleut ihr Nachtlager auf.