Saarbrückerin Amei Scheib singt für ihr Leben gern

Serie Menschen im Regionalverband : Saarbrückerin singt für ihr Leben gern

Die Chorleiterin und Sängerin Amei Scheib hat schon vielen Saarbrückern das Singen beigebracht. Über das Internet knüpft sie Kontakte zu Chorleiterinnen in der ganzen Welt, um an exotische Lieder zu gelangen.

Egal, ob Gartenarbeit, Kochen, Fahrradfahren oder Einkaufen – bei fast allen Tätigkeiten, die es so gibt, trällert Amei Scheib ihre Lieder. „Singen ist meine Leidenschaft und mein Leben. Singen hält körperlich fit, und man kann ein ganzes Leben lang singen“, sagt die 62-Jährige, die in Trier geboren wurde und in Kleinblittersdorf aufwuchs.

1976 zog die junge Amei mit 19 Jahren nach Saarbrücken. Der außergewöhnliche Vorname stammt von der deutschen Künstlerin Ruth Schaumann, die im Jahr 1932 das Buch „Amei, eine Kindheit“ herausbrachte. „Das Buch hat meiner Mutter so gut gefallen, dass sie mich Amei nannte“, erinnert sich das Gesangstalent, bei dem nicht nur der Name außergewöhnlich ist.

In Saarbrücken angekommen, studierte Amei Scheib Musikwissenschaften und Gesang und machte nebenher als Privatschülerin noch Ausbildungen zur Chorleiterin und Gesangslehrerin. Nur allein zu singen, reichte Amei Scheib aber nicht. Sie findet: Jeder sollte singen lernen, und am besten sollten noch alle zusammen singen. Also gründete die Saarbrückerin in den 1980er-Jahren ihren ersten Chor mit dem Namen Widerschall. Es folgten der Gemischte Saarbrücker Damenchor, der Gemischte Saarbrücker Herrenchor, das Chorensemble FrauenStimmen, der Interkulturelle Chor Stimmenvielfalt und viele weitere Projekte, bei denen Amei als Sängerin oder Leiterin mitwirkte.

Wie vielen Saarbrückern die 62-Jährige schon das Singen beigebracht hat, weiß sie gar nicht genau. „Ojeh, vielleicht 2000. Das kann ich schlecht sagen. Es hat 1981 angefangen und bis heute nicht aufgehört“, sagt die Gesangslehrerin. Nach ihrer Auffassung kann fast jeder Mensch singen lernen. „Zu mir kommen viele junge Menschen, die singen lernen wollen, aber auch viele Rentner, die in ihrem Leben eigentlich noch nie gesungen haben. Jeder, der will, kann es lernen“, sagt Amei Scheib.

Die außergewöhnliche Leidenschaft für das Singen kann man allerdings nicht lernen. Die hat sie in die Wiege gelegt bekommen. „Als ich ein Kind war, war mein Vater Vorsitzender des Saarbrücker Alpenvereins. Dort wurde gewandert, auf Berge gestiegen und gesungen. Bergsteigen und Wandern waren nichts für mich, aber in das Singen habe ich mich sofort verliebt. Schon in der Schule wusste ich, dass Singen mein Beruf wird“, erzählt die Saarbrückerin.

Am vergangenen Wochenende hatte sie mit dem Gemischten Saarbrücker Herrenchor Premiere des neuen Programms „Bergarbeiter“. Dabei sangen die Männer Bergarbeiterlieder aus verschiedenen Ländern und Kontinenten in Originalsprache – unter anderem ein Stück aus Chile.

Auch mit dem Chorensemble FrauenStimmen reist Amei Scheib musikalisch um die Welt und singt Lieder aus Afrika und Skandinavien. „Unser deutsches Liedgut kenne ich – und die Chöre. Ich finde es wahnsinnig spannend, herauszufinden, was die Menschen in anderen Ländern singen“, berichtet die Musikwissenschaftlerin.

Tage- und wochenlanger Recherchearbeit bedarf es, um an die Musik aus Chile und Mosambik heranzukommen. Über das Internet knüpft Amei Scheib Kontakte zu Chorleiterinnen in der ganzen Welt, um an Lieder aus den exotischsten Ländern zu gelangen. „Mir mach das sehr großen Spaß, und für die Chöre ist es etwas ganz Neues, diese Lieder zu singen“, berichtet die einzigartige und gesangsverrückte Frau aus Saarbrücken.

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