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Wie Schulen ihre Schüler im Saarland zu Hause unterrichten wollen

Corona in der Schule : Wie Saar-Schüler zu Hause lernen sollen

Schüler sollen ab Montag zu Hause bleiben. Die Schulen wollen sie dort aber weiter unterrichten. Nur wie? Digital? Per Post?

Die Schulen im Saarland sind wegen des Corona-Virus ab heute bis vorerst nach den Osterferien (27. April) geschlossen. Seit Freitag steht das fest. Daher haben die Lehranstalten über das Wochenende daran gearbeitet, einen Ersatz für den ausfallenden Unterricht zu schaffen.

Doch wie kommen Schüler nun an Inhalte? „Digital“, lautet die vermeintlich einfache Antwort. „Doch nicht jeder Schüler hat zu Hause einen Laptop, einen Computer oder ein Tablet“, weiß Birgit Jenni, Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft an der Saar. Und auch der Digitalpakt, der die Saarschulen vernetzen und ausstatten soll, „läuft ja gerade erst an“, sagt die Gewerkschaftlerin. Solche Schüler würden die Angebote dann per Post bekommen müssen. Davon geht auch Andreas Sanchez, Vorsitzender des Hauptpersonalrates Gemeinschaftsschulen und Vorstandsmitglied GEW, aus. Er berichtet zudem, dass die Schulen digital „sehr unterschiedlich aufgestellt seien“. Einige seien top ausgerüstet, andere noch nicht.

Jenni verweist darauf, dass gerade die 30 000 Berufsschüler oft noch sehr schlecht ausgestattet seien. Das Problem gibt es auch an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Auch dort haben nicht alle Schüler schuleigene Tablets zur Verfügung. Sie müssten nun auf eigene Geräte zurückgreifen. Was wiederum zwei wesentliche Fragen aufwerfe: Haben sie genug Geld, sich diese zu leisten – und wie sieht es mit der Datensicherheit auf eigenen Geräten aus? Einfach WhatsApp auf dem eigenen Smartphone zu nutzen, sei rechtlich schwierig, weiß Jenni. „Nicht jeder Lehrer hat Dienstmails, und muss dann private Accounts nutzen“, erklärt Sanchez. Das Bildungsministerium habe daher nun die Verpflichtung, „Schulen und Lehrkräfte über die datenschutzrechtlichen Bestimmungen zu informieren und dafür Sorge zu tragen, dass diese eingehalten werden können“, sagt Jenni.

Das Hauptproblem sieht Jenni derzeit in den beruflichen Schulen, da dort sehr viele Prüfungen anstünden. Wie nimmt man die ab? Wie bereitet man sie vernünftig vor? Hauptschulabschluss, mittlerer Bildungsabschluss, Fachholschulreife, Abitur – alles möglich auf einer Berufsschule. Auch Gemeinschaftsschulen, bieten mehrere Abschlüsse an.

Lehrer an Gymnasien sind vertreten im Saarländischen Philologenverband. Der hat über das Wochenende unter seinen Lehrern eine Umfrage gestartet und dabei festgestellt, dass sie bereits Ersatzmöglichkeiten gefunden oder solche in Vorbereitung hätten. Zum Teil handele es sich um „klassisch-analoge“ Ansätze wie Selbststudium, zum Teil kämen „hybride“ Konzepte zum Einsatz, die an den üblichen Unterricht angelehnte Aufgabenformate mit elektronisch unterstützten Informationswegen kombinieren. Zum Teil seien auch volldigitale Ansätze wie Schulclouds oder Lernplattformen im Angebot. „Die Gymnasien reagieren nach unserer Beobachtung schnell, entschlossen und flexibel auf die neue Situation“. Das gelinge aufgrund des enormen Engagements von Lehrkräften, Schülern und auch Eltern, die „an einem Strang ziehen“, erklärte Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbands (SPhV). Den Gymnasien gelinge es, auf die Lerngruppe zugeschnittene Angebote zu realisieren. Allerdings zeige sich auch, dass „Fernunterricht“ – ganz gleich, ob analog oder digital – den persönlichen Kontakt im Klassenzimmer eben auch nur ansatzweise ersetzen könne. Einer Lösung bedarf nach Auffassung des SPhV nicht nur die Frage nach dem Abitur, sondern auch die Situation der Referendare, also der Lehrer, die sich in der Ausbildung befinden.

Jenni und Sanchez bescheinigen auch den Gemeinschaftsschulen, dass einige bereits seit Jahren auf digitale Lernmöglichkeiten setzen würden und nun wie die Gymnasien bereits gute Angebote über das Wochenende erarbeitet hätten. Etwas entspannter sei die Lage in den Grundschulen, da dort keine Abschluss-Prüfungen anstünden.

Birgit Jenni, Vorsitzende der GEW im Saarland. Foto: Tobias Fuchs
Marcus Hahn, Philologenverband Saar. Foto: Dominik Dix

Es seien schwere Zeiten, sagte Jenni, festzuhalten bleibe aber, dass das Bildungsministerium derzeit „aus unserer Sicht einen guten Job macht“. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) versuche, „so transparent wie möglich mit dieser Situation umzugehen“, erklärte die Gewerkschaftlerin. Das sieht auch Sanchez so. Er erwarte vom Ministerium in den kommenden Tagen einheitliche Regelungen, wie die Schüler zu Hause zu beschulen seien, und sei dabei guten Mutes, „dass wir die auch bekommen“.