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Fernsehen als Ersatz für die Realität?

Völklingen. Viele Eltern kennen folgende Situation nur zu gut: Die Kinder kommen von der Schule nach Hause, und ab geht's ins Wohnzimmer. Der Fernseher wird angeschaltet, und für die nächsten paar Stunden sind die Kids kaum noch ansprechbar Von SZ-Mitarbeiterin Melanie Horn

Völklingen. Viele Eltern kennen folgende Situation nur zu gut: Die Kinder kommen von der Schule nach Hause, und ab geht's ins Wohnzimmer. Der Fernseher wird angeschaltet, und für die nächsten paar Stunden sind die Kids kaum noch ansprechbar. Eltern wissen sich in dieser Situation oft nicht zu helfen: Was kann man tun, um das Interesse der Kinder vom Fernsehen wegzulenken? Wo liegen die Risiken bei zu hohem Konsum? Und wie viel Fernsehen ist eigentlich noch gesund? Große AnziehungskraftIn einem Vortrag der Medienpädagogin Susanne Willems-Kain im Rahmen der Elternschule der Völklinger Volkshochschule wurden die Eltern in der Grundschule Bergstraße über die Faszination Fernsehen aufgeklärt. "Medien wie das Fernsehen sind aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie üben vor allem auf Kinder eine große Anziehungskraft aus" - mit diesen Worten stieg die Medienpädagogin in ihren Vortrag ein. Eine Anziehungskraft, die neben den bunten, bewegten Bilden und der ständigen Verfügbarkeit vor allem in dem Wunsch, mitreden zu wollen, begründet ist. "Mit Gleichaltrigen tauschen sich Kinder über gesehene Filme oder Serien aus. Wer da beispielsweise Spongebob oder Hannah Montana nicht kennt, wird schnell zum Außenseiter", erklärte Willems-Kain. Eine Tatsache, die die Eltern nur bestätigen können. Ein Vater erklärte: "Meine Kinder unterhalten sich oftmals nur noch über Fernsehen. So, als ob es die Realität gar nicht gäbe." In der Tat: Oftmals wird Fernsehen für Kinder zur bestimmenden Freizeitbeschäftigung. Aber spätestens da ist höchste Vorsicht angesagt, wie die Medienpädagogin erklärte: "Wenn Kinder anfangen, sich nur noch über Sendungen und Filme zu unterhalten und auch kein Interesse mehr an anderen Hobbys zeigen, sollten die Eltern unbedingt eingreifen." Doch was kann man als Eltern eigentlich tun? Vor allem sollten, laut Willems-Kain, feste Fernsehzeiten festgelegt werden. Für Kinder von sechs bis acht Jahren wird eine Fernsehzeit von weniger als 60 Minuten pro Tag empfohlen. Kinder zwischen neun und zehn Jahren sollten täglich weniger als 1,5 Stunden fern schauen. Stattdessen sollten die Eltern für anregende Alternativen im echten Leben sorgen. Gemeinsame Zoo- oder Schwimmbadbesuche und Spielplatzausflüge sind von der Medienpädagogin genannten Alternativen. Wichtig sei außerdem, darauf zu achten, welche Serien und Filme sich die Kinder anschauen. Vor allem die Alterskennzeichnung sollte von Eltern geprüft werden.Gemeinsam darüber reden"Die beste Möglichkeit, die Eltern haben, ist jedoch, das Gespräch zu den Kindern zu suchen. Wenn diese beispielsweise einen Zeichentrickfilm gesehen haben, ist ihnen oft nicht klar, dass dies nicht der Realität entspricht. Darüber muss man dann reden", erklärte die Medienpädagogin. Denn nur durch das Gespräch von Eltern und Kindern, durch das Angebot von Alternativen und die Festlegung von Regeln könne das Fernsehverhalten von Kindern dauerhaft beeinflusst werden.