„Kleinkinder brauchen kein Smartphone“

Interview mit Nicole Burkert-Arbogast : „Kleinkinder brauchen kein Smartphone“

Die Saarbrücker Erziehungswissenschaftlerin Nicole Burkert-Arbogast erklärt, worauf es bei der Medienerziehung von Zwei- bis Fünfjährigen ankommt.

Erziehungswissenschaftlerin Nicole Burkert-Arbogast aus Saarbrücken hält häufig Vorträge vor Eltern, die wissen wollen, wie sinnvoll elektronische Medien wie Smartphone, Tablet und Fernseher für Kleinkinder sind. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät sie, welche Regeln sie Eltern empfiehlt und wie Kitas im Regionalverband bei der Medienerziehung aufgestellt sind.

Welche Rolle spielt heute das Thema Medienerziehung von Kleinkindern im Regionalverband?

BURKERT-ARBOGAST Das ist ein großes Thema, nicht nur im Regionalverband, sondern saarlandweit – vor allem, wenn es um Kinder im Kita-Alter geht. Viele Eltern sind unsicher und fragen, welche elektronischen Medien für Kinder sinnvoll sind.

Was antworten Sie?

BURKERT-ARBOGAST Grundsätzlich brauchen Kinder im Alter zwischen zwei und fünf keine elektronischen Medien. Und sie müssen sich in diesem Alter auch nicht mit dem Smartphone auskennen. Sie sehen aber, dass ihre Eltern Handys und Smartphones nutzen – und wollen es dann ebenfalls tun.

Wie reagieren Eltern dann am besten? Welche Regeln sollten sie aufstellen?

BURKERT-ARBOGAST Sie sollten die Nutzung zeitlich stark begrenzen. Zwischendurch ein paar Minuten zusammen mit dem Kind auf dem Smartphone spielen ist in Ordnung. Wichtig ist aber, nach Alternativen Ausschau zu halten. Für kleine Kinder gibt es viele andere Spielmöglichkeiten. Bildschirmmedien sprechen nur zwei Sinne an: Seh- und Hörsinn. Das ist für die Entwicklung nicht gut. Kinder brauchen vielfältige Sinneserfahrungen. Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum nur mit einem Bildschirmspiel beschäftigt sind, stört es auch die Kommunikation mit den Eltern.

Wie nutzen Kleinkinder die Medien?

BURKERT-ARBOGAST Der Fernseher spielt bei Zwei- bis Fünfjährigen nach wie vor die größte Rolle. Das haben zum Beispiel Untersuchungen des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest ergeben. Bei den Vier- bis Fünfjährigen folgen dann Konsole und altersgerechte Computerspiele.

Ab welchem Alter sind Smartphones sinnvoll?

BURKERT-ARBOGAST Ich halte Smartphones für sinnvoll, wenn die Kinder auf die weiterführende Schule gehen. Aber sie sollten dann begleitet werden, die Eltern sollten sie informieren, ihnen die Funktionen erklären und mit ihnen auch über Gefahren sprechen. In der Grundschule brauchen die Kinder kein eigenes Gerät. Nur ist es so, dass sie meist schon in der dritten oder vierten Klasse ein Smartphone geschenkt bekommen. Doch auch dann sollten Eltern versuchen, ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten beizubringen.

Wie sind Kitas im Regionalverband bei der Medienerziehung aufgestellt? Gibt es Nachholbedarf?

BURKERT-ARBOGAST Ja, nicht alle Kitas verfügen über die notwendige technische Ausrüstung für medienpädagogische Projekte. Die Ausrüstung lässt sich aber ausleihen, zum Beispiel bei der Landesmedienanstalt. Das viel größere Problem ist: In vielen Kitas fehlen bekanntlich Erzieher. Und Erzieher haben heute vielfältige Aufgaben – die Medienerziehung ist nur ein kleiner Teil. So ist es natürlich schwer, gute Medienerziehung anzubieten.

Welche Medienerziehung braucht es in Kitas?

Erziehungswissenschaftlerin Nicole Burkert-Arbogast aus Saarbrücken Foto: Alexa Kirch. Foto: Alexa Kirch

BURKERT-ARBOGAST Zunächst ist es wichtig, sich dem Thema nicht zu verschließen. Elektronische Medien gehören nun mal zu der Lebenswirklichkeit von Kindern. Aktive Elternarbeit ist ebenfalls nötig. Das bedeutet: Die Kitas sollten den Austausch mit den Eltern pflegen. Außerdem sollten Kitas punktuell Medienprojekte anbieten, etwa mit einem Tablet. Damit Kinder zum Beispiel sehen, was passiert, wenn sie mit dem Tablet ein Foto machen. Eine kreative Beschäftigung mit den Medien ist wichtig. Die Kinder sollen selbst gestalten und nicht nur auf den Bildschirm starren. Sie sollen sehen: Ich mache etwas, und dann entsteht etwas. Das funktioniert zum Beispiel, wenn sie Hörspiele aufnehmen, filmen und fotografieren.

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