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Geschichten aus Orient und Okzident

Porträt : Geschichten aus Orient und Okzident

Moschgan Ebrahimi und Arash Talebi bringen im Saarbrücker Theater im Viertel Poesie und Musik zusammen.

Moschgan Ebrahimi wurde 1965 in Quierschied geboren. Ihr Name lässt viele Menschen darauf schließen, dass sie ganz woanders herkommt. Wäre die Tochter eines Iraners und einer Österreicherin nach der Mutter benannt worden und hätte sie einen europäisch klingenden Vornamen wie ihre als Sängerin bekannte Schwester Susan, wäre sicher vieles anders verlaufen in ihrem Leben. So etwa berichtet Ebrahimi davon, dass ihre Tochter jüngst davon abriet, als Bürge gegenüber Vermieter aufzutreten – das würde die ohnehin schwierige Wohnungssuche eher noch komplizierter machen.

Die erste Erfahrung mit Fremdenfeindlichkeit hat Ebrahimi in einen Text namens „Der erste Mercedes“ gepackt. Als sie nämlich als Kind erleben musste, wie der mit „Kraft, Wille, Arbeit und Disziplin bezahlte“ Mercedes ihres Vaters eines Morgens mit zerkratztem Lack vor dem Haus stand. Dazu haben die Täter die Inschrift „Scheiß Kanacken raus“ hinterlassen. Diesen und weitere Texte wird Ebrahimi am 29. März im Theater im Viertel vorlesen. Musikalische Verstärkung erfährt sie dabei vom iranischen Flüchtling und Musiker Arash Talebi. Dieser beherrscht die Santur, ein traditionelles orientalisches Instrument. Im Iran war es ihm nach Aussagen von Ebrahimi gut gegangen, er hatte Gastauftritte und durfte auch mal das Land für eine Lehrtätigkeit in Chile verlassen. Doch eine heimlich aufgenommene CD mit regimekritischen Texte, die in falsche Hände fiel, veranlasste Talebi zur Flucht über die Balkanroute nach Deutschland. Jetzt lebt er in Eppelborn und macht eine Tischlerlehre – was ihn als Musiker natürlich wenig zufriedenstellt. Doch ist die Santur eben ein so exotisches Instrument, dass es schwer ist, in Deutschland damit Geld zu verdienen.

Vermittelt wurden die beiden Künstler von Robert Karge, dem Dramaturgen des Theaters im Viertel. Und dann stellte sich ein Zufall heraus: Einer von Ebrahimis Texten heißt „Isfahan“. Er handelt davon, dass ein iranischer Onkel bei einem Besuch im Saarland zwar die Saarschleife inspiziert, dann aber doch feststellt: „Isfahan ist schöner.“ Aus eben dieser persischen Stadt, die als besondere Schönheit gilt, stammt auch Talebi. Da wurde der Autorin klar, dass das Programm „So schön ist Isfahan“ heißen muss. Eine gleichnamige CD wurde bereits aufgenommen. Ebrahimi wollte endlich mal etwas aus ihrem künstlerischen Schaffen dokumentieren. Das hatte sie, die einst in Punk- und Rockbands gesungen oder Theater gespielt hatte, bisher verpasst. Vor den Aufnahmen erklärte sie Talebi die Stimmung ihrer Texte. „Er hat das aufgenommen und mit seiner Musik unterstrichen, dadurch bekommt das einen sehr poetischen Charakter.“

Mal spricht Ebrahimi einen Text, worauf ein Santur-Stück folgt, mal begleitet sie der Musiker während des Lesens. Neben den Erfahrungen aus ihrer eigenen Biografie hat Ebrahimi auch viele Geschichten ihrer iranischen Verwandtschaft ins Programm genommen. Etwa die unvorstellbar schlimme Begebenheit, als Kinder auf ein Minenfeld geschickt wurden.

Oder wie ihr Vater nach langer Abwesenheit die Familie in Teheran besucht und dort Heimweh empfindet beim Geruch von Reis, Lammfleisch und Safran.

Die Autorin selbst war nur als Kind im Iran und spricht kaum Farsi. Als sie im Erwachsenenalter mal ihre Großmutter besuchen wollte, wurde ihr von der iranischen Botschaft erklärt, dass sie unerwünscht sei – wohl weil sie einen Christen geheiratet hatte, was für muslimische Frauen gemäß der religiösen Gesetzgebung der Mullahs nicht erlaubt ist.

Vor fünf, sechs Jahren habe sie mit dem Schreiben angefangen: „Die Kreativität muss ja raus.“ Dann fragte das Theater im Viertel nach wegen einer Veranstaltung zum Jahrestag des Mauerfalls. „Das hat den Leuten vom TiV gut gefallen. Die haben mir gleich einen Termin gegeben, da wusste ich noch gar nicht, was ich lesen soll!“, erzählt die Angestellte des Saarländischen Rundfunks. Doch dieser Druck scheint ein gutes Werk getan zu haben: Ebrahimis Geschichten sind facettenreiche Eindrücke eines Lebens zwischen Ost und West, mit viel Humor, aber auch mit einigem Tiefgang.

Info: So schön ist Isfahan – Geschichten und Klänge aus Orient und Okzident, Sonntag 29. März um 17 Uhr im Theater im Viertel. Mit Moschgan Ebrahimi (Texte) und Arash Talebi (Musik). Karten: 12/7 Euro. www.dastiv.de