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Detlef Fecht reist viel für Mandolinen- und Gitarrenverein Quierschied

Serie Menschen im Regionalverband : Vereinsmensch reist oft aus Berlin an

Als Vize-Vorsitzender gibt Detlef Fecht fast alles für den Mandolinen- und Gitarrenverein Quierschied.

„Wie ruhig das hier ist.“ Für jemanden wie Detlef Fecht, der den größten Teil des Jahres im hektisch-überdrehten, atemlosen Berlin verbringt, fühlt sich so ein Heimatbesuch im beschaulichen Quierschied immer wie eine Zeitreise mit Entschleunigungsgarantie an. „Ich switche zwischen zwei Welten“, sagt Fecht, „das ist das Schöne.“

In der Großstadt ist er als Vertrauensperson für 145 Schwerbehinderte und 1100 Mitarbeiter in fünf Dienststellen des Jobcenters Berlin Mitte zuständig. Ein Job, der viel fordert, aber auch viel zurückgibt. Angefangen hat seine berufliche Karriere beim Stadtverband Saarbrücken, wo er Bauzeichner lernte.

Dabei kam er in Kontakt mit Stadt- und Raumplanern und wusste irgendwann: Das ist es, was ich will. Also galt es nach dem Zivildienst, erst mal das Abitur nachzuholen. Als Studienort kam anschließend nur Berlin in Frage, der Fächerkombination wegen: Geographie plus Stadt- und Regionalplanung plus Soziologie.

Mit 26 zog Fecht deshalb weg – nicht ahnend, dass er sesshaft würde in der Hauptstadt. Schlecht für den ohnehin schwächelnden Verein. Hatte er sich doch bis dato um Öffentlichkeitsarbeit und die Noten gekümmert. Nach dem Studium plante der frisch gebackene Diplom-Geograph zunächst Bahnhöfe und Bahnhofsplätze. Später folgte eine Phase als Quartiersmanager. Bis die Bundesagentur im  Jahr 2005 Arbeitsvermittler suchte.

„Da hab ich mich spontan beworben und wurde genommen.“ Bis zum Teamleiter arbeitete er sich hoch. „Ich bin total zufrieden“, meint der Wahlberliner. In seiner Freizeit wandelt er mit Touristen auf jüdischen und archäologischen Spuren, fährt viel Rad und reist oft und viel, um Städte und Landschaften kennenzulernen. Außerdem sammelt Fecht Quierschieder Ansichtskarten, die er vor Kurzem in der Q.lisse vorstellte.

Das an sich würde ein Leben schon bequem ausfüllen. Doch Detlef Fecht verfügt ja noch über dieses zweite – das sich ums Musizieren dreht. Angefangen hat das lange vor seiner Geburt: Hob doch seine Oma 1948 nach dem Krieg den örtlichen Mandolinen- und Gitarrenverein „Froh und Heiter“ wieder mit aus der Taufe. Die halbe Familie spielte Mandoline, nur Mutter und Vater tanzten aus der Reihe. Aber sie nahmen ihn im Kinderwagen mit zum Pfingstfest, das seit 1962 ein wichtiges Standbein des Vereins darstellt.

Lebhaft erinnert sich Detlef Fecht an diese Feste, bei denen die Kinder Schnäkes, Brezeln und Zigaretten verkaufen durften. Klar, dass er irgendwann auch mitmischen wollte. Als ihn die Mutter nach dem von ihm bevorzugten Instrument fragt, sagt er, ohne zu zögern: „Mandoline.“ Sie darauf: „Nee, ein richtiges. Ich ees dir.“

Doch er konnte sich durchsetzen. Die Eltern kauften ihm das im Vergleich zur Gitarre kleinere, dafür umso bauchigere und kostspieligere Instrument. Gnade konnte er also keine erwarten, als er später der wunden Finger wegen das Handtuch werfen wollte.

„Jetzt zieh’ das auch durch“ lautete die Ansage – und Fecht zog es durch. Sogar so konsequent, dass er heute regelmäßig zwischen seiner Wahlheimat und seinem Geburtsort pendelt, um möglichst viele Termine mit den Mandolinen- und Gitarrenkollegen wahrnehmen zu können.

Damit nicht genug, ist er zweiter Vorsitzende des Vereins. Als ein Generationswechsel anstand, ließ er sich überreden, probeweise mal ein paar Aufgaben zu übernehmen. Und siehe da: Briefe schreiben, Pressearbeit, Organisation von Veranstaltungen, Kontaktpflege … all das funktioniert auch aus 750 Kilometern Entfernung ganz gut, Telefon und Computer sei Dank.

100 Mitglieder zählt der längst wieder auf gesunden Füßen stehende Mandolinen- und Gitarrenverein, 15 davon spielen im Orchester mit. Das inzwischen „hoch angesehen“ ist. Und eine Rarität zudem. Klar, „es gibt nicht mehr so viele kulturtreibende Vereine.“

Sofern das Corona-Virus nicht dazwischenkommt, steht demnächst wieder das Pfingstfest des Vereins ins Haus. „Großkampftage“ nennt Detlef Fecht die unmittelbare Vorbereitungszeit.

Dann sitzt er wieder im Zug. Und findet das absolut okay: „Es hat lange gedauert, bis ich wusste, was ich wollte.“ Jetzt passt’s.